Samstag, 16. Mai 2015

Seit wann feiert man den Niedergang?

Man stelle sich einen großen gut florierenden Konzern vor, wo die Gewerkschaft wenig zu tun hat, weil es wenig zu meckern gibt.
Dann stelle man sich vor, aus Gründen die nichts zur Sache tun, müssen Arbeitsplätze abgebaut, Filialen geschlossen, Fertigungsstätten zusammengelegt sowie Abteilungen fusioniert werden.
Man stelle sich nun vor: die Firma würde all das mit einem riesigen Fest feiern und zu diesem Behuf allüberalll Werbung machen, damit alle kommen und sehen und hören und mitfeiern können.
Man stelle sich eine größere Familie vor, Großeltern mit eigenem Haus, noch fit, Eltern in eigenem Haus, alles top, inklusive großem Garten, Kinder erwachsen, verheiratet, mit jeweils eigenem Haus, alle gesund und munter und dann fängt es an: der Opa wird zum Pflegefall, die Oma überarbeitet sich, muss Knall auf Fall in die Klinik, der Vater erleidet einen Arbeitsunfall, wird arbeitsunfähig und ist nicht richtig versichert, der Sohn lässt sich scheiden, wird dazu noch arbeitslos und im Haus der Tochter kommt es zu einem Wasserrohrbruch in der Wand, so dass die Familie wegen des durch Schimmelpilze ausgelöstem Asthma der Enkeltochter kurzfristig woanders hin muss. Also es muss ne Menge Geld bezahlt werden, Häuser können teilweise nicht mehr gehalten werden, altgewohnte, tragfähige  Familienkonstellationen tragen nicht mehr, und man muss sich neu und bescheidener organisieren....  man stelle sich auch in diesem Fall vor, die Familie lade nun im noch verbleibenden Haus zu einem großen Fest ein....
Ich geb ja zu, die Beispiele sind etwas an den Haaren herbeigezogen, aber mir kommt das aktuelle Fest in Heidelberg zur Einweihung der Stadtkirche genauso vor.

da werden nun die ganzen Gemeinden zu einer großen Gemeinde zusammengelegt und ja man hat sich auch um ein bisschen Frömmigkeit im Vorfeld gemüht und so eine Novene (im Grunde sehr, sehr löblich) an den 12 Tagen vor dem großen Fest abgehalten. Man klicke hier und scrolle ein wenig nach unten und wundere sich.
Ach Herr die Not ist ha echt groß, weil  man es zwar für angezeigt hielt eine 12 tägige "Novene" zu halten, dabei es aber nur an jedem 2. Tag zu einer Eucharistiefeier gebracht hat., aber das nur nebenbei.
Je nun, klar was sollen wir denn sonst tun. brechen wir doch seit Jahren  auf und heißt es seit Jahrzehnten, dass alles schöner, größer und besser wird, wobei es irgendwie damit einfach nichts zu werden scheint.
Ich meine wenn man vor lauter Aufbruch und Umbruch und neuen Ufern, und und und mittlerweile soweit ist, dass aus immerhin 12 Gemeinden eine wird, mit maximal 3 halbwegs fitten Pfarrern und 3 nicht mehr ganz so fitten, dann stimmt da was nicht.
Natürlich ist es so wie es ist, und es nutzt überhaupt nicht zu jammern und die alte, abgelutschte, verlogene Platte mit "früher war alles besser" zu spielen, aber den Fakten könnte man sich schon mal stellen!
Böse Zungen, die aber einfach nur recht haben, behaupten, wir hätten gar keinen Priestermangel sondern für die paar Gläubigen die wir noch haben, hätten wir noch echt üppig Priester; aber auch das ist, auf jeden Fall für Christen kein Grund zum Feiern, sondern eher einer zum Heulen!
Aber genau das bringen wir nicht mehr hin, wir müssen siegen, wir müssen die Guten sein, wir müssen die sein, die für jedes Problem mindesten zwei Lösungen parat haben, wir sind die, die wissen was überall wo was schief läuft verkehrt gewesen ist, wir sind die, die auch bei allen Katastrophen der Vergangenheit genau wissen wer Schuld war. Um es abzukürzen: wir wissen alles besser, aber kriegen es nun wirklich nicht hin.
Genau diese Erkenntnis, aber würde zu dem führen was Gott wohlgefällt zu einem zerknirschten Herz, dass ihm wohlgefälliger ist, als Brand und Schlachtopfer und alle Spenden und nachhaltiges Einkaufen im TransfairLaden nach der Kirche.
Weil wir aber genau das nicht zustande bringen, zu flehen, zu bitten und unser Unvermögen vor den Herrn zu bringen, deshalb, denke ich, hilft er auch nicht!
Weil wir ihm ja permanent erzählen, wir klasse alles läuft!

Wie gesagt ich fass es irgendwie nicht!


Kommentare:

  1. Das Firmenbeispiel kann ich ja noch verstehen, aber das Beispiel mit der Familie erschließt sich mir nicht.
    Wenn das wirklich so passieren würden, wäre ein solches Fest ja fast ein Wunder. Bei Firmen ist es Alltag, dass sich die Bosse belohnen und dafür die kleinen Leute bluten lassen. Aber eine Familie, die wie Hiob eine Flut an Schicksalschlägen erdulden muss und dann aber sagt, was solls, jetzt erst recht! und wir lassen uns nicht unterkriegen, ist doch fantastisch. Nicht mehr jeder für sich im großen Palast, nein reduziert auf das Wesentliche erkennt die Familie, was wirklich ist. Eben nicht "Mein Haus, mein Auto, meine Yacht..." sondern "unserer Familie".
    Denn in diesem materialistischem Leben wird doch deutlich, warum Familie und Ehe nicht mehr wirklich funktioniert. Uns wurde ein Honeymoon-Denken eingepflanzt, das beim ersten wirklichen Problem zu kippen droht und dann halt schnell Scheidung und alles wieder gut. Oder um es mit Hape Kerkeling zu sagen: Liebe bedeutet Arbeit, Arbeit, Arbeit!

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  2. Ich glaube Sie haben meinen Beitrag nicht verstanden.
    Familien die irgendwie zurechtkommen müssen, gibt es viele.
    Und manchmal können solchen Familien dann, hinterher, dem berühmten Gedicht von Bergengrün zustimmen und wirklich sagen "Jeder Schmerz entlässt dich reicher...."
    Aber in der Realität des Festes, von wegen Stadtkirche, geht es genau nicht darum, dass man die Not annimmt, und als Not erkennt, sondern dass man schon behauptet einen Grund zum Feiern zu haben, und alles, besser, schöner, toller wird, trotz der Not, die ja diese Stadtkirche erst notwendig gemacht hat.
    Erich Kästner sagt schlechte Pädagogen zeichnen sich dadurch aus, dass sie zu früh trösten, jawohl, genau das ist es!
    Stellen sie sich vor. sie sind Teil einer Familie, die es grad knüppeldick trifft, und dann kommt einer und sagt "Ach seid doch froh, ihr könnt euch auf das Wesentliche reduzieren" steigt in seinen Porsche und schickt dann eine Postkarte aus New YOrk, wo er gerade mit der in Harvard studierenden Tochter shoppen war, der er grad ein kleines Häuselein gekauft, hat, weil das doch besser ist........

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