Mittwoch, 5. September 2012

1683: Die Türken vor Wien (2)

Fortsetzung von hier

2. Was taten die Wiener beim Nahen der Türken?

TB Luftsicht
Der Belagerungsring um Wien vom Stephansdom aus
gesehen. Bild: public domain via Wikimedia commons 

Zum Glück für Deutschland und Europa gab es in der Umgebung des Kaisers Männer, die der Gefahr beherzt entgegentraten. Den Kaiser selbst und seine Familie brachte man nach der bayrischen Stadt Passau in Sicherheit. Am nächsten Tage aber rückten mit Trompetengeschmetter und Paukenschall kaiserliche Kürassiere und Dragoner in Wien ein. Das Kommando über die Stadt hatte Graf Ernst Rüdiger von Starhemberg, ein Mann, zu dem jeder mit höchstem Vertrauen aufblickte. Auf seinen Befehl besserten die Wiener in aller Eile die Befestigungen aus, warfen Schanzen auf, sperrten die Zugänge mit starken Holzbalken (Palisaden) und brachten über dreihundert Kanonen in Stellung. Der Bürgermeister Liebenberg legte mit Hand an und füllte bei den
Schanzarbeiten den ersten Schubkarren. Der sächsische Ingenieur Rimpler führte die Aufsicht.
Nach Stadtvierteln und Zünften geordnet, traten die Männer zum Wachdienst auf den Wällen an, die Bäcker und die Gastwirte, die Fleischer, Brauknechte und Schuhmacher und viele andere. Die Studenten, 700 an der Zahl, standen neben den Buchdruckern; ihr Rektor befehligte sie. Alles in allem verfügte Starhemberg über etwa 15.000 Mann. Aber sie reichten kaum hin, um die Wälle und Tore hinreichend zu besetzen; denn Wien war die größte Festung des deutschen Reiches. Auch dem Mutigen konnte bange werden beim Gedanken an die vielen Zehntausende der Feinde. Wenn morgens und abends die "Türkenglocke" läutete, sank jeder, wo er ging und stand, betend in die Knie.
Alle wussten, daß sie dem Ansturm begegnen mußten, ohne auf Hilfe von außen rechnen zu dürfen. So hatte der kaiserliche Generalleutnant Herzog Carl von Lothringen entschieden. Fern von der Stadt, in der weiten Donauebene, wollte er die Truppen sammeln, die er erwartete; nur mit dieser gesammelten Macht konnte er hoffen, die Türken entscheidend zu schlagen. Es war ein kühner Entschluß; alles hing davon ab, ob die Wiener standhielten.

Fortsetzung Teil 3 "Die Belagerung" folgt.

2 Kommentare:

  1. die Münsterschen Bäckergesellen sind auch dabei;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Alle waren dabei!
      Es ging um die Rettung Europas, da konnte keiner zuhause in der guten Stube sitzenbleiben und sich hinterher berichten lassen, wie es ausgegangen ist.
      Wie gut, dass die Weicheier damals noch nicht erfunden waren.

      Löschen

Mit dem Posten eines Kommentars erteilen Sie die nach der DSGVO nötige Zustimmung, dass dieser, im Falle seiner Freischaltung, auf Dauer gespeichert und lesbar bleibt. Von der »Blogger« Software vorgegeben ist, dass Ihre E-Mail-Adresse, sofern Sie diese angeben, ebenfalls gespeichert wird. Daher stimmen Sie, sofern Sie Ihre email Adresse angeben, einer Speicherung zu. Gleiches gilt für eine Anmeldung als »Follower«. Sollten Sie nachträglich die Löschung eines Kommentars wünschen, können Sie dies, unter Angabe des Artikels und Inhalt des Kommentars, über die Kommentarfunktion erbitten. Ihr Kommentar wird dann so bald wie möglich gelöscht.