Donnerstag, 6. September 2012

Wien 1683: Kein Platz für Weicheier

Fortsetzung von hier

3. Die Belagerung

Vom Stephansdom aus beobachtete Graf Starhemberg, wie sich die Heeresmassen heranschoben. Um ihn herum waren ein paar Jesuiten, die sich darauf verstanden, Entfernungen und Winkel zu messen; noch heute wird auf der Höhe des Turms die Starhemberg-Bank gezeigt. So weit der Blick reichte, bedeckte sich die Ebene mit fremdartigen Zelten. Lange dauerte es, bis die Wagen, Pferde, Kamele und Büffel, die Ochsen- und Schafherden untergebracht waren. Aber dann gingen die Angreifer überraschend schnell ans Werk.

Anonym Entsatz Wien 1683
Da konnte nur noch ein Wunder helfen: Wien war von den Türken eingeschlossen
Bild: public domain via Wikimedia commons 

In wenigen Tagen trieben sie Laufgräben bis an die Befestigungen vor. Auf dreihundert Schritt eröffneten ihre Kanonen das Feuer, und nach jeder Beschießung erhoben sich die Massen aus den Gräben zum Sturm auf die Stadt. Sie wurden zurückgeschlagen, wieder und wieder. Nun gruben sie Gänge unter der Erde und brachten Pulverladungen zur Explosion. Die Wiener suchten diese Arbeit durch Gegenstollen zu stören; der unheimliche Minenkrieg, der meist in der Nacht geführt wurde, ging wochenlang fort. Aber die Türken verstanden sich besser auf diese Art des Kampfes. Sie erreichten den inneren Befestigungsgürtel, der Erfolg befeuerte ihren Ansturm.

Die Schar der Verteidiger schmolz zusammen. Starhemberg wurde verwundet, einmal, zweimal; aber er schonte sich nicht. In einer Sänfte ließ er sich auf die Wälle tragen, und wo die Gefahr aufs höchste stieg, war seine klare Stimme zu hören. Der Ingenieur Rimpler fiel im Kampfe, der Bürgermeister starb, ansteckende Krankheiten rafften Tausende hinweg. Übernächtig, schlecht genährt, standen die Überlebenden an den Brustwehren. Ihre Kraft drohte zu versagen. Allnächtlich stiegen vom Stephansturm Raketen in die Höhe, Alarmzeichen äußerster Bedrängnis.
Endlich, nach vielen Wochen härtester Kämpfe, kam die Antwort; vom Kahlenberg schossen, weithin sichtbar, weiße Raketen hoch!

Fortsetzung Teil 4 "Retter in der Not" folgt.

1 Kommentar:

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