Das dritte Kapitel der Genesis gibt uns Antwort.
1. Die Entscheidungsfreiheit.
Im Paradies schlich sich von Anfang an ein dunkles Geheimnis
ein, das sich in der Schlange offenbarte. Schon vor Erschaffung der Erde hat
sich im Urgeschehen des Himmels ein Teil der Engel gegen Gott und insbesondere
gegen dessen Heilsplan, die Menschwerdung des Sohnes Gottes und seine Geburt
aus Maria, der Jungfrau, erhoben und ist vom Heer der treuen Engel unter der
Anführung Michaels besiegt und gestürzt worden.
Seither wartete der Teufel
durch Milliarden Jahre auf das Erscheinen des Menschen, um ihn in seine eigene
Verderbtheit hineinzuziehen und so alles zusammen mit Christus zu vernichten.
Dem Adam ist die Entscheidung anheimgegeben für Gott und gegen den Teufel oder
gegen Gott und für den Teufel. Adam weiß, dass von dieser seiner Entscheidung
nicht nur das Schicksal des ersten Menschenpaares abhängt, sondern das der
ganzen Schöpfung, ja auch das Schicksal des menschwerdenden Gottessohnes.
Niemand kann ihm diese Entscheidung abnehmen; er muss sie treffen in seiner
innersten Verantwortungseinsamkeit. Dazu strömt ihm aber auch die Fülle
göttlicher Weisheit und die Glut göttlicher Liebe zu, die ihn zur höchsten
Freiheit befähigen. Diese Entscheidung wird an ihn herangebracht sowohl von der
himmlischen Welt als auch von den gefallenen Engeln. Dieser Kampf: „Wem glaube
ich? Wem vertraue ich? Wem gehorche ich? Dem Gottessohn oder dem
Natterngezücht?“ – dieser Kampf ist schon dem paradiesischen Menschen
aufgegeben. Adam und Eva haben, gestärkt durch die Engel und den Heiligen
Geist, sicher lange Zeit im Gehorsam gegen Gott dieser Versuchung
standgehalten. Als sie schließlich den verführerischen Einflüsterungen der
Schlange nachgaben, hatten sie ihre Stimme nicht zum ersten Mal vernommen;
schon lange hatten sie angefangen, mit dem Verlangen zu spielen, die herrliche
Weisheit und Kraft, die ihnen von Gott zufloss, sich selber anzueignen, von
Gott unabhängig zu werden, Ihm gegenüberzustehen. Unter diesem Schwanken
erkaltete immer mehr ihre Liebe, und weil ihr aufkeimender Stolz die Schuld auf
Gott schob, begannen sie, an Gottes Liebe zu zweifeln.