Dienstag, 14. August 2012

Der Sündenfall im Paradies, Genesis 3 (Teil II)

Pater Eugen Mederlet OFM

Das dritte Kapitel der Genesis gibt uns Antwort.

1. Die Entscheidungsfreiheit.

Im Paradies schlich sich von Anfang an ein dunkles Geheimnis ein, das sich in der Schlange offenbarte. Schon vor Erschaffung der Erde hat sich im Urgeschehen des Himmels ein Teil der Engel gegen Gott und insbesondere gegen dessen Heilsplan, die Menschwerdung des Sohnes Gottes und seine Geburt aus Maria, der Jungfrau, erhoben und ist vom Heer der treuen Engel unter der Anführung Michaels besiegt und gestürzt worden.
Seither wartete der Teufel durch Milliarden Jahre auf das Erscheinen des Menschen, um ihn in seine eigene Verderbtheit hineinzuziehen und so alles zusammen mit Christus zu vernichten. Dem Adam ist die Entscheidung anheimgegeben für Gott und gegen den Teufel oder gegen Gott und für den Teufel. Adam weiß, dass von dieser seiner Entscheidung nicht nur das Schicksal des ersten Menschenpaares abhängt, sondern das der ganzen Schöpfung, ja auch das Schicksal des menschwerdenden Gottessohnes. Niemand kann ihm diese Entscheidung abnehmen; er muss sie treffen in seiner innersten Verantwortungseinsamkeit. Dazu strömt ihm aber auch die Fülle göttlicher Weisheit und die Glut göttlicher Liebe zu, die ihn zur höchsten Freiheit befähigen. Diese Entscheidung wird an ihn herangebracht sowohl von der himmlischen Welt als auch von den gefallenen Engeln. Dieser Kampf: „Wem glaube ich? Wem vertraue ich? Wem gehorche ich? Dem Gottessohn oder dem Natterngezücht?“ – dieser Kampf ist schon dem paradiesischen Menschen aufgegeben. Adam und Eva haben, gestärkt durch die Engel und den Heiligen Geist, sicher lange Zeit im Gehorsam gegen Gott dieser Versuchung standgehalten. Als sie schließlich den verführerischen Einflüsterungen der Schlange nachgaben, hatten sie ihre Stimme nicht zum ersten Mal vernommen; schon lange hatten sie angefangen, mit dem Verlangen zu spielen, die herrliche Weisheit und Kraft, die ihnen von Gott zufloss, sich selber anzueignen, von Gott unabhängig zu werden, Ihm gegenüberzustehen. Unter diesem Schwanken erkaltete immer mehr ihre Liebe, und weil ihr aufkeimender Stolz die Schuld auf Gott schob, begannen sie, an Gottes Liebe zu zweifeln.

Fortsetzung folgt.