Samstag, 29. August 2015

Neulich in der Messe ...

...hörten wir eine sehr interessante Predigt über den Gründer des Salvatorianer-Ordens, Johann Baptist Jordan (der sich nach der Ordensgründung Franziska Maria vom Kreuze Jordan nannte). Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen und hatte eine Gotteserfahrung als er mit 14 Jahren seine erste heilige Kommunion empfing. Zunächst erlernte er einen "bürgerlichen" Beruf, um dann doch noch einmal die Schulbank zu drücken, das Abitur zu machen mit dem festen Ziel, Theologie zu studieren und Priester zu werden. Alles gut, sollte man meinen - eine ganz "normale" Priesterberufung.... Doch - Johann Baptiste hatte sich die "falsche Zeit" für seine Priesterweihe ausgesucht. Es war die Zeit des Kulturkampfes ... im fernen Berlin hatte sich nämlich ein Feind der katholischen Kirche die Unterjochung derselben unter das deutsche Staatsgefüge vorgenommen. Geschafft hat er es allerdings nicht. Bischöfe und Priester waren Hirten der einen heiligen katholischen und apostolischen Kirche und hatten absolut kein Interesse daran, mit der Priesterweihe auch einen Eid auf Kaiser und Vaterland abzulegen. Das bedeutete aber, dass ein Priester der sich dem Staat verweigerte keine heilige Messe zelebrieren und auch nicht predigen durfte. So feierte Johann Baptiste Jordan seine Primiz in der Schweiz. Und zog dann weiter nach Rom, wo er seine Studien fortsetzte und viele neue Sprachen lernte. Während einer Reise ins Heilige Land hatte er eine Vision und gründete daraufhin den Orden der Salvatorianer.
Aus diesem kleinen Ausflug in die Geschichte unserer Kirche wurde ein flammendes Plädoyer für den wirklichen Frieden - nicht für den der mit Gewalt erzwungen wurde - so wie es Bismarck während des Kulturkampfes machte und dann doch scheiterte - wie so viele andere auch, die Frieden erzwingen und mit Waffengewalt erhalten wollen. Eine sehr interessante hochemotionale Predigt und eine schöne Messe ... als es vorbei und ich schon wieder auf dem Weg nach hause war, fiel mir ein, dass ich erst kürzlich einen Blogbeitrag über das brutale Vorgehen von Bismarck gegen unsere Kirche gelesen hatte. Er ist ja nicht mal davor zurückgeschreckt, die Priester auszuhungern.... Der Blogbeitrag endete mit dem Text, dass Papst Pius IX "den Deutschen"  aufgrund des Vorgehens von Bismarck ein schreckliches Ende voraussagte. Davon hatte ich nun wirklich noch nie etwas gehört und ich konnte mir auch gar nicht vorstellen, dass ein Papst so etwas tun würde .... und so habe ich etwas recherchiert und bin auf die Enzyklia "Quod Nunquam" gestoßen: "On the Church in Prussia"... Puuuh. Erleichterung. Er hatte Bayern (als Teil des Bismarckschen Konglomerats) also gar nicht gemeint, sondern es ging um Preußen. Dieses Preußen, das mit Macht und Gewalt ein großdeutsches Reich erschaffen wollte. Und dem die Kirche dabei ziemlich im Weg war. Über den Kulturkampf findet man vieles bei Wikipedia, aber nichts davon in meinen alten hessischen Geschichtsbüchern, die die "großen Taten" Bismarcks hervorheben.



Bismarck ließ sich allerlei Gemeinheiten gegen die Kirche einfallen, die größten davon waren wohl die Einführung der Zivilehe, die Aufhebung der staatlichen Unterstützung der Priester, der Entzug des Kirchenvermögens (wieder mal) und das Predigtverbot. Zudem wurden die Jesuiten verboten und mehr als 1900 Priester landeten im Gefängnis.

Da konnte der Papst nicht weiter zusehen und verfasste im Februar 1875 seine Enzyklika "An die Kirche in Preußen". Ein wahres Meisterwerk, das mit einem Wort beschrieben ist: "Klartext". Er beklagt darin zunächst, dass vonseiten Preußens alle Vereinbarungen gebrochen wurden, und die katholische Kirche der Staatsmacht unterstellt werden wollte. Die Bischöfe widersetzten sich diesen Gesetzen, was dazu führte, dass die Bischöfe von Paderborn und Posen als erste im Gefängnis landeten. Papst Pius IX lobte sie für ihre Standhaftigkeit und versicherte ihnen, dass sie Lob verdienten und nicht betrauert werden sollten. Er verdammte die vom Staat gegen die Kirche erlassenen Gesetze die viel böses hervorgebracht hätten und die Menschen in Furcht versetzen. Die Rechte und die Freiheit der Kirche würden unterdrückt durch ungerechte Macht und müssten vom Epispokat verteidigt werden. Pius erklärte die Gesetze für ungültig, da sie sich gegen die göttliche Ordnung der Kirche stellten: "Der Herr setzte die weltlichen Mächtigen in Angelegenheiten der heiligen Kirche nicht über die Bischöfe, vielmehr vertraute er dem heiligen Petrus die Pflicht an, seine Lämmer und Schafe zu weiden. Deshalb können die, die der Heilige Geist als Bischöfe zur Führung der Kirche bestellt hat, nicht von irgendeiner hochmütigen weltlichen Macht ihrer Aufgaben beraubt werden."
Er warf der preußischen Regierung vor, dass die Gesetze einer solch illustren Nation unwürdig seien, vor allem, da sie nur mit Androhung militärischer Macht durchgesetzt werden können. Sie raubten den Menschen die Freiheit, nach ihrem Gewissen zu handeln, was dem Zustand der Sklaverei entspricht.
In dieser Enzyklika kündigte Papst Pius IX aber auch den Klerikern, die sich den Gesetzen des Staates in kirchlichen Dingen beugten, die Exkommunikation an und forderte die Gläubigen auf, den Abweichlern nicht zu folgen.
Immer wieder kommt der Papst auf die Standhaftigkeit und den festen Glauben seiner Bischöfe zurück und bestärkt sie darin, in dieser Situation fest im Glauben verharren und sich in Glaubensdingen der Staatsmacht nicht zu beugen.
Großartig, wie er immer wieder darauf dringt, dass es besser ist, Gott mehr zu gehorchen, als den Menschen. Er verweist auf die, die unter dem Kreuz verblieben und nicht geflohen sind und fordert alle auf, sich nicht zu fürchten. "In ihm ist unsere Hoffnung, wir geben uns ihm hin und er wird vollenden, was er versprochen hat, der Herr sagt 'In der Welt werdet ihr verfolgt werden, doch seid tapfer, ich habe die Welt erobert".

Alle hielten sich dran und es dauerte nicht lange, da musste Bismarck seine abscheulichen Gesetze wieder zurücknehmen ... denn ein anderer "Feind" rückte sichtbar am Horizont heran: die Sozialisten!
Da waren Kaiser und Kanzler plötzlich auf die Katholiken und ihre Partei, das "Zentrum" angewiesen. So kann's gehen.

Es hat also gar nicht einer Drohung gegen Preußen bedurft - aber wenn man sich heute dort umschaut, muss man sagen, dass nicht viel von Preußen übrig geblieben ist. Der Großteil gehört heute zum katholischen Polen. Der westliche Teil ist heute NRW+NS und wird von Rot-Grün verbessert, der Rest dazwischen wurde von der "DDR" heruntergewirtschaftet - wenn man von einigen kleinen katholischen Enklaven absieht, die die dunkle Zeit in der Anbetung vor dem Allerheiligsten verbrachten, wie uns Kardinal Meisner letztens in einer Katechese berichtete.
Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass in den letzten Jahren - von Berlin ausgehend - wieder verstärkt versucht wird, die Katholiken klein zu halten. Dazu braucht es natürlich erstmal keinen staatlichen oder gar militärischen Druck. Nein man versucht es mit "Divide et impera" .... und hat dazu die Begriffe "Rechts- und Linkskatholiken" eingeführt, wobei Rechtskatholik ganz böse und Linkskatholik nur halbböse ist.
Im Gegensatz zu früheren Zeiten können wir aber lange warten, dass einer unserer Bischöfe für seine Glaubensüberzeugung ins Gefängnis gehen würde. Lieber macht man den ganzen staatlich verordneten Schmarrn zum Glaubensinhalt und überlässt es den Gläubigen, dem Vorbild der Bischöfe aus dem 19. Jhd. zu folgen: Die Kirche zu lieben, standhaft im Glauben zu bleiben und dem Herrn mehr zu gehorchen als den Menschen. Machen wir!

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