Mittwoch, 27. Mai 2015

Montag im Vatican: "Der "wahre" Papst Franziskus und seine "wahren" Feinde"- oder worum der Kampf in der Kirche wirklich geht.

A. Gagliarducci hat sich in "Monday in the Vatican" mit dem "wahren" Papst Franziskus und seinen wahren Feinden befaßt. Hier geht´s zum Original: klicken

     "DER WAHRE PAPST FRANZISKUS UND SEINE WAHREN FEINDE "

"Die Eröffnungsrede von Papst Franziskus zur Generalsynode der Italienischen Bischofskonferenz zeigt den Geist des wahren Papstes Franziskus.
Der Papst hat seine Ansichten über die Kirche in den beiden Seiten seines Redetextes, den er selbst schrieb, zusammenfaßt. Seine Vision einer nichtklerikalen Kirche, die in der Lage ist, die Laien zu belehren und mit Priestern und Bischöfen, die als Hirten handeln, nicht als Manager.
Er sagt immer die selben Sachen, aber es ist wichtig, daß er das vor den Italienischen Bischöfen tat, die eines seines speziellen Ziele sind.Und die Art wie die Versammlung hinterher weitermachte, enthüllt vielleicht, wer die wahren Feinde von Papst Franziskus sind.
Am Ende ist es nur ein Feind: der kirchliche Karrierismus.

Pope Francis in March 2013 b                                        Casa Rosada (Argentina Presidency of the Nation) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons


Um es klar zu sagen, Karrierismus ist nicht nur ein exklusives Problem von Franziskus.
Papst Benedikt XVI sprach das Thema anläßlich seiner ersten Priesterweihe als Papst an und kehrte viele male dazu zurück. 2009 sprach er in seiner Predigt bei der Weihe von 5 Bischöfen, unter ihnen der aktuelle Kardinalstaatssekretär, Pietro Parolin, an. Sogar Johannes Paul II hatte mit Karrieristentrends zu tun, wie Paul VI und wie es Johannes Paul I gehabt hätte, hätte er lange genug gelebt.
Dennoch ist es bemerkenswert, wie unter den Augen von Papst Franziskus, der von Anfang an klar gemacht hatte, die Kirche davon wegführen zu wollen, wie seine beiden Konsistorien vielleicht zeigten-, zwei verschiedene Gruppen von Karrierismus gedeihen.
Eine  Gruppe besteht aus den Prälaten, die vor dem Pontifikat Benedikts XVI Einfluss hatten, sich dann aber von ihm an den Rand gedrängt fühlten. Die zweite Gruppe findet man bei denen, die direkt mit Papst Franziskus´ neuem Kurs verbunden sind, aber nicht in der Lage sind, zu erkennen, dass sein Kurs sich in den letzten beiden Jahren etwas geändert hat.



Bemerkenswerterweise sind diese beiden Gruppen auf eine bestimmte Weise miteinander verbunden. Der Papst, der "vom Ende der Welt kam" setzte kein großes Vertrauen in die Römische Kurie und wurde von einem seiner engsten Mitarbeiter über sie informiert- von Männern wie Msgr. Fabian Pedacchio, der sowohl in der Bischofskongregation als auch als Privatsekretär des Papstes dient- und durch Zeitungen.

Er vertraute auch einigen der alten Kurienmitarbeiter, von denen viele als Vaticandiplomaten von Benedikt XVI  marginalisiert worden waren, dessen Pontifikat auf Wahrheit und Kommunion gegründet war.

Das ist der Grund, warum zu Beginn des Franziskus-Pontifikates die Diplomaten einen riesigen Einfluss hatten. Die alte Kurie Johannes Pauls II - vom mächtigen Kardinal Sodano angeführt-gewann wieder an Einfluss, eine Tatsache, die durch die Ernennung Benjamin Stellas, eines früheren Nuntius, zum Präfekten der Kleruskongregation und dem schnellen Aufstieg Kardinal Lorenzo Baldisseris unterstrichen wurde, eines anderen früheren Nuntius, der seine Karriere als Sekretär der Bischofskongregation beenden sollte, aber plötzlich zum Generalsekretär der Bischofssynode ernannt wurde und dem Diplomaten alter Schule, Pietro Parolin, der als Kardinalstaatssekretär ausgesucht wurde.

Letzlich hatten auch viele der Wähler von Papst Franziskus als Diplomaten gedient. Aber über diese alten Kurialen hinaus, gab es die neue Welt, Prälaten, die unter Papst Franziskus einen unerwarteten, glückhaften Aufstieg erlebten. Zwei Beispiele: Kardinal Oscar  Maradiaga, der  -nach einer unglücklichen Episode bei Caritas Internationalis-marginalisiert -wieder auf die Hauptbühne zurück kam und Kardinal W. Kasper, der einer theologischen Linie, die nicht länger modern war, zu einem erfolgreichen Come-back verhalf, indem er seine Ideen von Barmherzigkeit vorantrieb. Außer diesen beiden gibt es noch viele, die auf den "Zug der päpstlichen Revolution" aufsprangen und versuchten zu beweisen, daß der Papst nicht nur Veränderungen, die von anderen vorangetrieben wurden,  unterstütze,  sondern dass er für sie verantwortlich sei.

Es gab Augenblicke, in denen das Medienpapsttum und das reale Papsttum übereinzustimmen schienen. Aber so war es nie wirklich. Am Ende kann man den Geist von Papst Franziskus in dem einen Satz, den zu wiederholen er liebt, zusammenfassen: "hacer lio" = "Krach machen".
Er machte Krach, als er den Kardinalsrat, eine Art Parallelkurie etablierte,  und indem er eine Reihe teurer externer Berater verpflichtete. Er machte mehr Lärm, als er Kardinal Kasper, der 30 Jahre zuvor die Möglichkeit wiederverheiratete Geschiedenen zur Kommunion zuzulassen, zu seinem theologischen Lieblingsthema gemacht hatte, die Hauptbühne der Synode überließ.
Es wurde allgemein gedacht, daß wenn der Papst Kardinal Kasper damit beauftragte,  zum außerordentlichen Kardinalskonsistorium zur Familie zu sprechen und ihn als päpstlichen Delegaten für die folgende Synode im letzten Oktober ernannte, er die Linie Kardinal Kaspers unterstütze.
Aber der wahre Grund für diese Einladung kann in einem der Gedanken gefunden werden, die der Papst den italienischen Bischöfen kund tat: globale Erwägungen.
Indem er das Thema der mangelnden Kollegialität ansprach, sagte der Papst, das  "was fehlt, ist die Gewohnheit die Verwirklichung der Programme und die Weise wie Projekte in die Tat umgesetzt werden, zu verifizieren. Z.B. Zusammenkünfte und Ereignisse werden organisiert, bei denen die üblichen Stimmen zu hören sind, die die Gemeinschaft betäuben und dadurch die Wahl, die Meinungen und die Leute gleichmachen anstatt uns zu den Horizonten, nach denen auszugreifen, der Heilige Geist uns auffordert,  zu tragen."
Diese Worte sind wahrscheinlich die richtige Linse, durch die einige der kontroversen Personalentscheidungen von Papst Franziskus betrachtet werden müssen. Er will über die üblichen Stimmen- wie er sie nennt- hinausgehen und eine neue Diskussion am runden Tisch einrichten. Das bedeutet nicht, daß der Papst die Kirchendoktrin unbedingt ändern will. Es bedeutet, daß er einen anderen Zugang will, daß er die Diskussion anschieben will. Viele Geschichten dieses Pontifikates basieren auf dem Papst-Franziskus-Spruch "Krach machen".
Nach seiner Rede an die Italienischen Bischöfe, hat er sie zu einer Frage-Antwort-Sitzung hinter verschlossenen Türen getroffen. Es gibt keine offizielle Stellungnahme zu dem, was er sagte, aber einige Bischöfe haben einiges berichtet. Er bestand dann darauf, dass er die Doktrin wirklich nicht ändern wolle, sondern lediglich den Zugang zu ihr.
Eine solche Veränderung des Zugangs jedoch- muß die Revolution der Herzen, die Papst Franziskus oft erwähnt, mit sich bringen. Für diese Art der Revolution wird eine betimmte Vision benötigt, und diese Vision fehlt.
Anpassung an den Willen des Papstes ist oft die Art, mit der einige Leute sprechen, um einen Vorteil zu erlangen. Einer der Bischöfe bemerkte, daß bei der Diskussion zwischen den italienischen Bischöfen und dem Papst "der Wunsch einiger Bischöfe, eine Bruch (mit der Tradition) festzustellen,  klar ersichtlich war, während die Kirche immer die Kontinuität sucht. Sie modernisiert ihre Sprache -aber ohne Brüche.
Aber wenn einige Bischöfe mit dem Papst sprechen, wollen sie betonen, dass jetzt alles anders sei, um ihre eigene Agenda voranzutreiben, wahrscheinlich eine heilige und legitime Agenda- aber immer nur eine Agenda."
Diese Sprache ist eines der Resultate des klerikalen Karrierismus´ . Papst Franziskus´ Feind Nummer 1.
Jeder lobt den Papst,  aber fast jeder von ihnen hat eine eigene Agenda. Es stand eine Agenda hinter der Wahl von Papst Franziskus.
Dann- nachdem Papst Franziskus einen Regierungsstil angenommen hatte, der zeitlos zu sein schien-fast nur und eher als auf einer politischen Vision auf Gesten basierend- versuchten viele, ihre eigenen Ideen durchzusetzen.
Der anfängliche Mangel an Interesse des Papstes für die offiziellen Kircheninstitutionen gab jedem Vaticanischen Dicasterium und jedem Ortsbischof die Möglichkeit, zu versuchen, etwas zu erreichen.
Das letzte Beispiel ist die Ernennung Pater T. Radcliffes, OP, zum Berater des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden. Eines wegen seiner Ideen zur Homosexualität umstrittenen Denkers. Radcliffe wurde mit dem Posten der  Nr. 2  in diesem Päpstlichen Rat ( der Posten des Sekretärs ist zur Zeit vakant) belohnt, nachdem er den ersten Entwurf erste der ökologischen Enzyklika angefertigt hatte.
Aber die fortschreitende Reform der Kurie verhindert jede Ernennung, einschließlich wohl der Pater Radcliffes und der Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden wird voraussehbar in der Superkongregation  "Barmherzigkeit Gerechtigkeit und Frieden" aufgehen
So schlug Gerechtigkeit und Frieden Papst Franziskus vor, Pater Radcliffe zu ernennen und ihn als 9. den 13 neuen Beratern, die von Benedikt XVI 2012 ernannt wurden, hinzuzufügen.

Dieser Schachzug von Gerechtigkeit und Frieden ist nur einer von vielen bemerkenswerten strategischen Arrangements, die das wachsende Verständnis des Papstes für die Bedeutung der kurialen Institutionen begleiten, obgleich sie zu seinem ursprünglichen Plan, die Kurie weniger klerikal zu machen, im Widerspruch stehen,.Der innere Kampf der Kirche hat jetzt zwei präzise zusammengesetzte gegnerische Gruppen.
Die Schlacht geht nicht um Kuriale gegen Ortsbischöfe, oder Zentrum gegen Peripherie, der Kampf findet zwischen denen, die die Institution, die Lehre, ihre Existenz, gleich wer Papst ist- verteidigen wollen, während sie sie mit der Vision, dass sie vielleicht reformiert aber nicht gebrochen werden kann, weiterführen und der anderen Seite statt, die persönliche Interessen verfolgt, deren Agenda oft vom Bruch, den das Pontifikat Papst Franziskus´ bedeutet, profitiert.
Diese letzteren nutzen oft den angeblichen päpstlichen Willen als Schutzschild, um kleine Machträume zu besetzen, In einem Wort: der Kampf wird zwischen Institutionalisten (das ist der "Verborgene Vatican") und Personalisten (Selbstbeförderern) geführt.
Der Kampf um das nächste Pontifikat hat bereits begonnen. Bis jetzt scheinen die Institutionalisten ihren Kandidaten noch nicht gefunden zu haben. Die Bande (wörtlich "gang") der Personalisten auf der anderen Seite ist gespalten zwischen zwei Namen: Kardinal Luis Tagle - kürzlich zum Präsidenten von Caritas Internationalis gewählt- und Kardinalsstaatssekretär Pietro Parolin.

Die beiden repräsentieren einerseits die Peripherie und andererseits das Zentrum, mit verschiedenen Nuancen aber wahrscheinlich dem selben Programm.

Es gibt auch einen Außenseiter, der von bestimmten Medien favorisiert wird:  Kardinal Robert Sarah, Präfekt der Liturgiekongregation. 
Kardinal Sarah hat noch den Mut, die Wahrheit laut auszusprechen. Als er am 20. Mai im Johannes Paul II-Institut sprach, hat er ganz klar die Probleme der aktuellen Debatte, die oft die Diskussion über die Bischofssynode bestimmt, betont.
"Heute," so sagte Kardinal Sarah-" hat man den Eindruck, daß die Leute reden, wie der Wind weht. Wir müssen Christus folgen, Seinem Evangelium. Wir alle sollten Christus folgen- weil die allgemeine Atmosphäre heute so unsicher ist, in der jeder an seiner eigenen Meinung festhält."

Die laufende Diskussion ist jedoch zwiespältig, weil " Journalisten den Papst oft in Gegensatz zur Kurie setzen, was falsch ist. Aber die Leute denken, daß die Kurie gegen den Papst steht und dass der Hl. Vater sagt, er unterstütze die Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen, obwohl das nur die Interpretation der Worte des Papstes ist."
Das ist eine der Interpretationen, die dazu beigetragen haben, das Medienpontifikat zu schaffen. Und das ist das Pontifikat , das Papst Franziskus  nun verwerfen muß."

Quelle: Monday in the Vatican, A. Gagliarducci; benoît-et-moi






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