Dienstag, 3. Februar 2015

Die Gretchenfrage und aktuelle Diskussionen

Also bei diesem FAZ Beitrag und auch schon bei  früheren zum Thema,  gab es immer wieder und immer wieder die Aussage "Die sollen uns grad in Ruhe lassen mit der Religion, mit allen Religionen."
Ja das ist es wohl, was am Islam so verstörend ist, nicht ob er nun zu Deutschland gehört oder nicht, man stelle sich vor, die Bundeskanzlerin würde sich hinstellen und sagen "Der Katholizismus gehört zu Deutschland" es gäbe tausende von schlauen Artikeln, die sie dafür tadeln täten und selbst die katholischen Kirchenfürsten würde bescheiden was von Vielfalt und Säkularisation als Fortschritt, brummen.
Die evangelischen Bischöfe und Oberkirchenräte wären beleidigt, und ja, wenn ich es mir so überlege, der Satz passt nicht. Er trifft nicht unser Lebensgefühl.
Selbiges und das sich daraus ergebende Unbehagen mit dem Islam ist in dieser Karikatur hier wundervoll dargestellt.


Ich glaube es ist das, was mich an den sogenannten Tradis so stört, dass die was daher brummen von der Pflicht des Staates, den wahren Glauben zu verteidigen und dass das wohl schon vor 100 Jahren nur noch eine Phrase war, um die Leute bei der Stange, sprich beim Gewehr, zu halten.
Natürlich ist die Realität komplexer als so ein Blogpost zulässt, aber seien wir ehrlich, das Wort von der Verdunstung des Glaubens, ist schon älter und wer aufmerksam Texte, aus den 20ern z.B von Ida Frederike Görres oder auch von Gertrud von LeFort z.B der Römische Brunnen und die Fortsetzung "Der Kranz der Engel"  liest, der versteht, dass unser Glaubensverdunstungsproblem schon älter ist, dass der Glaubende, der echt Glaubende schon immer ein Exot war, und dass das, was uns alte Leute als "früher hätte es das nicht gegeben" und "Ach was waren früher alle so fromm und (subtext) gut" sagen, so nicht stimmt, gar nicht stimmt.
Um aber die Kurve wieder zu kriegen, wir- egal ob gläubig oder nicht-, wir wissen, ob wir es nun bedauern oder begrüßen, dass die Antwort des  Dr. Faustus auf die Frage des Gretchens "Sag´ wie hälst du's mit der Religion?" Standard ist.
Religion das braucht man, wenn man ein Problem hat, dann soll der Pfarrer, dann soll die Kirche..... und wenn wir mal mitkriegen, irgendwo ist ein Hochwürden ausgeflippt, zusammengebrochen, kann nicht mehr, hat die atheistische Krankenschwester, die ihm die Spritze, schmerzhafter als nötig, in den Allerwertesten gerammt hat, angeschnauzt, dann sagen wir "Ach ja, nee, also ehrlich, der müsste das alles doch aufopfern" (augenverdreh, fromm guck, sich klasse vorkomm)
Ja die Kirche soll, die Ordensleute sollen, der Pater soundso, der sich immer noch traut, Jugendarbeit zu machen, der soll doch... den missratenen Sprößling, mit einem Wort wieder auf den rechten Pfad bringen,.......
Und wir selber, ja ich doch nicht.
Es hat mich schon als Kind in formal frömmeren Zeiten immer irgendwie amüsiert, wenn die Tante Ordenschwester, oder der Onkel Pfarrer zu Besuch kamen, wie sich die Erwachsenen verstellten, wie man so tat, als sei man fromm und interessiere sich wesentlich für sein Seelenheil und als ginge es bei der Sorge um die Kinder, die man schon "bei der Kirche unterbringen" wollte, zuvörderst um deren Seelenheil und nicht primär um anderes, mehr weltlicheres, zu dessen Garantie dann die Kirche wieder grad recht war.
Ich habe mich immer und immer gefragt, ob die das merken, die Hochwürden und ehrwürdigen Schwestern, und ich denke aus mancher Predigt gehört zu haben, dass die das schon vermuten, aber nicht ansprechen wollten, weil selbst zarteste Nachfragen, wurden im Brustton der Empörung von sich gewiesen.
Naja  könnte man sagen, jetzt haben wir den Salat!

Ich kann mich nur dem Bloggerkollegen Pulchra et Luna  anschließen und auf die anderen Karikaturen des Künstlers verweisen z.B die hier  oder zu obigem Komplex die hier, man navigiere sich durch hier , es lohnt sich.

Um es, ohne die notwendigen Argumentationsschritte nun explizit hinzuschreiben, im Grunde ganz einfach, das Niemandsland zwischen den Religionen, in unseren Breiten der Atheismus der jedoch ein christlicher Atheismus ist, das bedeutet, ein Atheismus, der das Christentum zwar formal ablehnt, aber dessen Werte voraussetzt, der hat schon was für sich.
Man erspart sich, um ein Bild zu gebrauchen,  die lästige Gartenarbeit, aber kommt, um sich die Erdbeeren, den Salat  und später dann die Äpfel schenken zu lassen, wie das halt so ist, in Gegenden wo alle einen Garten haben, da kriegt man immer was.
Kardinal Ratzinger hat auch dazu erhellendes geschrieben.
Nur um im Bild zu bleiben, wenn dann die Tante, der Onkel immer älter werden, so wird das mit den Erdbeeren, dem Salat halt immer weniger und wenn alle nicht mehr können, dann kann man auch nix mehr abstauben.
Will heißen das Niemandsland zwischen den Religionen das ist kein Aufenthaltsort für viele und auf Dauer.
Ja und deshalb muss sich Europa entscheiden, ob es, wie Otto von Habsburg mal  sagte  "christlich sein wird, oder nicht  sein wird.", womit er Romano Guardini zitiert, der  in "Das Ende der Neuzeit":
sagt:  Eines aber ist sicher - und damit kehren wir zum besonderen Gegenstande dieser Überlegungen zurück: Europa wird christlich, oder es wird überhaupt nicht mehr sein.
Es kann reich sein oder arm werden; es kann eine hochentwickelte Industrie haben oder zum Bauerntum zurückkehren müssen; es kann diese oder jene politische Form annehmen - in alledem bleibt es es selbst, so lange seine Grundgestalt lebt.

Und, auch wenn ich es immer wieder sage, uns bleibt nichts anders übrig, als zu beten, und zu hoffen, wider alle Hoffnung, wie es die exotischen Christen schon immer getan haben, und damit das zu bestätigen, was Gertrud von LeFort in ihren Hymnen an die Kirche so ausdrückt.
"die Irrenden gehen nicht unter, weil du noch den Weg weißt und die Sünder werden verschont, weil du noch betest, Dein Gericht ist die letzte Gnade über die Verstockten. 
Wenn du einen Tag verstummtest, so würde sie auslöschen..... Denn um deinetwillen lassen die Himmel den Erdball nicht fallen. Alle die dich lästern leben nur von dir.

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