Sonntag, 24. Mai 2015

Ist soziales Tun wirklich das Kerngeschäft der Kirche?

Man liest und hört es immer wieder, so arg dass es zumindest mir, nur noch auf den Wekcer geht, die Nächstenliebe, verstanden als soziales Tun, sei das Kerngeschäft der Kirche.
Es mag nun sein, dass selbiges in unseren Breiten, wo die Kirche wirklich der größte Arbeitgeber ist, so ist, weil die Kirche nunmal sozusagen fast das Monopol auf soziale Dienstleistungen von Altenheime bis Zentrum für Beratung bei wasweißichwas hat.
Aber das Kerngeschäft ist das nicht.
Das Kerngeschäft ist dafür zu sorgen, dass die Menschen zu Gott kommen, frei nach dem was die Madonna in Lourdes zur Bernadette sagte. "Ich werde dich glücklich machen, aber nicht in dieser Welt, sondern in der künftigen!"
Das bedeutet nun klarerweise nicht, dass wir in diesem Leben die Sau rauslassen können und schuld sein können an dem Unglück andere Leute, wie es uns passt.

Die Prädestinationslehre Calvins, nach der man echt machen kann, was man will, weil es von vorneherein feststeht wer in den Himmel kommt und wer nicht, ist klarerweise ein Irrtum.
Zurück zum Thema:
Ich habe nun die Schrift schon mehrere Male gelesen, es steht schon oft genug drin, dass man nicht das A...loch vom Dienst sein soll, dass sich alles rächt, aber es steht nirgendwo drin, dass Jesus der Christus gekommen ist und am Kreuz gestorben ist, damit wir zu allen, besonders den Sündern, nett sind und mit denen alles teilen was wir haben, wobei der Gipfel des Christentums im hemmungslosen Altruismus bestünde.

Ich habe mal im Religionsunterricht gelernt, dass Altruismus genauso verkehrt wäre wie Egosimus und es darum ginge den Nächsten zu lieben wie mich selber.
Den Nächsten wohlgemerkt und nicht den Fernsten.
Wie ich schon oft und oft geschrieben habe ist der Nächste eben der Nächste,  der Ehemann, die Ehefrau, die Kinder, die weitere Verwandtschaft, der Kollege, der Nachbar, also der, der mir gerade vor die Nase kommt.
Liebe ich den nicht, so nutzt es mir, vor Gott überhaupt nichts, wenn ich Unsummen spende für Leute in ganzweitweg.
Das ist zwar eine sehr weit verbreitete Haltung auch und gerade unter Katholens, "die Zimmer der vernachlässigten  Kinder mit weinenden Madonnen tapezieren und alle möglichen Projekte unterstützen und die eigenen Kinder aus der Altkleidersammlung anziehen, weil für die dann kein Geld mehr da ist"
Nebenbei das ist genau das, was vermutlich den Spiegelgründer, unsern Rudolf, so gegen die Kirche aufgebacht hat, weil der Vater seinen Söhnen erklärt hat, sie wären ja gesund und nicht blöd und könnten für sich selber sorgen und dann das komplette, nicht unbeträchtliche Familienvermögen den Jesuiten vermacht hat. Augstein Senior ist sich bestimmt ganz toll vorgekommen, aber besonders nächstenlieb war das nicht!

Man kann es drehen und wenden wie man will, das erste Gebot ist, im NT und im AT, auf Gott bezogen, neben dem an keine anderen Götter haben soll und den man lieben soll mit allem was man hat.
Daran hängt die Nächstenliebe, die  aber horrrible dictu nur dann gut ist, wenn sie mit der Eigenliebe zusammengeht. Wer sich selbst nicht liebt, der kann den Nächsten nicht lieben, von daher kommt wohl, gerade in Deutschland, alles so schräg rüber, weil wir je beständig im Selbsthass zu versinken drohen und selbst unschuldige Jubelarien bei gewonnenen Fußballweltnmeisterschaften, irgendwelche Betroffenheitsrhetoriker auf den Plan rufen!
Also fassen wir zusammen: das was wir hier in Europa, egal ob christlich oder bekennendes Gegenteil, als selbstverständlich betrachten, also Hilfe bei Schwierigkeiten, medizinische Versorgung für alle, kurz, dass was wir als soziale Gerechtigkeit empfinden "man kann die (egal wer das ist) doch nicht einfach verrecken lassen...  da muss man doch was tun........ das geht doch nicht dass die den so disen...." das ist die Frucht des Christentums.
Es ist also, wenn wir ein Bild benutzen wollen, die Innenausstattung: die Tapeten, Teppiche und Fenster des Hauses. Nur  Tapeten, Teppiche und Fenster brauchen den Boden und die Wände an bzw. auf denen sie hängen bzw. liegen.
Martin Mosebach drückt das in seinem Spiegelinterview so aus:
Jesus Christus liebte die Armen aber nicht als verhinderte Reiche, sondern als diejenigen, die weniger Ballast mit sich herumtragen und sich dem Reich Gottes leichter zuwenden können. Jesus forderte die Reichen auf, arm zu werden, nicht die Armen, reich zu werden.
Es bedeutet richtig verstanden, dass die Armen uns lieben müssen und nicht wir die Armen.
Ein Pfarrer von Ars hat das begriffen, ein Franziskus, der von Assisi, hat das begriffen, ein Wendelin und eine Elisabeth von Thüringen, selbst ein Martin von Tours und zahllose andere auch.
Und das ist was komplett anderes als Sozialarbeit, es geht nämlich bei Christens um das Reich Gottes und um dorthin zu kommen muss man das letzte Hemd anziehen, das bekanntlich keine Taschen hat!
Und je mehr einer gehabt hat, desdo schwerer fällt es ihm, loszulassen. Man mag das gut oder schlecht finden, es ist halt einfach so, weswegen ein Kamel bekanntlich eher durch die Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in den Himmel kommt.

Noch ein Schlusssatz: ich denke, dass das was Christus den Armen gebracht hat, ist ihre Würde. Die mittlerweile übliche Sozialarbeit nimmt dem Armen diese Würde, indem sie im Grunde daher kommt und sagt: "Ach komm du Armer, gutschi, gutschi, ich helfe dir, (weil du ja selber viel zu blöd dazu bist)" 
Man sieht in den Armen, den Leidenden dann nicht, wie die oben schon erwähnten Heiligen, Christus, sondern wie ich oft karikiere, betet man dann im Grunde "Liebe Gott mit geht es ja gut, was ja kein Wunder ist, weil ich ja so toll bin, aber dieser armen Wurscht geht es nicht gut. daran bist du natürlich schuld lieber Gott, weil du das zugelassen hast, aber ich will mal nicht so sein, und der armen Wurscht helfen, dadurch werde ich nämlich viel besser!"

P.S Jesus gibt den Aposteln den Auftrag "Geht in alle Welt, macht alle Menschen zu meinen Jüngern und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles zu befolgen was ich euch aufgetragen habe" Matth 28, 19 und als die Apostel  dem folgen ergibt sich daraus die Notwendigkeit des diakonischen, sozialen Tuns (Apg 6,1ff). Aber es ist einfach so, dass das Kerngeschäft der Kirche die Verkündigung ist und es wäre im Sinne des Erfinders, wenn die Kirche sich dem wieder zuwenden täte!

Kommentare:

  1. "... und deinen Nächsten wie dich selbst." Wie liebe ich mich denn selbst? Von da aus muß die Frage ausgehen und die kann nur jeder für sich selbst beantworten. Bei den meisten eine sehr nüchterne Angelegenheit.

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    1. z.B. indem man sagt:"Von da aus muß die Frage ausgehen und die kann nur jeder für sich selbst beantworten".

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    2. Die Kirche hat kein "Geschäft", sondern einen Auftrag. Diesen kennen Sie aus den Evangelien.

      Ihr Frage wird ausführlicher in dem Buch non Dietrich von Hildebrand:

      Der verwüstete Weinberg

      behandelt!

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