Sonntag, 24. Mai 2015

Zu den Rändern? Da sind wir doch schon längst!

Man hört es mittlerweile in jeder Fürbitte und jeder halbwegs profilierungsüchtige oder auch nicht profilierungssüchtige Bischof kommt nicht umhin, so er sich öffentlich äußert, genau das als Aufgabe für Christens zu definieren.
Die Sache mit dem an die Ränder gehen ist deshalb so blöd, weil die Kirche ja schon an den Rändern ist, siehe Gottesdienstbesucher, siehe die Lage von bekennend katholischen Schülern in der Schule, siehe, siehe, und genau deshalb ist es absolut dämlich.
Ins Zentrum sollte die Kirche gehen! dahin wo die Schalthebel der Macht sind, so wie die ersten Christen nach Rom gingen!

Ich meine, es  möge sich mal irgendwer irgendwo hinstellen und sagen "ich finde die Lehre der Kirche klasse und gut und  richtig und dazu finde ich Ablassbriefe prinzipiell gut, weil mit ihnen diese wundervollen Dome gebaut wurden und man damit in Stein gemeißelt hat, was das Christentum ausmacht: Dass nämlich Christus gekommen ist wegen der Vergebung der Sünden und wenn man ihm nur die Scherben des Lebens überlässt, er daraus was Wundervolles machen kann, wie man am  Petersdom sieht, der wenn man so will, aus den Sünden der Christen gebaut wurde..... Wenn man bis dahin hat reden können, ohne dass man wegen in Ohnmachtfallens der Zuhörer den Notarzt hat holen müssen, kann man dann versuchen, zu erklären, dass auch zu Tetzels Zeiten zur Gewinnung eines Ablasses unbedingt die Reue notwendig war, und Tetzel wohl ein Vollidiot war, wie es leider immer wieder welche gibt, die was zu sagen haben und es nicht kapieren, aber auch schon in früheren Zeiten, die Leute haben selber denken sollen... womit wir wieder den Schlenker zur aktuellen Zeit geschafft hätten...

Meines Erachtens steckt im Grunde hinter all den Vorstößen, wie sie in deutschen Landen schon lange von oberhirtlicher Seite in Bezug auf eine Veränderung des 6. Gebotes veranstaltet werden, genau dieser Irrtum:
Man merkt, dass man nicht mehr in ist, vergisst dass man als Christ das eh nie ist und versucht aber wieder in zu sein, weil  man  ja so gerne am Zaun zur Welt steht und weint, weil man sich nicht drüber traut und hofft, durch Abreissen des Zaunes, die ganzen, durch die Löcher geschlüpften Schäfelein, die sich in den Dornen der Welt angeblich sehr wohl fühlen, täten dann von selber zurück kommen und man könne sich das  mühselige Geschäft des Suchens sparen, um im bekannten Bild zu bleiben.
Manchmal denke ich hinter dem Jubel von der falschen Seite, für den Apologeten des 'Gehens an die Ränder 'steckt die Freude der Welt, dass sie hofft 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können.
Die Ausgegrenzten, die es gibt, die Leidenden, diejenigen die eben beim Wettbewerb der Jungen, Schönen, Erfolgreichen auf der Strecke geblieben sind, bzw. von vorneherein nicht mitlaufen konnten, die Alten, die Einsamen, die Unangenehmen und Schwierigen, all diese Leute sind ja irgendwie störend, man ist froh und glücklich, sie abdrücken zu können.
Wenn man nun die genauso, wenn auch anders, lästige Kirche dazu bringen könnte, die Welt in Ruhe zu lassen und sich damit zu beschäftigen, die Verletzten des Festes des ultimativen Konsums aufzupäppeln, dann wären die  beiden mahnenden, störenden und lästigen  Anblicke und Stimmen sozusagen so mit sich selber beschäftigt, dass man sie nicht mehr wahrzunehmen bräuchte,
Weil die  Grundstimmung unserer Zeit ist doch, wie in diesem, von mir schon oft zitierten, Gedicht ausgedrückt:

Das Narrenschiff

Den schwarzen Anker
gelichtet, die Leinen los
und abgelegt vom Pier
des sicheren Hafens.

Wie schmettern die
Klänge der Bordmusik:
Sie vertreiben dir alle
trüben Gedanken.

Nachts aber, nach Hummer
und Sekt, tief unter den
kreisenden Sternen,
kommen dir Fragen:

Der redselige Kapitän, wie
steht es um sein Patent?
Die Mannschaft, wer hat sie ausgewählt?

Und die anderen Gäste?
Verdächtig erscheint ihr
kreischender Frohsinn, ihre
Sucht nach Vergnügung.

Dich erfasst schwarze Unruh.
Du schluckst bittre Pillen. –
Geschaukelt von den Wellen, fällst
Du zuletzt in Schlaf.

Von Gerold Effert, mit freundlicher  Genehmigung des Corvinus Verlag


So bleibt, ja es stimmt: es ist der Auftrag der Kirche bis zu den "Rändern der Erde" zu gehen, aber nicht um dort Samariterdienste zu leisten, weil das Zentrale am Gleichnis vom barmherzigen Samariter ist, dass der Nächste nicht der ist, dem ich gerne helfen täte, sondern der ist, der vor meiner Nase liegt, also der, der da ist und nicht der, zu dem ich erst mal hingehen muss, wie ja der Levit und der Priester durchaus auf dem Weg zu wichtigem, richtigem Tun gewesen sind, aber nicht den sehen wollten, der vor ihrer Nase lag, den Nächsten eben.
Es ist also Aufgabe der Kirche, zu den Rändern der Erde zu gehen, um dort das Evangelium zu verkünden und wenn man sich die politischen Entscheidungen, die Medien und wirtschaftlichen Vorgaben der letzten Jahren anschaut, auch unter dem Aspekt, nein nicht nur des 6. sondern besonders des  4. Gebotes, dann muss man feststellen, die Ränder, die sind da, wo man denkt da sei das Zentrum.
Sprich geistig gesehen sind die Ränder des Glaubens da, wo der der sogenannte mainstream ist!
So besteht der große Irrtum, der vom 'Gehen zu den Rändern' scheinbar wie besoffenen Kirchenleute darin, dass sie denken, sie täten immer noch mittendrin mitmischen.
Nein, das tun sie schon lange nicht mehr, das Bündnis von Thron und Altar ist schon lange zerbrochen und die paar formalen Trümpfe, die die Kirche noch hat, gerade im Arbeitsrecht, die spielt sie nicht aus, nein die legt sie aus der Hand, wohl weil die Kirche in Deutschland eins nicht will, nämlich an den Rändern sein.
Dabei liegt es in ihrem Wesen nicht so ganz von dieser Welt zu sein, es liegt in ihrem Wesen 'Stadt auf dem
Berge' und 'Licht auf dem Leuchter' zu sein, damit die, die in der Welt sind, sich orientieren können.
Man stelle sich vor, die Schilder auf der Autobahn würden beschließen nicht so weit oben und erhaben über den Autofahrern hängen zu wollen, sondern auf einer Höhe und Auto unter Autos sein zu wollen, unterwegs mit den unterwegs seienden........
Wir können es drehen und wenden wie wir wollen, als Gläubige sind wir immer zwar in der Welt aber nicht von der Welt, immer irgendwie  im Widerspruch zur Welt stehend und wenn es auch noch kaum mehr richtige Pfarreien gibt, so kommt das Wort dafür aus dem altgriechischen Wort Paroika und das bedeutet "das Wohnen eines Fremden in einem Orte ohne Bürgerrecht“ also die, die neben dem Haus wohnen, sprich die, die nicht so ganz dazu gehören.
Bei Licht betrachtet war es noch nie anders,  wie z.B. Ida Frederike Görres in ihre Biografie der Heiligen Elisabeth von  Thüringen ausführt, war es auch in durchaus formal frömmeren Zeiten so, dass der wahrhaft Fromme, wie eben die Heilige Elisabeth, am Rande stand und der heilige Augustinus stellt in 'Civitas Dei' klipp und klar fest, es wäre schon gut, wenn es irgendwo einen Staat von lauter frommen Leuten gäbe, aber das gibt es auf dieser Welt nie so richtig, weil der eine das Evangelium annimmt, der andere es verwirft und der dritte nur so tut als nähme er es an.....
Also wir müssen nicht zu den Rändern der Gesellschaft gehen, werte Fürbittenverfasser, wir sind da schon längst,  aber wir müssen zu den Rändern der Erde gehen, hin zu denen die nicht glauben und das ohne Ansehen der Person, also zu den Mächtigen und zu den Ohnmächtigen, alle brauchen die frohe Botschaft der Vergebung der Sünden, darum geht es.
Wenn wir das wieder klar haben, dann wird auch klar sein, dass  die die besitzen, ihren Besitz, wie jede Gabe, als Aufgabe bekommen haben und jeder für den anderen, eben den Bruder, verantwortlich ist.
Aber man muss die Kategorien klar haben.
Oder wie Jesus sagt: Man muss das eine tun ohne das andere zu lassen.

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