Mittwoch, 20. Mai 2015

Ohne Gott und Sonnenschein................

"Ohne Gott und Sonnenschein fahren wir die Ernte ein", ließ die SED auf die Traktoren der LPG's plakatieren, um den Sieg des Sozialismus zu präsentieren.
Ein streitbarer Pastor, der aber letztenendes auch zerbrochen ist, dichtete, wahr, dagegen.
"Ohne Sonnenschein und Gott wär die Welt schon längst bankrott"
Vieles in der Kirche erinnert mich, nicht erst seit gestern, an die DDR.
Man möge nun nicht glauben, dass alle Linken bösartige Leute gewesen wären, die im vollen Bewusstsein ihrer Bosheit die Leute geknecht haben.
So funktioniert Macht nicht und vor allem nicht lange!
Was es wohl war in der DDR war das System, dass  die Augen vor der Realität verschloss.
Ein Manes Sperber hat es in seiner Triologie "Wie eine Träne im Ozean" meisterhaft gezeichnet diese Ideologie die blind machte.


In der Triologie berichtet er von dem Besuch eines Funktionärs im "gelobten Land", wo der Funktionär mit dem Dichter der Armen und Entrechteten (Maxim Gorki) zusammentrifft und dem voller Schrecken erzählt wie er zerlumpte Kinder gesehen hat, die von der Polizei verjagt wurden, also eine der Szenen die Gorki als das Kennzeichen des bösen, zu bekämpfenden Zarenreiches immer wieder beschrieben hat.
Und von dem der Kommunismus behauptete, dass sowas bei ihnen nicht vorkomme.
Gorki sagte nur "Ja ja so geht es stetig aufwärts in unserem schönen Land".
Es ist dieses Denken, dass Potemkinsche Dörfer für echt halten will, auch wenn es sie selber gebaut hat.

Bisschen mehr finde ich, erklärt es der Witz mit dem Schweinezuchtbetrieb, der so geht:
Der Plan sieht für den Betrieb XY vor, dass die 300 Schweine pro Jahr erzeugen sollen. Das Jahr ist rum und es sind nur 280 Schweine geworden. Man meldet aber "Plan übererfüllt 320 Schweine!". Die Meldung geht durch die Instanzen, jeder mogelt ein paar Schweine hinzu und am Ende heißt es "Die LPG XY hat den Plan zu 200% erfüllt und 600 Schweine gezüchtet". Man berichtet es Honecker, der greift zum Telefon, ruft dort an und sagt "Glückwunsch Genossen! Morgen kommt der Lastwagen, der die 300 überschüssigen Schweine abholt!"

Ja und nun sind wir beim Thema genauso geht es auch in der Kirche zu.
Da werden der Gottesdienstbesucher immer weniger, die Priester auch und die Kommunionkinder wissen gar nicht was sie da eigentlich sollen, aber es werden munter Erfolgsmeldungen ventiliert.
Ich habe immer den Verdacht, dass die Bischöfe eigentlich wissen was los ist, aber sobald sie es thematisieren, fühlt sich irgendwer auf den Schlips getreten,  heult rum, dass man die eigene Arbeit und Mühe nicht honoriere... oder man spricht von Erfolg wo keiner ist.
Lässt sich auch das nicht mehr halten, so malt man die Vergangenheit in schwärzesten Farben, so als habe man die Leute damals mittels roher Gewalt in die Kirche geschleppt und dann an den Kirchenbänken festgebunden, um diese voll zukriegen. Ich denke jeder kennt diese Spielchen.

Was mich einfach nervt, ist nicht dass es so ist, wie es ist, sondern dass  man es nicht sehen will, man tagt und  bildet Gremien, hat Sitzungen ohne Ende, hat dadurch natürlich viel  zu tun und kommt gar nicht dazu sich zu überlegen, ob man anstatt beständig zu sitzen und Papiere zu produzieren, nicht gescheiter beten gehen sollte..........

Natürlich lassen sich Kirche und DDR nicht so eins zu eins vergleichen, weil man aus der Kirche leichter austreten kann, aber diese verderbliche Grundhaltung des sich was vormachen, diese  Haltung nicht zu begreifen, wie komisch man ist, die ist bei beiden gleich.

Ich vermute mal die Bischöfe wissen, aber wollen nicht wissen, vor allem müssten sie was ändern, wenn sie wissen wollten.
Der große Unterschied ist auch der: der Kommunismus war angetreten um  die Menschen aus aller Abhängigkeit, besondere der von Gott (und dem Sonnenschein) herauszuführen. Das funktioniert nun mal nicht so richtig, weil der Mensch immer zwischen Freiheit und Geborgenheit hinundher gerissen ist, was wohl Thomas Hobbes in seinem Leviathan meisterhaft beschrieben haben soll, wo er Geschichte so deutet, dass der Mensch um der Sicherheit willen immer mehr dem Staat die Rechte über sich abtritt, bis dann der Staat wie ein Ungeheuer (eben der Leviathan) über den Menschen steht....
Aber die Kirche hat ebenfalls die Aufgabe den Menschen zu befreien und zwar von der Knechtschaft der Sünde hin zur Freiheit der Kinder Gottes, was bedeutet gleichförmig zu werden, mit dem Willen Gottes, was sich in all den Gebeten vom Stil "bilde mein Herz nach deinem Herzen" oder auch den  Marienliedern wo es heißt "mach uns ähnlich deinem Sohn...." ausdrückt.
Es fehlt hier der Platz und mir auch der Nerv, das alles fein säuberlich auszubreiten, aber man sieht schon, dass all das rein irdische Bestreben den Menschen zu befreien ne Art ins innerweltliche gewendete Christentum ist.
Das ist nicht unbedingt verkehrt, aber es wird dann grottenfalsch, wenn es nur noch das rein innerweltliche sieht und das Heil definitiv und ausdrücklich gegen Gott etablieren will, bzw, das Heil darin sieht sich aus Gottes Hand zu nehmen, sprich sich zu emanzipieren.
Das Wort Emanzipation kommt vom lateinischen emancipatio, was bedeutete dass der Sklave aus der Gewalt  des Hausvaters freigelassen wurde, oder eben auch der Sohn aus der väterlichen Gewalt entlassen wurde, sprich auf eigenen Füßen stehen durfte, so er es konnte.
Man sieht auch hier die Parallele, hat es der Christ damit sich zu bergen bei Gott dem Herrn, und der katholische Christ damit sich zu bergen unter dem Mantel Mariens, so tendiert die Welt dahin sich nirgendwo zu bergen.
Der oben erwähnte  Manes Sperber beschreibt das so, dass dann die neuen Sklaven mit Fackeln in den Händen um den erloschenen Dornbusch in der Kälte  stehen und rufen müssen "Oh wie schön leuchtet der Dornbusch und wie wärmt er so gut" während sie in Wirklichkeit zittern vor Kälte.
Hat mich immer fasziniert der Manes Sperber, ich finde er hat vieles gut erkannt und man kann ihn gut zitieren, auch und weil er keinerlei katholischer Sympathien verdächtig ist.

Wie sagt Christus, die Welt ist halt wie die Welt so ist,  aber  "bei euch soll es nicht so sein!"
Von daher steh ich relativ erstaunt vor der deutschen Kirche, die mir so vorkommt wie eben ein rein innerweltlicher Menschheitsbeglückungsverein, der sich irgendwie gerufen fühlt, nachdem es mit dem kommunistischen Menschheitsbeglückung nix geworden ist, nun dennoch die allgemeine Beglückung zu verwirklichen und das "ohne Gott und Sonnenschein" wegen der Nichtproselytemmacherei und die Sonne will man ja auch nicht, wegen dem Klima dass sich ja dann erwärmt, wenn die Sonne scheint...... (ist nicht ganz ernst gemeint).

So und jetzt sind wir wieder am Anfang und bei dem Pastor, der nämlich recht hat: ohne Sonnenschein und Gott wär die Welt schon längst bankrott.
So liegt der Trost darin, dass es Gott ist, der die Welt immer noch hält und erhält und das tut, obwohl man es verstehen könnte, wenn er es nicht mehr täte, weil er es aber tut, deshalb kann man getrost sein, auch wenn man manchmal das Gefühl hat, dass alle Welt spinnt.
In diesem Sinne: Oremus!

P.S. Auslöser für den Beitrag war die Erfindung des Begriffes Marxismus-Lehmannismus von Blogger Kollege Geistbraus. und auch Superpellicum hat sich des Themas angenommen, von wegen real existierender Katholizismus

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