Sonntag, 7. Juni 2015

Realität und Illusion am Beispiel kardinalischer Äußerungen

Nein, es geht nicht um Kardinal Kasper mit seiner Barmherzigkeitsgeneralamnestie, die endlich, endlich das lästige 6. Gebot aus der Welt schaffen soll. Nein, diesmal geht es um den Präfekten der Missionskongregation, einen gewissen Kardinal Fioni, der sich neulich durch absolute Unkenntnis des Faktischen, besonders der Ideen JPII's hervorgetan hat.
Man lese die Meldung hier unter der Überschrift "Afrikanische Priester sollen nicht in Europa wirken".
2 Sachen gingen mir dabei spontan durch den Kopf, dass ja einerseits Unmengen von Afrikanern nach Europa strömen und bislang immer - man mag  das gut finden oder nicht, darum geht es nicht - die Priester faktisch den Schäfelein nachgereist sind.
Katholisch ist sowas zwar definitiv nicht, aber es gibt allüberall auf dem Globus muttersprachliche Gemeinden, die deutsche Gemeinde in Kairo, die italienische Gemeinde in  Frankfurt und anderswo.
Es gibt eine polnische Ordenskongregation, die es  sich zur Aufgabe gemacht hat,  überall da, wo Polen in nennenswerter Anzahl sich angesiedelt haben, präsent zu sein....
Und das gab es auch schon vor dem Konzil, dass man die eigene, kulturelle Eigenart als die Alleinform des katholischen betrachtete, mahnt doch schon ein Bischof Albert  Stohr im alten Mainzer Gotteslob (1952) die Vertriebenen sich einzufügen bei uns.
Nur für die Afrikaner soll das alles nicht gelten?? oder haben sich die Flüchtlingsströme nicht im Vatikan herumgesprochen? Oder geht man dortselbst stillschweigend davon aus, dass das alles Nichtchristen sind?
Aber so argumentiert der Kardinal nicht, er argumentiert anders, er sagt:


Die Gläubigen, die Geld für die mehr als 500 Stipendien von Priesteramtskandidaten, Priestern und Ordensleuten aus Entwicklungsländern spendeten, die seine Behörde und die Päpstlichen Missionswerken vergeben, erwarteten, dass die christliche Botschaft vor allem auch in den sogenannten Missionsländern verkündet werde,
Ja, das fühl ich mich doch wieder so richtig jung, so richtig ein halbes Jahrhundert zurückversetzt, als im Kindergarten noch diese als Weltkugel gestaltete Sparbüchse stand, die man dann drehen durfte, wenn man Geld hineinwarf und dann drehten sich die Gesichter von Kindern aus den "Missionsländern" schwarze, gelbe, Indianer, wenn ich das noch richtig im Kopf habe.
Man mag das Design  retrospektiv nun echt daneben finden,  die Botschaft war klar.
Wir wir sind die christlichen Länder und wir spenden, damit die Heiden auch Christus kennen lernen und damit sie das tun, deshalb brauchen die Priester.
Mittlerweile hat sich auch da viel geändert, hat man als normaler Gläubiger  doch das Gefühl, dass Mission in Impfprogrammen, Schulen, Suppenküchen und Umweltschutz besteht und der Glaube nur noch für die Spender relevant ist, als Grund die Kohle rauszurücken.
Von daher erfreut es eine
Von daher erfreut es einen, zunächst zu hören, dass tatsächlich noch Spenden für die Ausbildung von Priestern verwendet werden.
Aber irgendwie scheint der Kardinal vergessen zu haben, was das Hauptanliegen des heiligen Papstes Johannes Paul II gewesen ist.
Und dieses Anliegen war die Neuevangelisation Europas!
Und ein anders Anliegen JPII's war das 6. Gebot und er sah beides durchaus im Zusammenhang.
Auf was ich hinauswill, wenn man die Entwicklung in Europa betreffs der Frage der Abtreibung und der andern Fragen rund ums 6. Gebot betrachtet, dann kann man nicht umhin festzustellen: Man hat ihn zwar heilig gesprochen, aber ansonsten kümmert man sich nicht um das, was er gewollt hat. (um es etwas zynisch zu formulieren).
Ich meine richtig ist schon, dass die Mehrzahl der Frommen hier,  die in meinen Augen das Klientel für Spenden für Priesterausbildung sind, vor einem die Augen verschließen: nämlich dass der Glaube bei uns auch nicht mehr das ist, was er mal war.
Ich habe da schon bemerkenswerte rosarote Brillen erlebt, da ist die alte Dame in ihrer Familie und  Wohnumgebung die einzige, die überhaupt noch weiß, wo die Kirche ist, aber tut so, als lebten wir noch in den 50ern, wo noch das ganze Dorf geschlossen zur Fronleichnamsprozession antrat.
Es geht hier nicht um Wertung, es geht darum wie es ist!

Von daher ist es zwar den Leuten nicht so ganz klar, aber nichts desdotrotz ist es faktisch so, dass Europa Missionsland geworden ist und selbst so urkatholische Länder wie Irland sind definitiv nicht mehr katholisch und selbst unsere Polen sagen, dort ist es nicht mehr so, wie es mal war, auch wenn es in Polen immer noch erstaunlich katholisch zugeht, was ich gut finde.

Und jetzt noch was, ich finde 500 Priesteramtskandidaten, die von der Kongregation unterstützt werden das erscheint mir ganz schön wenig, zu wenig!
Hier die Original Meldung
Nun behauptet zwar Carl Amery in seinem "Königsprojekt" der Lieblingsspruch der Kurie lautet "Wir denken hier in Jahrhunderten" von daher könnte man für die  Äußerung des Kardinals, die direkt aus dem Wolkenkuckucksheim zu stammen scheint, schon Verständnis haben, wenn man damit nicht implizieren wollte, dass die Kurie so ist, wie Carl Amery sie gedacht hat.

Man könnte sich dieses Äußerung eines Kurienkardinals auch noch einfacher erklären, dass manche europäischen Hirten offensichtlich die katholischen Afrikaner für zu katholisch halten, und genau das nicht wollen, was ja Teil des Problems ist.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen