Donnerstag, 28. Mai 2015

Roberto De Mattei: Irland, Verantwortung für eine Apostasie

Roberto De Matteis lesenswerte Gedanken und Analysen zum Referendum in Irland  in Corrispondenza Romana

          "IRLAND, VERANTWORTUNG FÜR EINE APOSTASIE"
hier geht´s zum Original:  klicken

Rorate Caeli überschreibt seine Übersetzung des De Mattei-Beitrags mit:
          "IRLAND, EINE POSTMORTALE UNTERSUCHUNG "

"In seinem Meisterwerk "Die Seele des Apostolates" drückt der Trappist Dom Jean-Baptiste Chautard (1858-1935), Abt von Sept-Fons, seine Maxime so aus: "Ein heiliger Priester geht mit einem glühenden Volk einher, ein glühender Priester mit einem frommen Volk, ein frommer Priester mit einem ehrlichen Volk, ein ehrlicher Priester mit einem unfrommen Volk."
Wenn das wahr ist, besteht im spirituellen Leben immer eine Stufe weniger zwischen dem Klerus und dem katholischen Volk; nach dem Votum am 22. Mai in Irland sollten wir hinzufügen: "ein unfrommer Priester geht mit einem abgefallenen Volk einher."

Irland ist in der Tat das erste Land, in dem die juristische Anerkennung homosexueller Verbindungen nicht " von oben" eingeführt wird, sondern "von unten", durch eine Volksabstimmung; dennoch ist Irland auch ein Land mit einer der ältesten tiefverwurzelten katholischen Traditionen, in dem der Einfluss des Klerus bei Teilen der Bevölkerung noch relativ stark ist.

Es ist keine Neuigkeit, dass das "Ja" zur "homosexuellen Ehe" von allen Parteien -von rechts, links und der Mitte unterstützt wurde, es ist weder überraschend, daß alle Medien die LGTB-Kampagne unterstützt haben, noch dass es eine massive Finanzierung von außen für diese Kampagne gab.
Die vorhersehbaren Fakten sind, dass von den 60% die abstimmten, nur 37% der Bürger für das Ja stimmten und dass die Regierung ihre Karten schlau neu gemischt hatte, indem sie das Gesetz, das homosexuellen Paaren die Adoption erlaubt, bereits im Januar 2015, also vor der Anerkennung der homosexuellen Pseudo-Ehe erließ.

Der größte Skandal ist das Schweigen, das Nichtstun und das Komplizentum der irischen Priester und Bischöfe während der Wahlkampagne.

Ein Beispiel für alle genügt. Vor der Wahl erklärte der Erzbischof von Dublin, Diamud Martin, dass er gegen die HS-Ehe abgestimme, aber den Katholiken nicht gesagt habe, wie sie wählen sollten. Nach der Wahl erklärte er im Irischen Nationalsfernsehen daß " Tatsachen nicht geleugnet werden können" und dass die Kirche Irlands "einen Realitäts-check brauche". Angesichts dessen, was passiert war, fügte Msgr. Martin hinzu "es ist nicht nur das Resultat der Kampagne für ein Ja und ein Nein, sondern es bezeugt ein viel tiefer gehendes Phänomen, deshalb müssen wir die pastorale Betreuung der Jugend überprüfen. Das Referendum wurde mit den Stimmen der Jugend gewonnen und 90% der Jungen, die wählten, haben eine Katholische Schule besucht."
Diese Position gibt insgesamt- bis auf wenige Ausnahmen- die Haltung des irischen Klerus wieder, der die Linie von Msgr. Galantino, Generalsekretär der Italienischen Bischofskonferenz, angenommen hat, der hoffte, um jeden Preis jede Polemik und jeden Zusammenstoß vermeiden zu können:
"es geht nicht darum, wer am lautesten aufschreit, die "Pasdaran" ( iranische Revolutionsgarden) beider Seiten schließen sich selbst aus " Corriere della Sera) .

Was bedeutet: lassen wir die Predigt des Evangeliums und die Werte des Glaubens und der Katholischen Tradition beiseite, um nach einem Begegnungspunkt und Kompromiss mit den Gegnern zu suchen.
Und dennoch hatte am 8. März 2010 Benedikt XVI in seinem Brief an die Katholiken Irlands den irischen Klerus und das Volk eingeladen zu den "Idealen der Heiligkeit, Barmherzigkeit und transzendentalen Weisheit zurück zu kehren, die Europa in der Vergangenheit groß gemacht haben und es immer noch können und aus dem Reichtum einer großen religiösen und kulturellen Tradition Inspirationen zu ziehen, die nicht verblaßt ist, sogar, wenn die schnellen sozialen Veränderungen, die oftmals die traditionelle Bindung an die Katholische Lehre und ihre Werte beeinflußt haben, dem entgegen stehen."

In seinem Brief an die Katholiken Irlands stellt Benedikt XVI fest, daß ausschlaggebend dafür war, daß es in den 70-er Jahren in einem Teil des Klerus die Tendenz gab, eine bestimmte Art zu denken und sekulare Realitäten einzuschätzen zu übernehmen- ohne entsprechenden Bezug zum Evangelium."

Diese Tendenz ist die selbe, die wir heute finden.

Es war der Prozess eines Niederganges, der seit den Jahren des Zweiten Vaticanischen Konzils wie eine Lawine Katholische Bräuche und Institutionen weggefegt hat. Wenn die Iren heute-selbst wenn der Großteil katholisch bleibt, den Glauben verlassen, ist das nicht nur ein Verlust an Prestige und Konsens für die Kirche, der den Skandalen des sexuellen Mißbrauchs folgt.
Der wahre Grund ist ist die moralische und kulturelle Kapitulation eines Teiles ihrer Hirten vor der Welt, der diese Degradierung als soziologische Tatsache akzeptiert, ohne sich dem Problem der eigenen Verantwortung zu stellen.
In diesem Sinn war ihr Verhalten unfromm, ohne Barmherzigkeit und im Hinblick auf die Religion offensiv, wenn nicht sogar formal häretisch.

Dennoch hat jeder Katholik, der mit Ja stimmte, also die Mehrheit der irischen Katholiken, die zur Wahl gegangen sind, sich selbst mit Apostasie befleckt. Apostasie eines Volkes, dessen Verfassung immer noch mit der Anrufung der Allerheiligsten Trinität beginnt.

Apostasie ist eine viel schwerwiegendere Sünde als Unfrömmigkeit, weil sie die ausdrückliche Zurückweisung des Katholischen Glaubens und seiner Moral beinhaltet. Jedoch liegt die schwerste Verantwortung für diese öffentliche Sünde bei den Hirten, die sie durch ihr Verhalten toleriert und ermutigt haben. Die Folgen dieses irischen Referendums werden jetzt verheerend sein,. 

48 Stunden nach der Abstimmung haben die Hauptvertreter des deutschen, des schweizerischen und des französischen Episkopates unter der Führung von Kardinal R.Marx sich in Rom getroffen, um ihre Aktionen in Hinsicht auf die kommende Synode zu planen. Nach Aussage der bei diesen Treffen anwesenden Journalisten waren die Themen der Diskussion: "Ehe und Scheidung" und "Sexualität als Ausdruck der Liebe" (Repubblicca).
Und für Erzbischof Bruno Forte, der bei der vergangenen Synode die " Codifizierung homosexueller Rechte" forderte und vom Papst erneut als Spezialsekretär für die Familiensynode bestätigt wurde, ist das "ein kultureller Prozess einer erzwungenen Säkularisation, in den Europa zur Gänze verwickelt ist." (Corriere della Sera).

Und es gibt eine letzte Frage, der man nicht ausweichen kann: die Grabesstille von Papst Franziskus zu Irland.
Während der Eröfffnungsmesse der Caritas-Versammlung am 12. Mai donnerte der Papst gegen die Mächtigen der Welt und erinnerte sie daran, daß "Gott sie eines Tages richten und es sich zeigen wird, ob sie wirklich versucht haben jeden Menschen für Ihn mit Nahrung zu versorgen und ob sie so gearbeitet haben, daß die Umwelt nicht zerstört wird, sodaß sie diese Nahrung hervorbringen kann"
Am 21. November 2014, als er die Passage aus dem Evangelium kommentierte, in der Jesus die Händler aus dem Tempel verjagt, schleuderte der Papst sein Anathema gegen eine Kirche, die nur an ihre Geschäfte denkt und die Sünde des Skandals begeht.

Franziskus wettert oft gegen Korruption, i.e. Sklaven-und Waffenhandel, zusammen mit der Eitelkeit der Macht und des Geldes. Am 11. Juni 2014 bezog er sich auf die korrupten Politiker, jene die von Sklavenarbeit profitieren und auf die Händler des Todes, der Papst warnte "daß die Gottesfurcht sie verstehen lassen möge, dass eines Tages alles zuende ist und sie Gott Rechenschaft ablegen müssen." Die "Gottesfurcht" öffnet die "Herzen der Menschen für Güte, Mitleid und Zärtlichkeit Gottes" aber " sie ist auch eine Warnung angesichts der Hartnäckigkeit der Sünde".
Ist aber das Einschreiben des Laster wider die Natur in Gesetze nicht unvergleichlich viel sündhafter als die Sünden, an die der Papst so oft erinnert? Warum hat der Papst am Tag vor der Abstimmung keinen kraftvollen und aus tiefstem Herzen kommenden Appell an die Iren gerichtet, um sie daran zu erinnern, daß die Verletzung des Göttlichen Rechtes und des Naturrechts ein soziale Sünde ist, für die sich das Volk und seine Priester eines Tages vor Gott verantworten müssen werden?
Ist er durch sein Schweigen nicht auch zu einem Komplizen dieses Skandals geworden?

Quelle: Corrispondenza Romana, Roberto De Mattei, Rorate Caeli




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