Mittwoch, 10. Juni 2015

Atempause

Wenn im nahen Umfeld Geschichte geschrieben wird und man von den Medien zugetextet wird, was in den nächsten Stunden alles passieren kann - braucht man ein Gegenmittel. Und das heißt "Zuhören".

Der Freitag war ja der "Ruhetag" zwischen den groß angekündigten Demonstrationen, die in den nächsten Tagen Stadt und Land heimsuchen sollten.

Viele Münchner hatten die Stadt verlassen, und auch die Touristen wollten wohl nicht unbedingt in die vermuteten Krawalle geraten. Man kannte ja die Bilder von den diversen Vorgänger-Veranstaltungen.

Und es war Herz-Jesu-Freitag. Ein ganz besonderer Tag zum Innehalten.
Wir feiern an diesem Tag in St. Peter nicht nur eine besondere heilige Messe mit Aussetzung und eucharistischem Segen. Wesentlicher Bestandteil ist eine Katechese mit einem besonderen Vortragenden, auf den ich mich diesmal ganz besonders freute. Der emeritierte Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner lehrte uns über die Eucharistische Anbetung und ihre Bedeutung.
Und ich muss gestehen. Es war ein ganz großes beeindruckendes Erlebnis.
Selten habe ich einen Kirchenmann erlebt, der sein Anliegen mit solcher Vehemenz und Leidenschaft vortrug.
Vor der Katechese feierte er mit uns die Heilige Messe und es war eindeutig zu erkennen, dass er sichtlich heiser war und Schwierigkeiten beim Sprechen hatte. Aber was er zu sagen hatte, war so wunderbar, dass wir dieses kleine "Handicap" gar nicht wahr genommen hatten. Schon seine Predigt zum Herz-Jesu-Amt war sehr beeindruckend. Es ging auch hier um die Anbetung.
Aber die Katechese war eine ganz besondere Begegnung. Ich habe noch nie solche Leidenschaft für den Glauben erlebt und das ist in diesen Zeiten die pure Freude.
Der Vortrag war intensiv und vollgepackt mit Glaubenswahrheiten. Ich konnte mir gar nicht alles merken. Aber die wesentlichen Aussagen:

"Wer Gott auf Augenhöhe begegnen will, der kniet vor ihm", "Ohne Gott gibt es keine Kultur", "Gottlosigkeit ist wie ein Haus ohne Dach", "Die heilige Messe überstrahlt alles und ist das stärkste Licht". "Ganz wichtig", sagte er, "sei der Gesang, denn er intensiviere das Gebet". "Wer einmal Mozart's Krönungsmesse gehört habe, könnte das spüren". Stimmt.
Er hat uns Beispiele gebracht aus seiner Zeit in der DDR, wo der kommunistische Atheismus die Kirche eliminieren wollte. "Die gemeinsame Anbetung hat uns gestärkt und Selbstbewusstsein gegeben", "Die heilige Messe war das wichtigste". Ich hätte ihm nocht Stunden zuhören können.

Die Glaubenserfahrung und das Bild, das er uns damit vermittelt hat, werde ich wohl nie vergessen. Es stärkt wirklich, gerade in diesen Zeiten, wo die Verdunstung des Glaubens sogar von Kirchenführern forciert wird. Ich werde immer wieder daran denken, was Kardinal Meisner uns über Zeit in der DDR erzählt und wie die Menschen trotz allem ihren Glauben stärken konnten. Eine wichtige Erfahrung, von der wir vielleicht irgendwann auch noch einmal zehren müssen. Ein echter Mutmacher. Und es war gut, diese Glaubenswahrheiten zu hören.
Zum Abschluss des Herz-Jesu-Freitags gab es noch die eucharistische Anbetung - und der Kardinal blieb bis zum Schluss mit uns in Gemeinschaft. Er hatte uns ja schon vorher erzählt, dass er täglich in einer Kapelle in Köln anbetet. Wunderbar. Lernen wir etwas daraus. Und lassen wir uns das wesentliche unseres Glaubens nicht zerreden.

"Wer Gott auf Augenhöhe begegnen will, kniet!"

Danke Eminenz! Das war wirklich ein besonderer Herz-Jesu-Freitag!


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