Donnerstag, 11. Juni 2015

Diskussionen über die Ehe, katholisches "rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln", aus Tante Esters Nähkästchen

Ich komm ja aus einer Familie, wo schon immer und ewig diskutiert wird, auch und hauptsächlich über Katholisches.
So wusste ich, als meine Schulfreundinnen noch brav das Tantum Ergo auswendig lernten, dass das ein alter Hut sei  und gerade in Rom ein Konzil tage, das alles, aber auch alles schöner, größer und besser machen sollte.
Es gehört zu den Seltsamkeiten, dass ich mittlerweile das Tantum Ergo auswendig kann, und die, die es damals auswendig lernten, in der scheinbar, unverrrückbaren, katholischen Sicherheit, die es damals in den 60ern, auf den Dörfern noch gab, es nun nicht mehr gekonnt haben wollen.
Zu der ausufernden Diskussion ist zu sagen, dass die Fronten nicht so klar verliefen, wie man das retrospektiv so meint, hier die jungen Progressiven, dort die alten Konservativen,  nein, es ging quer Beet.

Auf jeden Fall diskutierte man ausführlichst über die Ehe (schon damals) und auch schon vor Humanae Vita (davon bekam ich nur mit, dass man sich als mündiger Christ  vom Papst nicht ins Schlafzimmer gucken lassen müsse, was ich damals auch so fand, allerdings eher unter dem Aspekt, dass den Papst ja das Dekor der Tapeten nun wirklich nichts anginge. O selige, lang vergangene Kindheit, wo einem keiner was vom Sex erzählte, aber das ist ein anderes Thema.)
Die Diskussionen drehten sich darum, dass die eine oder andere ältere Cousine einen evangelischen Freund hatte, oder gar, aber das war etwas später, "nur" standesamtlich heiraten wollte. Diskussionen um das  Zusammenziehen ohne, wie auch immer gearteten, Trauschein, die kamen dann noch einige Jahre später.
Die ganz alten waren besorgt  und taten ihrer Überzeugung kund und zu wissen, dass es zu einer gelungenen, dauerhaften Ehe definitiv des Sakramentes bedürfe und so ein  Sakrament bei den Evangelischen, oder gar beim Staat,  nicht zu haben wäre.
Die jüngeren widersprachen vehement und behaupteten, dass jede Ehe von Natur aus auf  Dauer und nett und sich umeinander kümmern, ausgelegt sei, und es wurden beständig Beispiele evangelischer oder gar  ungläubiger Nachbarn und Prominenter in die Diskussion geworfen, die zeigen sollten, "die katholische Eheauffassung, von wegen unauflöslich, bis dass der Tod euch scheidet, Opferbereitschaft und gegenseitige Liebe, auch wenn es da grad wenig liebenswertes gibt... die ist ganz normal, das denken und wollen alle"
Von daher war es nur noch ein kleiner Schritt bis zur Verteidigung  evangelischer oder auch standesamtlicher Eheschließungen, als genauso gut.
Auf jeden Fall sind wir heutzutage dabei auf der anderen Seite vom Pferd zu fallen, indem wir feststellen, dass die meisten katholischen, (sprich formal richtig geschlossenen Ehen) nicht wirklich katholische Ehen sind und somit anulliert werden können.......

Damit bestätigen wir (wer immer wir ist), aber die These der alten, dummen Omas von annodunnemals, dass eine nicht katholische Ehe, eine defekte, unkomplette, irgendwie mangelhafte Ehe ist.
Sorum wäre im Grunde alles in Ordnung, wer richtig katholisch heiratet, der ist gebunden, oder geborgen,  je nach Standpunkt, und wer das nicht tut, der kann grad machen was er will... Die Kirche wäre endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen, wer unbedingt will, der bleibt zusammen, bis dass der Tod einen scheidet, wer nicht will, der kommt auch in den Himmel, sofern er will und damit erheben wir den Willen des einzelnen zur Richtschnur für gut und böse.
Nur hatten die alten u.s.w Omas von annodunnemal auch nicht so ganz recht und zweitens glaubt die Kirche an die Schrift und da steht im Buch Genesis, dass es zum Fluch des Menschen gehört, gut und böse zu erkennen, und weiter glaubt die Kirche, dass der Mensch das nun gefälligst auszubaden hat, und nicht so tun kann, als erkenne er gut und böse nicht.
Auch und besonders gilt das für den absoluten Urgrund der menschlichen Existenz, und das ist der Sex, sprich die Ehe.
Man konnte sich nämlich auch vor dem Konzil nicht einfach so, von seiner rechtmäßigen Gattin scheiden lassen, indem man sich einfach taufen ließ, was bestimmt für den einen oder anderen gerade christianisierten Fürsten, eine große Versuchung war.
Auch konnte man, angeblich, zwar die ungeliebte Gattin durch Wechsel zu den Lutheranern eher loswerden, aber in der anderen Richtung ging das nicht!
Nein die Kirche achtet schon immer auf die Rechtmäßigkeit einer sexuellen Beziehung und eben weil die Kirche den Sex für heilig hält, so heilig, dass sie ihn zum Sakrament erhebt, deshalb achtet sie jegliche sexuelle Beziehung, sofern diese nicht unzüchtig ist.
Ist die Beziehung aber unzüchtig, so muss sie sofort beendet werden, wegen der Heiligkeit des Sexes.
Interessanterweise hat, während ich das hier so schreibe, Thomas Hartl genau etwas im gleichen Tenor geschrieben "Warum der Sex heilig ist"

Das ist dennoch ein Thema, voller Fallen und Tretminen, aber bis zum Konzil musste ein katholischer Mann sich eine Dispens holen, wenn er eine evangelische Frau heiraten wollte, die Trauung musste katholisch sein und die Kinder mussten katholisch getauft und erzogen werden, wenn nicht, so hatte man ein Problem. (Galt natürlich auch rumgedreht)

Auf jeden Fall behaupteten die damals (in den 60ern) Progressiven, dass die alte Eheauffassung, von wegen, 'nicht sakramental ist nicht so wirklich richtig', antiquiert sei und jede Ehe eine richtige sei, was in der Folge dazu geführt hat, dass man mit dem Konzil auch evangelische Ehen als  sakramentale Ehen angesehen hat, so dass ein evangelisch verheirateter und dann geschiedener, der nun katholisch heiraten will, seine evangelische Ehe katholisch anullieren lassen muss, wenn das geht. (was sich irgendwie komisch anhört, wenn man es so schreibt, aber eben seinen Grund darin hat, dass man die Ehe auf einem naturrechtlichen Fundament sieht, weil die Gnade bekanntlich auf der Natur aufbaut)
Es  ging also  nicht:  die nichtsakrametal Angetraute im Regen stehen zu lassen, man muss das klar sagen, dass der Mann immer seinen gezeugten Kindern und deren Mutter gegenüber materiell verpflichtet war, auch wenn es sich z.B um einen bekehrten polygamen Heiden handelte, der sich von seinen Frauen (bis auf eine) trennen musste.
Aber wenn der sich nun katholisch verheiraten wollende Teil nicht der war, der den Bettel hin geschmissen hatte, sprich der unschuldig verlassene Teil war, so konnte er, nochmal richtig heiraten.
Man sieht vielleicht, wie immer, katholischerseits, davon ausgegangen wird, dass im natürlichen schon die richtige, dauerhafte, monogame Ehe steckt.
Es gab schon immer das sogenannte Privilegium Paulinum, das im spezialgelagerten Sonderfall, dass sich einer der beiden, zuvor unkatholischen Ehepartner bekehrt und das zu so einem Stress führt, dass die Ehe nicht fortzusetzen ist, sich der Bekehrte scheiden lassen darf, wobei die Kriterien dafür nicht die heute gängigen sind, wie man an den Lebensbeschreibungen große Heiliger mit unmöglichen Ehemännern sieht, z.B der Heiligen Clothilde, oder auch beim Propheten Hosea.
In den 40ern gesellte sich das Privilegium petrinium dazu.

Um es noch mal auf den Punkt zu bringen:   der tiefe Grund für die Anerkennung auch nicht katholischer Ehen, als verbindlich,  liegt darin, dass die Kirche sagt: "die katholische Eheauffassung ist die ursprüngliche, naturrechtliche, einzig wahre zu der jede andere Kultur, im Grunde, hinstrebt" (frei nach Nietzsches: "Jedes Glück will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit")
Deshalb gelten auch Ehen, die vor der Konversion geschlossen wurden, sofern sie nicht unzüchtig (z.B polygame Verbindungen, Geschwisterehen) waren und von daher aufgelöst, anulliert werden
m u s s t e n.
Das scheint man flächendeckend vergessen zu haben und mit den Medien zu glauben, dass das Ziel einer Ehe guter Sex ist und ein bisschen sich umeinander kümmern, solange es beiden gut gefällt und gut tut.
Also: es gibt Ehen die sind in sich so verkehrt, dass sie gar nicht gültig, richtig werden können, biblisches  Beispiel: Herodes und Herodia, antikes Beispiel Ödipus und Iokaste.
Auch Verbindungen, die nach den Gesetzen der Zeit nicht in eine formale Ehe umgewandelt werden können, müssen beendet werden, weswegen der bekehrte Augustinus seine Geliebte wegschicken musste.
Aber bei den anderen geht die Kirche davon aus, dass diese, vorher nicht ganz richtigen Ehen, richtig werden können, weswegen die Heilige Clothilde nicht einfach ihren Mann aufgeben konnte und ungezählte, ungenannte nicht einfach den ungläubigen Partner sich selbst überlassen konnten, sondern danach trachteten ihn/sie zu retten, was wohl vielfach auch gelungen ist.
Nun gibt es neuerdings die Theorie, dass man die Ehen anullieren könnte, weil die Leute ja gar nicht wissen auf was sie sich einlassen, wenn sie den Pfarrer bemühen, eine Kapelle sich ausgucken und dort "ganz in weiß" Hochzeit halten und man deshalb den armen, unmündigen, dummen, die sich ähnlich, wie zu gierige Kinder, ein zu großes Stück Torte auf den Teller getan haben und nun feststellen, die Augen waren größer wie der Mund und es nun anfängt bitter zu schmecken, das viele Süße..... dass  man also denen  doch die Hälfte erlassen soll, weil die armen, kleinen, unwissenden...
Nun hört sich gut an, aber ist nicht haltbar, denn die Kirche steht, wegen ihrer Eheauffassung seit Jahrzehnten in der Kritik, so dass auch der medienabstinenteste Zeitgenosse sich nicht darauf rausreden kann, davon nichts gewusst zu haben!

Nehmen wir aber dennoch an, die Leute sind wirklich weit, weit von dem entfernt, was man einen mündigen Christen nennt und die Mehrzahl der Ehen gilt wirklich nicht, dann ist zu fragen, was ist mit den anderen Sakramenten? Und auch wenn es nicht so im Focus der Öffentlichkeit steht, also mir läuft es immer ziemlich den Rücken herunter, wenn ich lese, der Pfarrer XY wurde laisiert, Schwester XY wurde von ihren Gelübden entbunden, (gut Gelübde ist kein Sakrament, aber Priesterweihe schon), weil ich dann denke "Wie ernst nimmt man damit Gott und sich selbst?"
Also wir halten fest: bei 2 Sakramenten geht  man klammheimlich, wenn auch offensichtlich, davon aus, die gelten eh nur, solange es gut geht.
Nur was ist dann bei den anderen?
Wie ist das mit der Taufe? Also ich war damals ein paar Tage alt, getauft wurde ich, nicht weil meine Eltern irgendwie herausragend fromm waren, sondern weil man das halt so machte!
Gefirmt wurde ich mit 13, damals war ich jünger als all die, die nicht gewusst haben sollen, was so eine Ehe ist, und es ist mir auch erinnerlich, ich wusste auch nicht so recht,  was das mit der Firmung soll. Machte man halt.
Dennoch ging ich, bis neulich, davon aus, dass diese Sakramente gelten, dass man also mir ansieht, auch wenn ich, was Gott verhüten möge, dermaleinst in der Hölle lande, dass ich getauft, bin, weil es ein unauslöschliches Siegel einprägt, welches durch die Firmung bestätigt wird!
Nur wie gesagt, soooo sicher, bin ich mir, wenn ich anfange so zu denken, wie man halt so denkt, da wiederum nicht mehr.
Spinnt man den Faden der Gültigkeit der Sakramente weiter, so gelangt man an die Eucharistie und wichtiger die Beichte.
Es wäre in der Tat eine große Erleichterung, wenn man sich manche Messfeiern anguckt, davon auszugehen, dass dort nicht der  LEIB DES HERRN verteilt wird, sondern Backoblate.
Nur ist es so, dass Redemptoris Sacramentum die schwerwiegenden Delikte (z.B falsche Materie: Cräcker und O-Saft)  klar aufzählt und die sind meist nicht gegeben, und man käme auch in Teufels Küche, wenn man das Sakrament vom Verständnis des Empfangenden abhängig machen wollte, gilt doch laut Thomas von Aquin "der Verstand begreifts eh nicht, kann es nicht begreifen.
Vollends schlimm würde es bei der Beichte, wenn meine Sünden nicht vergeben werden können, dann muss ich in ihnen sterben  und da nutzt dann, in der eh schon abgestürzten Sakramentenlehre, auch keine letzte Ölung mehr.

 Lassen wir aber all das beseite und nehmen an der Herr Pastoraltheologe hat Recht damit, dass eine große Zahl der katholischen Ehen ungültig ist, so ist damit noch lange nicht gesagt, dass die alle anullierbar sind, weil s.o.
Aber wenn dem so ist, dann sollte die Kirche zu einem großen öffentlichen Büßen in Sack und Asche aufrufen, weil sie jahrzehntelang ihre Sakramente verschleudert hat, also das Heilige nicht heilig gehalten hat.
So wie es die Bewohner von Ninive nach der Predigt des Jona gemacht haben und wenn man dann noch berücksichtigt, dass Ninive heutzutage Mossul heißt, so schließt sich hier in der Tat ein Kreis

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen