Montag, 15. Oktober 2012

Sans impôt destiné aux églises

oder "keine Kirchensteuer".


Gegen die Kirchensteuer zu agieren ist ja derzeit in Deutschland auch sehr en vogue. Da vereinen sich seit einigen Wochen ganz unterschiedliche Personen sowohl aus den ganz "progressiven" und ganz "konservativen" Kreisen und versuchen, mit vereinten Kräften eine Abschaffung der Kirchensteuer durchzusetzen.
Wie gut diese Idee wirklich ist, zeigt ein Blick ins Nachbarland Frankreich. Hier gibt es ja keine Kirchensteuer und Staat und Kirche sind per Gesetz getrennt.
Eine prima Sache, denken sich da einige. Das wäre doch auch in Deutschland gut. Wirklich?

Gerade heute lief eine Meldung über die Newsticker, dass die finanziell unterversorgte französische Kirche ein Kirchengebäude in der Arbeiterstadt Vierzon verkaufen will. Und eine muslimische Organisation will einen guten Preis dafür zahlen, um die Kirche dann in eine Moschee umzuwandeln.
Seitdem ist Frankreich in heller Aufregung. Seit Tagen bekommt das Bistum in Bourges deshalb massenweise böse E-mails und Drohanrufe und viele Katholiken werden beschimpft. Die Tageszeitung "Le Pariesien" zitiert Erzbischof Maillard: "Das hätte ich niemals erwartet".
Die Entscheidung zur Veräußerung der Kirche sei noch gar nicht gefallen, allerdings sei es vernünftig, angesichts der sinkenden Zahlen von Kirchgängern und Spenden.
Inzwischen sollen sich auch ein paar sog. "erzkonservative Katholiken" unter die Kaufinteressenten gemischt haben.

Man sieht aber, dass jedes Ding eben zwei Seiten hat. Jetzt, nachdem jeder die Gefahr vor Augen hat, ist der Aufschrei groß.
Ganz ehrlich: Wollen wir sowas wirklich auch in Deutschland?

Ich erinnere nochmal gerne daran, dass Papst Urban damals zu den Kreuzzügen aufrief, weil er den Glaubensabfall als Hauptursache für die Eroberung des heiligen Landes durch die Araber sah.

5 Kommentare:

  1. Es ist fast ein gutes Zeichen, dass die Leute sich aufregen.
    Vor einigen Jahren haben wir uns in der Gegend von Paris mal hoffnungslos verfahren und strandeten an einer alten, wunderschönen, aber total runtergekommenen original gotischen Kriche.
    Ein Mann erklärte uns, das sie versuchten mittels Konzerten und Kunstaustellungen das Geld für die Renovierung zusammenzubringen.
    Wie man hier http://www.crecylachapelle.eu/DetailElement.aspx?numStructure=39347&numElement=151335 sehen kann, ist es den Leuten wohl gelungen, die Kirche zu renovieren, aber Messe wird offensichtlich immer noch nicht drin gefeiert.

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  2. Auch hier in Deutschland werden Kirchen abgewrackt oder verscherbelt, auch, obwohl es hier die Kirchensteuer gibt.
    Das liegt wohl eher am fehlenden Glauben.

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  3. Ich stelle mir lieber nicht vor, wie das z.B. im Rhein-Main-Gebiet oder gar in Frankfurt wäre. Lieber verkaufte man an Moslems, als eine Kirche etwa der Petrusbrudersachaft, oder gar der Piusbruderschaft, Opus Dei, etc. zu überlassen. Gerade WEGEN der Kirchensteuer.

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  4. Ich hab eine französische Freundin gebeten, einen Gastbeitrag zu diesem Thema zu schreiben, sozusagen aus der Mitte des Landes, das in dieser Diskussion immer wieder als Beispiel genannt. Zu einen, weil sie die dortigen Verhältnisse aus eigener Anschauung kennt und zum anderen, weil auch dort bestimmt nicht alles Gold ist, was glänzt.

    (Dauert nur noch etwas, weil sie gerade ihre Masterarbeit schreibt.)

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  5. Oh, ja, ich werde immer auf deiner Seite guggen und wenn der Beitrag dann online steht, ihn verlinken.
    Ja, ich komm öfter nach Frankreich, dort ist eh wenig Glitter, der glänzen könnte, kirchenpolitisch gesehen. Aber die Franzosen, auch und gerade die katholischen, leben eher nach dem Motto "impossible n'est pas francais" (Unmöglich ist nicht französisch).

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