Donnerstag, 18. Juni 2015

Zur Beruhigung -bevor der Enzyklika-Hype losgeht : Benedettos Rede über die Ökologie des Menschen

Die historische Rede Papst em. Benedikts XVI vor dem Deutschen Bundestag am 22.9.2011  u.a. über die Ökologie des Menschen und Umweltthemen.
hier geht´s zum Redetext: klicken

                 

Hier ein Ausschnitt aus der Rede:


"Ich erinnere an einen Vorgang in der jüngeren politischen Geschichte, in der Hoffnung, nicht allzusehr mißverstanden zu werden und nicht zu viele einseitige Polemiken hervorzurufen. Ich würde sagen, daß das Auftreten der ökologischen Bewegung in der deutschen Politik seit den 70er Jahren zwar wohl nicht Fenster aufgerissen hat, aber ein Schrei nach frischer Luft gewesen ist und bleibt, den man nicht überhören darf und nicht beiseite schieben kann, weil man zu viel Irrationales darin findet. Jungen Menschen war bewußt geworden, daß irgend etwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt. Daß Materie nicht nur Material für unser Machen ist, sondern daß die Erde selbst ihre Würde in sich trägt und wir ihrer Weisung folgen müssen. Es ist wohl klar, daß ich hier nicht Propaganda für eine bestimmte politische Partei mache – nichts liegt mir ferner als dies. Wenn in unserem Umgang mit der Wirklichkeit etwas nicht stimmt, dann müssen wir alle ernstlich über das Ganze nachdenken und sind alle auf die Frage nach den Grundlagen unserer Kultur überhaupt verwiesen.
Erlauben Sie mir, bitte, daß ich noch einen Augenblick bei diesem Punkt bleibe. Die Bedeutung der Ökologie ist inzwischen unbestritten. Wir müssen auf die Sprache der Natur hören und entsprechend antworten. Ich möchte aber nachdrücklich einen Punkt ansprechen, der nach wie vor – wie mir scheint –ausgeklammert wird: Es gibt auch eine Ökologie des Menschen. Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muß und die er nicht beliebig manipulieren kann. Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur achtet, sie hört und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit."

Kommentare:

  1. Mich irritiert doch etwas die Formulierung, daß wir "der Weisung" der Erde folgen müssten. Die Erde ist Geschöpf, nicht Schöpfer, und sie hat uns nicht zu weisen, sondern der Schöpfer allein. So klingt das doch etwas arg esoterisch, nach dem ganzen "Mutter Erde"-Geraune, das die Ökologisten so gerne anstimmen.

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    1. Locker bleiben, Sales!
      Sie haben möglicherweise einen Chef, dessen Weisungen Sie auch mitunter folgen, obwohl der auch ein Geschöpf Gottes ist.

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    2. Aber nur relativ, im Rahmen des göttlichen Gesetzes, der in der noch unerlösten Welt vor der Übermacht der Sünde schützen will. Und immer unter dem biblischen Vorbehalt: Man soll Gott mehr gehorchen als den Menschen. Dass man aber der "Erde" und ihrer "Weisung" gehorchen soll, finde ich weder in der Schrift noch im kirchlichen Lehramt - bis zu dieser päpstlichen Rede, die aber sicher nicht lehramtlich war.

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    3. Wenn ich z.B. in Grönland keinen Wein anbaue, gehorche ich den Weisungen der Erde. Was soll daran falsch sein?

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