Samstag, 20. Juni 2015

Zur Enzyklika: "Man kann nicht verteilen, was man nicht vorher produziert hat"

So überschreibt Paolo Togni (früherer italienischer Umweltminister und Kabinettsmitglied in der Regierung Mateotti)  seinen Kommentar zur Enzyklika bei la Nuova Bussola Quotidiana. 
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    "MAN KANN NICHT VERTEILEN,  WAS MAN VORHER NICHT PRODUZIERT HAT."

"Welche Enttäuschung, und was für ein tiefer Schmerz!
Ich hatte erwartet, daß die Enzyklika "Laudato si´" ein Dokument voller Glauben, Optimismus, Wissenschaft und Erkenntnis sei, in dem der regierende Papst die Umweltprobleme auf den Punkt bringt, gestützt - auf das Depositum Fidei, in dem uns viele Überlegungen zu solchen Problemen überliefert sind.
Statt dessen handelt es sich um eine langweilende und kleckerweise zusammengetragene Zusammenfassung von schlechter Ökonomie, schlechter Soziologie und eines noch schlechteren Ambientialismus, zudem noch auf einige Prämissen gestützt, denen zuzustimmen, sehr schwer fällt.
Das Dokument ist umfangreich (die längste je veröffentlichte Enzyklika) , ich muß also eine eingehendere Analyse auf einen späteren Zeitpunkt verschieben und mich hier auf einige eher allgemeine Überlegungen zum generellen Ausgangspunkt der Enzyklika und dem, was dazu inspirierte, beschränken.

Vor allem anderen: der Anthropozentrismus:
ich glaube, daß man ruhig darin übereinstimmen kann, daß der Mensch die Krönung und der Höhepunkt der Schöpfung ist, und darin, daß er vom Schöpfer direkt mit deren Bewahrung beauftragt wurde - sie zu kultivieren und sich ihrer Früchte zu erfreuen, ebenso ist er als ihr Hüter eingesetzt.
Der Primat des Menschen über alle anderen Geschöpfe  findet da seine Rechtfertigung und sein Fundament: Darauf ist der Anthropozentrismus aufgebaut, der immer Grundlage des jüdisch-griechisch-romanisch-katholischen Denkens war.
Jede Hypothese, die seine Zentralität nicht anerkennt, steht in absolutem Widerspruch zu dieser Tradition.
Der Schlüssel zur Beziehung zwischen den Menschen und den anderen Lebewesen ist die Kombination aus Bewahrung-die auch die Verpflichtung dieses Gut sorgfältig zu erhalten , einschließt- und dem Auftrag, es zu kultivieren und sich seiner Früchte zu erfreuen.

Aus der Plicht, Hüter der materiellen Welt zu sein und aus  der Erlaubnis, sich ihrer Früchte zu erfreuen -entsteht der Primat des Menschen über den Rest der Schöpfung, gegenüber der er alle absolute und bedingungslose Macht des Eigentümers ausüben kann- außer der substantiellen Verpflichtung, sie in bestem Zustand zu bewahren. Der Mensch kann nicht mit den anderen Lebewesen auf eine Ebene gestellt werden: für die Natur ist er dominus und Hüter.



Im Text der Enzyklika wird viel von der Verbesserung der Lebensbedingungen gesprochen, besonders für die weniger Begüterten, und von der Verpflichtung für jeden, seine materiellen Güter gleichmäßig zu verteilen: diese gerechte Bedingung wird immer in einen pauperistischen Zusammenhang gestellt - der zugleich ihre Negation darstellt.
Was kann man verteilen, was man nicht vorher produziert hat?
Der Herr Jesus selbst - als er der Menge, die ihm gefolgt war, zu essen geben wollten, mußte zuerst das Brot und die Fische vermehren, die zur Verfügung standen. Ohne zu produzieren, gibt es keine Möglichkeit zu verteilen.

Die Möglichkeiten zur Verbesserung der materiellen Lebensbedingungen werden durch eine einfache Rechnung definiert, in der sich der Zähler aus den Gütern, die zur Verfügung stehen (also den Produkten) und der Nenner aus der Zahl der Menschen auf der Erde zusammensetzen.
Weil der Nenner nicht kleiner, sondern - so hofft man - größer werden wird, ist die einzige Möglichkeit, den Ergebniswert zu steigern, den Zähler schneller wachsen zu lassen als den Nenner. In der Tat, ist es das, was sich seit einigen Jahrzehnten abspielt: das Ergebnis der Rechnung steigt ständig und stark an. Nie zuvor hat ein so großer Teil der Menschheit ohne Hunger und Durst leiden, mit einer vernünftigen medizinischen Versorgung, ausreichender Energieversorgung und der Möglichleit untereinander zu kommunizieren, leben können.

Trotz des spektakulären Anstieges der Lebenserwartung und dem starken Rückgang der Kindersterblichkeit - deren Zahlen absolut noch nicht zufriedenstellend sind - ist der Weg, den die Menschheit einschlägt, der zum Guten und wird zu einer ..... führen, besonders wenn man die absurde Sentimentalität des Besitzes der "kleinen Scholle" aufgibt, einer Produktionsmethode, die es unmöglich macht, Überschüsse zu erwirtschaften und am Ende zu einem Rückgang der weltweiten Agrarproduktion führt.
Von all dem ist in der Enzyklika entweder mit keinem Wort die Rede oder nur falsch.

Selbst bzgl. der Umweltverschmutzung sind die Behauptungen, die gemacht werden, nicht exakt: so wird z.B. seine sich ständig steigernde Luft-Wasser-Bodenverschmutzung angegeben, während es vielmehr wahr ist, daß die betreffenden Werte in den entwickelten Ländern in ständigem Absinken begriffen sind, das den in den sich entwickelnden Ländern heute akuten Anstieg übersteigt.
In einigen Jahrzehnten, wird in der gesamten Welt die Verschmutzung als schwerwiegendes Phänomen verschwunden sein, jedenfalls in der Form, wie wir es heute kennen.

Die Enzyklika enthält einen konstanten Appell zur Mäßigung, begründet mit dem Schwinden der primären Ressourcen, das als fatal und unmittelbar bevorstehend betrachtet wird.
Das ist ein alter Refrain, dessen Gültigkeit längst widerlegt ist.
Erinnern Sie sich an die Vorhersagen des Club of Rome? Formuliert in der Mitte des 20. Jahrhunderts- sagten sie voraus, daß die Ölvorräte noch vor dem Jahr 2000 erschöpft sein würden, 1992 wurde als Jahr des Krisenbeginns festgelegt.
Wir wissen alle, wie es weiter ging: heute weiß man, daß die Ölreserven größer sind, als die damals bekannten und bei derzeitigem Verbrauch mindestens weitere 50 Jahre vorhalten werden- anders gesagt auf den Zeitraum unserer derzeitigen Fähigkeit Vorhersagen zu machen.
Nichts deutet auf einen darüber hinausgehenden Mangel hin. Also Mäßigung ja- aber auf Gund einer ethischen Entscheidung freiwiliig- und nicht wegen einer strategischen Notwendigkeit.
Wirtschaftliche Fragen im Überfluss, der Text spricht dann von der durch den Reichtun, den es heute gibt, ausgelösten Ungleichheit.
Ich glaube im Gegenteil, daß wir heute in einer Epoche leben, in der der Abstand zwischen den Lebensbedingungen der Ersten und der Letzen im Vergleich zur Vergangenheit kleiner geworden ist, außerdem glaube ich, da wir einig sein können, daß eine adäquate soziale Mobilität vorausgesetzt -eine maßvolle und nicht demütigende  Statusungleichheit einen starken Antrieb für den globalen wirtschaftlichen Fortschritt darstellt,
Es ist ebenso klar, daß Gier und Ausgrenzung verurteilt und ausgeschlossen werden müssen.

Ein letzter Punkt am Ende: das Problem der Biodiversität wird so abgehandelt, als sei die Erde seit der Zeit der Schöpfung unverändert geblieben und sei seit dem 8. Tag die selbe geblieben.
Wir wissen alle, daß im Gegenteil die Erde ein Ensemble in konstanter Evolution befindlicher Teile ist untereinander abhängig-aber nicht zeitgleich.
Die Temperaturen haben oft gewechselt, die Zusammensetzung der Atmosphäre hat sich radikal verändert, die tierischen und pflanzlichen Spezies, haben gewechselt etc.
Einen natürlichen Prozess blockieren zu wollen, der die Regeln für seine Entwicklung in der Natur, die in all ihren Verzweigungen von Gott geschaffen wurde, scheint mir ein Plan gegen die Vorsehung zu sein.

Um zum Schluss zu kommen: ich bin sicher ein sehr schlechter Katholik - aber ein überzeugter. Die Lektüre der Enzyklika hat mir eine große Enttäuschung, einen tiefen Schmerz bereitet. Ich werde später - nach eingehendem Studium - eine detaillierte Analyse nachreichen und werde auch einige Experten für Theologie und Kirchengeschichte zu Rate ziehen, um die Frage, die ich heute nicht beantworten kann, zu klären: ist es ein Text, der die Glaubenswahrheit betrifft? Oder ist es eher eine Sammlung (diskutierbarer) pastoraler Hinweise?
Quelle: La Nuova Bussola Quotidiana, Paolo Togni, benoît-et-moi





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