Sonntag, 31. Mai 2015

José L. Restan: " Geduldiges Säen in Europa", Fundstück

Den lesenswerten Artikel über einige Ereignisse in der europäischen Kirche von José L. Restan haben wir in französischer Übersetzung bei benoît-et-moi gefunden, merci! .  Hier geht´s zum Original:  klicken

                                   "GEDULDIGES SÄEN IN EUROPA"
"Ich habe eine Reihe von Nachrichten der letzten Tage zum Leben der Kirche in den verschiedenen europäischen Ländern auf dem Tisch. Das ist ein Leben, das sehr verschiedene Defiziten gegenüber steht: von der Glaubensmüdigkeit bis zur Feindseligkeit der Umwelt, von den seltenen Berufungen zur Versuchung, sich an die herrschende Kultur anzupassen oder im Gegenteil, sich zurückzuziehen, um mit Zähnen und Klauen das eigene Territorium zu verteidigen.
Über nichts von alledem können wir überrascht sein oder uns aufregen, aber es ist dennoch richtig, sich zu fragen, von woher die Energie kommen soll, diese Defizite anzugehen.

Die Niederlanden haben vor einigen Monaten eine schmerzliche Episode erlebt, die den Verfall ( auch anderswo wohl bekannt) der sozialen Präsenz der Kirche beweist. Der Erzbischof von Utrecht Kardinal Wim Eijk hat die bittere Entscheidung getroffen, mehrere Kirchen zu schließen, was bei einigen seiner Gläubigen verständlichen Unmut auslöste.
Eijk ist nicht gerade ein Mann, der sich vor den Winden der Mode beugt, aber er muß der Realität einer geschwächten katholischen Gemeinde Rechnung tragen.
Als Antwort auf die ihm zugeschickten Beleidigungen hat er daran erinnert, daß "Jesus uns aufgetragen hat, den Glauben bis an die Grenzen der Erde zu tragen, aber er hat nicht gesagt, daß wir überall Kirchen bauen sollen."
Angesichts der Krise, die die Kirche betrifft, sagte der Kardinal: "das, was wir benötigen, sind weder Ressentiments noch Proteste, sondern im Glauben erneuerte Gemeinschaften."
Ich kenne die schöne Stadt Utrecht, alte Bastion des holländischen Katholizismus, und kann den Schmerz und das Unbehagen der protestierenden Gläubigen verstehen. Aber in Wahrheit müßte das authentische Unbehagen eher durch die Glaubenskrise  und nicht durch die Kirchenschließungen ausgelöst werden, wenn es keinen christlichen Plan mehr in ihnen gibt,
Dringend muß eine neue christliche Präsenz geschaffen werden, die u.a. nicht in den alten Grenzen eingeschränkt bleibt, weil die Menschen, die wir erreichen müssen, die Angewohnheit haben, dort jedesmal weniger vorbei zu kommen.



Eine andere meiner Notizen betrifft Dublin nach den Resultaten des Referendums, das der sogenannten HS-Ehe auf der Insel des Hl. Patricks freie Bahn verschafft hat.
Erzbischof Diarmuid Martin sagte, daß das Land vor einer wahren Kulturrevolution steht, was viele in der Kirche zu spät bemerkt haben. Darüber hinaus hat er signalisiert, daß 90% der Jungen, die gewählt und mit Ja gestimmt haben, in katholischen Einrichtungen erzogen worden sind.
Msgr. Martin hat daran erinnert, daß bei einem ad-limina-Besuch Benedikt XVI die Bischöfe gefragt hat: "Wo sind die Kontaktpunkte zwischen der Kirche und den Zentren, in denen sich die irische Kultur heute herausbildet?"
Diese Frage-hat der Erzbischof von Dublin erkannt- wartet noch heute auf eine adäquate Antwort. Aber was würde passieren, wenn der Papst die gleiche Frage den spanischen Bischöfen stellte?

Nach den Resultaten des irischen Referendums, das in seiner ganzen Komplexität hier zu analysieren, ich nicht vorgebe, gibt es keinen Platz mehr für falsche Illusionen. Viele sprechen jetzt von der Notwendigkeit , daß die Kirche die Realität zur Kenntnis nehmen und sich auf´s Neue mit der jungen Generation verbinden müsse..
Einverstanden mit der Annahme der Realität und mit Bescheidenheit in diesem Fall. Aber "die Realität zur Kenntnis nehmen" kann nicht darin bestehen, sich dem Jahrhundert anzupassen, sondern darin, erneut die Wahrheit über Mann und Frau, Sexualität und die Familie erstrahlen zu lassen.
Und der Königsweg dahin muß das Zeugnis der Familien selbst sein, was nicht einen erneuten Diskurs auf Höhe des Geschehens ausschließt.

Die letzte Etappe meines Parcours liegt in Deutschland. Es ist kein Geheimnis, daß die kirchlichen Gewässer im Land des Hl. Bonifatius wirr durcheinander fließen, aber hier besteht die Neuigkeit in den Bekundungen von einzigartiger Frische und Freiheit, einiger Hirten.
Zuerst war es der junge Bischof von Passau, Stefan Oster, der es gewagt hat (weil man auch in der Kirche Mut haben muß, um der Telekratie und Demoskopie zu widerstehen), auf seiner FB-Seite auf vom ZDK gestellte Forderungen nach  einer Angleichung der Lehre und der Disziplin der Kirche an die kulturellen Werte der gegenwärtigen Gesellschaft zu beantworten.

Der Bischof hat geantwortet, daß die von einigen Personen "gelebten Werte" oder die Zeichen der Zeit (oder die von den Medien proklamierte Mehrheitsmeinung) nicht ausreichen, um die Lehre von 2000 Jahren zu ändern, die sich auf die Verkündigung gründet. Weil Jesus Christus nicht ein Wert ist, sondern das Wort Gottes selbst. Was bemerkenswert ist, daß weitere 5 deutsche Bischöfe die Initiative ergriffen und einen Brief veröffentlicht haben, der ihrem Bruder ihre Dankbarkeit und Unterstützung ausdrückt.
Sie schreiben außerdem, daß "wir in Deutschland heute in einer zutiefst säkularisierten Gesellschaft leben. Diese Tasache darf uns weder entmutigen noch dazu führen, daß wir versuchen, uns an die Mehrheitsmeinung anzupassen,, aber dass wir das als Gelegenheit sehen müssen, die Einzigartigkeit der christlichen Berufung in der Welt von heute neu zu entdecken. Eine treue und ernsthafte Verkündung der Lehre Christi im Wort Gottes und die Entwicklung einer Beziehung zu IHM, als Reichtum unseres Lebens, wie Du es in Deiner Antwort gezeigt hast, sind in dieser Situatuion absolut notwendig."

Auf der selben Linie wurde die Aufmerksamkeit auch durch das erregt, was der Erzbischof von Freiburg, Stefan Burger, auch sehr jung, anläßlich seiner silbernen Priesterweihe sagte: " Ich habe das nicht 25 Jahre getan, um die Versäumnisse der Kirchenmänner zu verkünden, sondern dieses Wort, das vom Vater gekommen ist und das Christus selber ist....Die Strukturen können Objekt von Reformen in der Zeit sein, aber weder die Liebe Christi noch seine Botschaft und auf gleiche Weise ist die Natur der Kirche in letzter Instanz unveränderbar."

Es sind keine leichten Zeiten, die auf die Kirche im alten, müden Europa warten, aber ich gehöre zu denen auf unserem Kontinent, die denken, daß der Glauben weit davon entfernt ist, erschöpft zu sein und selbst dort-wo er sich unter der Erde zu verlieren scheint, kann die Flamme erneut entfacht werden. Und wie der Diener Gottes Don Luigi Cuissani sagte: "Mitten in der Katastrophe wertzuschätzen, was es an Werten gibt, ist ein Zeichen von Intelligenz und großen Mut."
José L. Restan

Quelle: benoît-et-moi,  José Restan paginasdidital

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