Donnerstag, 4. Oktober 2012

Halleluja! Erzbischof Zollitsch erkennt den Kern des Problems. Oder woran man sehen kann, dass der Heilige Geist am Werk ist.

Ich würde, ja furchtbar gerne, ich gesteh es jetzt mal einfach so, auch bei den sich immer wieder über uns ergießenden, entweder von außen oder von innen gefütterten Hypes, so richtig über die deutschen Bischöfe herziehen.
Die müssten..............
die sollten.........................
die sind doch einfach ......
die glauben auch nur an ihren Geldbeutel....
Ach, das täte so gut und ich könnte mir so richtig gut vorkommen, insbesondere,  da ich ja nicht unter Dauerbeobachtung der Medien stehe und mich nicht durch den Dschungel all derer, die mit der Wahrheit so wunderbar lügen können, kämpfen muss.
Ja und dann geschieht es, dass ich unseren Erzbischof knuddeln könnte und in Anlehnung an Professor Higgins aus My Fair Lady ausrufen könnte "Mein Gott er hat es  [begriffen]".
Da berichtet uns das neueste Konradsblatt von allen möglichen Reden beim Treffen der deutschen Bischöfe,  und den "Fortschritten im Dialogprozess"  halt der übliche Schmus und da steht es, dick und fett:
"Der Glaube ist keine Selbstverständlichkeit mehr"
Ja, wenn man das mal begriffen hat, dann sieht vieles anders aus und genau dieses Grundaxiom scheint sich beim deutschen Katholizismus noch nicht herumgesprochen zu haben.

Wobei ich sagen muss, unser derzeitige Papst hat das schon als Doktor der Theologie begriffen.
In "Salz der Erde" erzählt er, wie er als junger Wissenschaftler eine kleine Arbeit an Hans Urs von Balthasar schickte, der ihm mit einem Satz antwortete "Den Glauben nicht voraussetzen, sondern vorsetzen!"
Er hat das beherzigt und versucht nix anders, geht aber damit nicht davon aus, das seine Gegenüber fest im Glauben verwurzelt sind.



Ja nun, wie sieht das denn vor Ort aus?
Gestern war die Leiterin der Firmgruppe meines Patenkindes, sprich, eine gute Freundin bei mir und sie ist eine wirklich fromme Frau, der es großes Vergnügen bereitet, einen Gottesdienst zu besuchen, in Gemeinschaft Rosenkranz zu beten, und Anbetung zu halten, sie macht  sich große Mühe mit ihren Firmlingen.  Sie organisiert sehr gekonnt, dass die Firmlinge  zu allen möglichen Veranstaltungen wie Jugend 2000, Familientagen, gestalteten Anbetungen im nahen Kloster, hinkönnen.
Sie ist ernsthaft verwundert ob der Ausreden die ihre Firmlinge immer vorbringen.
Jeder, aber auch jeder, der Firmlinge, Kommunionkinder, oder auch nur versucht hat normale Gruppenstunden, egal unter welcher Supervision,  in der Pfarrei zu geben, kennt das.
(Auch wenn man sich immer wieder tröstet mit Geschichten von woanders, wo es dann doch zur Bekehrung gekommen ist. Manchmal glaube ich das sind so moderne urbane christliche Legenden, und da ist der Wunsch der Vater des Gedankens, auch wenn es immer noch, wie man z.B am Papstbesuch sehen konnte, das Bedürfnis, den Wunsch, der Wille, kurz die unstillbare Sehnsucht nach dem was die Welt nicht bieten kann, gibt.
Nach dem Wahren, Guten, Schönen, nach der Perle für die man gerne alles, alles gibt, nach dem wahren Gott, und die unausgesprochene, noch nicht mal vor sich selber, Gewissheit  dass man das nur in der katholischen Kirche finden kann.)
Ja, wie sieht das denn nun aus, wenn der Bischof zur Firmung dann kommt und, wie das heutzutage erfreulicherweise üblich ist, im Anschluß danach noch im Gemeindesaal herumsteht und smalltalkt.
Man könnte doch jetzt mit dem Oberhirten, mal über Spirituelles reden, man könnte ihm doch mal sagen, dass man gar nicht glaubt, dass man sich nur hat firmen lassen, weil sonst die Oma aus Polen ihr Tafelsilber wem anders vererbt.
Man könnte als Firmpate darüber reden, dass man seit 30 Jahren in keiner Kirche mehr war, man könnte als Firmkathechet mal berichten, das man die Firmlinge förmlich hat tragen müssen, obwohl man die Schwelle sehr, sehr niedrig gesetzt hat.
Man könnte als Mutter, der je nach Gesichtspunkt, gesegneten oder geplagten Kinder,  die seit Geburt jeden Sonntag in die Kirche gehn, drüber reden, dass das eigene Kind nicht Apostel für die anderen geworden ist, nein im Gegenteil der Glaube wurde noch mehr geschwächt.
Es kommt nicht dazu, selbst wenn man sich müht,
Auch bei der anschließenden Visitation, sprich Mittagessen, des Bischofs mit den gemeindeeigenen Honoratioren, kommt man nicht zu Potte.
Schafft es eine Gemeinde mal wirklich zu einer Verständigung zu kommen, dann heißt es "Ja, ja aber in St. Soundso machen die das soundso" (Subtext "Sie haben nur die falsche Methode").
Dabei wird geflissentlich übersehen, dass die Firmlinge in St Soundso auch Fledermäuse sind.
So ist es doch eigentlich überhaupt nicht verwunderlich, wenn Bischöfe die Lage verkehrt einschätzen.
(Wobei wie der Link zeigt, unsere evangelischen Freunde das Problem auch haben , ja ja die Ökumene).
Der von mir sehr geschätzte Adalbert Seipold kannte das Problem in den 70ern auch schon. In seinem empfehlenswerten Verziehungsroman "Schnurps der arme Wohlstandsknabe" hat er eine Stelle, wo die Eltern den missratenen Sohn, als letzten Ausweg, zu den Patres ins Internat geben wollen und die Mutter beim  Einstellungsgespräch so tut, als hoffe auch sie auf die Hilfe des Herrn und bete darum.
Um die Kurve zu kriegen, ich denke oft, wir brauchen Dialog, wir brauchen Gespräch  aber zu allererst mal mit uns selber.
Es scheint in deutschen Landen (ist es das alte Untertanengen? oder was?) den seltsamen Effekt zu geben, dass man nicht einfach sagen kann, was man denkt.
Und wenn dann so ein Bischof es aussprechen würde, bei einer Firmung "Ihr glaubt doch alle nicht und deshalb halte ich nun Kathechese" wären alle empört.
Und so scheint es mir in deutschen Landen doch zuzugehen wie bei des Kaisers neuen Kleidern.
Wo ist nur das Kind? Ist es das von Bethlehem? Ja so muss es sein!

1 Kommentar:

  1. Alte Regel bei Visitationen:

    Zwei Dinge bekommt der Bischof nie

    - schlechtes Essen
    und
    - die Wahrheit.

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