Montag, 3. November 2014

Magister: Beunruhigendes aus Rom & Bologna, oder der prismatische Ökumenismus

Sandro Magister schreibt : klicken

Ökumenismus von Enzo Biancho und Alberto Melloni neu geschrieben
Die Leiter der "Bologna-Schule" haben einen sehr ehrgeiziges neues Projekt in Arbeit: eine Geschichte der christlichen Einheitsbewegung, die auf grundlegende Reformen der Katholischen Kirche abzielt und mit der Demontage des Papsttums in seiner derzeitigen Form beginnt. Sie glauben dabei in Papst Franziskus einen Verbündeten zu haben.

Ende Oktober empfing Papst Franziskus eine Delegation der Altkatholiken, Bischöfe der Union von Utrecht.
Nach Zahlen ist das eine sehr kleine Gruppe, aber sie ist Träger eines Kirchenmodells, das nicht wenigen progressiven Katholiken gefällt.
Es erkennt den Ehrenprimat des Papstes an, nicht aber seine Unfehlbarkeit und den Jurisdiktionsprimat über die Bischöfe. Ihre Bischöfe werden von einer Synode, die aus Klerikern und Laien besteht, gewählt.
Bei der Messe wird die Kommunion allen erteilt, die getauft sind und zu einer der verschiedenen christlichen Konfessionen gehören. Gewährt wird kollektive Absolution der Sünden und Geschiedenen eine zweite Ehe erlaubt.
In diesem letzten Punkt stimmen sie mit dem überein, was die von Giuseppe Dosselt und Giuseppe Alberigo gegründete und heute von Alberto Melloni geleiteten  Schule von Bologna unterstützt.
Alberto Melloni ist für seine in viele Sprachen übersetzte und in aller Welt verbreitete 5-bändige Geschichte des II. Vaticanischen Konzils berühmt. Sie war zweifellos sehr erfolgreich, wenn sie auch wiederholt vom Vatican angegriffen wurde.

Für die Bologneser sind in der Tat nur die Konzile, die dem Schisma zwischen der West- und der Ostkirche vorangingen "voll ökumenisch", wie man in ihrer vielbändigen Ausgabe von "conciliorum oecumeniorum generaliumque decreta" sehen kann, die speziell und genau aus diesem Grund vom Osservatore Romano vom 3. Juni 2007 in einer offiziellen, von Walter Brandmüller unterschriebenen Note wurde, dem heutigen Kardinal, kritisiert wurde.



In jenem und den darauffolgenden Jahren unternahm Professor Melloni nicht geringe Anstrengungen, diesen und den anderen, durch die "Geschichte des II. vat.Konzils" hervorgerufenen, Bruch zu reparieren.
2011 brachte er alles zum Einsatz, was ihn Benedikt XVI wieder annähern konnte.
Er schlug vor, dass der Papst vor 3 russischen Ikonen beten solle, die er aus Moskau mitgebracht hatte, um die von ihm selbst herausgegebene kritische Würdigung des Zweiten Konzils von Nicäa zu feiern. Er bat um eine öffentliche Audienz, in der ein Faksimile der Bibel Marco Polos gesegnet werden solle, um sie dann nach China zu schicken "wohin er bedeutende Kontakte habe"

Aber ohne Erfolg. " Es erscheint nicht möglich, daß seine Heiligjkeit in die erwähnten Inititativen verwickelt wird" , war die frostige Botschaft, die Melloni vom Substituten des Staatssekretariates, Angelo Becciu erhielt, "unter anderem, weil Vorbehalte doktrinären Charakters bestehen."

Aber das war während des Pontifikates Benedikts XVI. Der aktuelle Papst, davon sind sie überzeugt, wird ihnen grünes Licht geben.

Eine Ernennung, eine internationale  Konferenz und ein großartiges Verlagsprojekt. Das sind die 3 von der neuen "Schule von Bologna" geplanten Projekte. Alle 3 unter dem Banner des Ökumenismus.

Die Ernennung  vom 22. Juni durch Papst Franziskus, war die von Enzo Bianchi, Gründer und Prior des interkonfessionellen Klosters von Bose, zum Berater des Päpstlichen Rates für die Christliche Einheit.

Bianchi, 71 Jahre, ist in Piemont geboren und lebt dort, ist aber seit Jahren  der wahre und unangefochtene Leiter der Schule von Bologna. Er ist das einzige Mitglied auf Lebenszeit des Direktoriums der "Johannes XXIII -Stiftung für Religiöse Studien", dem er vorsteht, Und er ist auch der einzige, dem Melloni, der mit seinen Untergebenen sehr autoritär umgeht, mit gebotener Furcht gehorcht.

Sofort nach seiner Ernennung offenbarte Bianchi seine Erwartungen hinsichtlich des Ökumenismus.

"Ich glaube, daß Papst Franziskus die Einheit der Christen durch eine teilweise Reform des Papsttums erreichen will. Ein Papsttum, das nach den den Worten des ökumenischen Patriarchen Bartholomäus,  mit dem den Papst ein freundschaftliches Band verbindet, nicht länger gefürchtet wird. Die Reform des Papsttums bedeutet ein neues Gleichgewicht zwischen Synodalität und Primat. Das würde helfen, einen neuen Stil des päpstlichen Primats und der Aufgabe der Bischöfe zu schaffen."

Die Internationale Konferenz des von Bianchi und Melloni geleiteten Bologna-Institutes, soll vom 26.-28. November in Bose stattfinden und die Aufgabe haben, genau das Terrain für diese Reform des Papsttums vorzubereiten, das für das Haupthindernis für die Christliche Einheit angesehen wird.

"Den Ökumenismus historisieren" ist der Titel der Konferenz, die auch von vielen hochrangigen Gelehrten, wie den Deutschen J. Mietke und Franz-x: Bischof, besucht werden wird.

Die unmittelbare Aufgabe der Konferenz wird die Rekonstruktion der Bewegung für die Christliche Einheit vom 19. JH bis heute, sowie das Sammeln und Analysieren von Quellen, Dokumenten, Ereignissen, Persönlichkeiten und Projekten sein.

Aber in Wirklichkeit wird die Konferenz ein verlängerter Arm des ehrgeizigeren Projektes sein: einer in 3 großen Bänden von Dutzenden von Spezialisten aus der ganzen Welt geschriebenen Monumentalgeschichte des Ökumenismus, die 2017 veröffentlicht werden soll.

Mit diesem großen und teuren  verlegerischen Unternehmen rechnen Bianchi- der der wirkliche Architekt ist- Melloni und die Bologneser  den Erfolg ihrer vorhergehenden Geschichte des II. vaticanischen Konzile , zu dem das neue Werk in direkter Nachfolge steht, zu wiederholen.

Eine Kontinuität über alle Methode hinaus.  Weil in diesem zweiten Fall- genau wie im ersteren- die Geschichte nach Plan konstruiert werden wird, das heißt nicht nur auf eine Beschreibung zielend sondern indem eine spezielle, präzise Form des Ökumenismus vertreten und implementiert wird, die im Kern schon im Kloster von Bose vorausgedacht ist.

Es ist in der Tat Bianchis Überzeugung, wie man im Vorwort des kürzlich erschienenen Bandes von Brunetto Salvarini mit dem Titel:  Wir können nicht anders, als uns selbst ökumenisch zu nennen", lesen kann, das von Gabrielli publiziert wurde, dem nach den heißen Jahren des II. Vaticanums " immer wieder widersprochen wurde und nun von vorn beginnen muß". Weil für den Prior von Bose wahrer Ökumenismus nicht nur Nachbarschaftlichkeit zwischen Kírchen und Denominationen  und anderen Gemeinschaften ist, sondern einfach die Art und Weise sein sollte, Christ zu sein". Aller Christen in der einen Kirche Christi.

Das sehr ehrgeizige Projekt setzt eine Reform der Katholischen Kirche, die mit der Dekonstruktion des Papsttums in seiner derzeitigen Form beginnt, voraus.

Es gibt ein erhellendes Dokument mit mehr Informationen, das den Kardinälen am Vorabend des letzten Konklaves im März 2013 von der Johannes XXIII-Stiftung für Religiöse Studien übergeben wurde.

Auch vor dem Konklave 1978 und dem von 2005 hatten die Bologneser den Kardinälen Memoranden zukommen lassen, in denen sie Punkt für Punkt niedergeschrieben hatten, was ihrer Meinung nach der neue Papst in den ersten 100 Tagen und danach tun solle. ( Hier nachzulesen:  klicken )

Im Unterschied zu ihnen ist das Dossier von 2013 nicht ganz einheitlich und organisch und wurde von keiner Gruppe unterzeichnet, wie die vorigen, sondern stellt eine Sammlung verzweifelter Beiträge dar, jeder von seinem Autor unterschrieben. Melloni nimmt in einem sibyllinischen Vorwort-Kapitel daran Anstoß, daß einige seiner Untergebenen die " Bande der Verantwortlichkeit gelöst hätten- indem sie sich weigerten, das Memorandum zu unterschreiben".

Auf jeden Fall  kann man  hier das gesamte den Kardinälen in jenem März übergebene Dossier im Volltext lesen: in der "Agenda per il papa da eleggere"    (hier unübersetzt Italienisch . klicken )

Das Konklave erlebte natürlich die Wahl Jorge Mario Bergoglios. Der, in seiner anläßlich seines Besuches bei seinem Pfingstkirchlichen Freund Giovanni Traettino am 27. Juli 2014 in Caserta gehaltenen Rede, auf simpelst mögliche Weise seine Idee des Ökumenismus offenbarte:

"Wir sind der Epoche der Globalisierung und wir denken darüber nach, was Globalisierung ist und was Einheit in der Kirche sein könnte, vielleicht in einer Kugel, in der alle Punkte gleich weit vom Zentrum entfernt, alle gleich sind? Nein. Das ist Uniformität. Der Heilige Geist  erschafft keine Uniformitäte.
Welche Form können wir finden? Laßt uns an ein Prisma in seiner Einheit denken, alle seine Teile sind verschieden, jedes hat sein eigenes, besonderes Charisma. Das ist Einheit in der Diversität. So tun wir Christen das, was mit dem theologischen Begriff Ökumenismus beschrieben wird."

Papst Franziskus hatte die Metapher vom Prisma bereits dreimal gebraucht, besonders in "Evangelii Gaudium"- aber nur, um sie ausschließlich auf die Katholische Kirche und ihre Einigkeit in der Diversität anzuwenden.

Dieses mal-dagegen-läßt einen die Metapher vom Prisma an die größere und ökumenische Kirche Christi denken, in der die Katholische Kirche nur ein gleicher Teil mit anderen Kirche und Denominationen ist.

Es ist nicht einfach, diese Vision mit der 2000 veröffentlichten der Erklärung "Dominus Jesus", einem Eckpfeiler des Lehramtes der beiden vorhergehenden Päpste, Johannes Paul II und Benedikt XVI in Einklang zu bringen.

"Den gläubigen Christen ist es nicht erlaubt, sich vorzustellen, daß die Kirche Christi nicht mehr sei als nur eine auf die eine oder andere Weise geteilte Ansammlung von Kirchen und Kirchlichen Gemeinschaften ist, noch dürfen sie dafür halten, dass die Kirche Christi heut nirgends existiert und nur als Ziel zu betrachten sei, daß alle Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften anzustreben sich bemühen müssen.

In der Tat bestehen die Element der von Christus schon gegebenen Kirche bereits, in ihrer Gänze zusammengefügt in der Katholischen Kirche und ohne diese Gänze in den anderen Gemeinschaften."
Aber der prismatische Ökumenismus, auf den Papst Franziskus hinweist, hat sicherlich viel mit dem gemeinsam, was Bianchi und Melloni vertreten.

Quelle: www. chiesa, L´Espresso, Sandro Magister































2 Kommentare:

  1. Manchmal wünsche ich mir all diese Ökumeniker, die als Stein des Anstoßes das Papsttum sehen, wären erfolgreich, einfach um die dummen Gesichter zu sehen, was würde dann nämlich geschehen?
    Das gesamte Christentum würde lautlos implodieren.Warum?
    Nun wer sich mal nur ein bisschen mit den "getrennten Brüderinnen und Schwesterussen" beschäftigt hat, konnte der Tatsache nicht ausweichen, dass das was die nichtkatholische, christliche Welt im Letzten zusammenhält, die "Tibergrenze" sprich das Papsttum ist.
    Fällt die weg, fällt das Christentum weg, fällt aber das Christentum weg, so ist das Ende der Welt da.
    Und von dem Ende der Welt gilt "Weh denen die den Tag des Herrn herbeisehnen, den Finsternis ist er nicht Tag!" für die anderen gilt "Richtet euch auf und ergebt euer Haupt, denn es naher eure Erlösung!"

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  2. Verzeihung, wer Sandro Magister schon jahrelang liest-und das tue ich- weiß: der Mann ist hochintelligent und ein scharfer Beobachter; aber seine Schlagseiten sind unübersehbar: er ist zutiefst davon überzeugt, ganz genau zu wissen, wer und was katholisch st, und wer und was nicht. Soweit so gut, das Problem ist bloß: er verfährt sich seit Jahren in die selben Themen und die selben Feindbilder.... Auch Kardinal Tagle hat er anfangs zu den angeblich so bösen Bolognesi gezählt---und hat ihm damit nachweislich Unrecht getan. Und Bianchi bzw, die Gemeinschaft von Bose einfach so abzuschasseln, ist m.E. intellektueller Hochmut, nichts weiter

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