Freitag, 25. September 2015

München im Herbst: von Stadtpatronen, Überfällen, Kardinälen und Wundern ..

... der Herbst klopft an die Tür und weil wir in München ja gerade Wiesnzeit haben ... ist der Weihnachtsmarkt noch weit.

Da ist es schön, wenn man in der Messe der Menschen gedenkt, die das Christentum in Europa verbreitet haben - heute waren das die heiligen Rupert und Virgil, Missionare, die das Christentum nach Bayern gebracht haben. Der heilige Rupert wurde dann sogar Bischof in Salzburg und ihm wird von unseren österreichischen Freunden besonders gedacht ...

Dass die Österreicher nicht immer unsere Freunde waren, erfuhren wir dann in der Predigt. Denn wir Münchner gedenken heute auch des Geburts- und Tauftags von Maria Anna Lindmayr, die von vielen auch als "bayerische Teresa von Avila" bezeichnet wird.
Wir hörten in der Predigt vieles aus dem Leben von Maria Anna Lindmayr und wie immer war ich fasziniert, wie tief gläubig diese Frau war - und - wie tief gläubig die ganze Stadt war: Klerus, Adel und Bürger waren im Glauben verbunden und niemand hätte sich damals, Anfang des 18. Jahrhunderts vorstellen können, dass das 300 Jahre später einmal nicht mehr so sein könnte.
Maria Anna Lindmayr hatte nämlich eine Vision, dass die Stadt in großer Gefahr sei: Die Österreicher standen vor den Toren und setzten gerade zur Belagerung an. Aber - dass die Stadt verschont würde, wenn sie der Heiligen Dreifaltigkeit eine Kirche bauen würde. So geschah es, Klerus, Adel und Bürger gelobten den Bau der Kirche und die Stadt wurde - wieder einmal - verschont.

Als die Messe aus war, war es schon fast dunkel und auf dem Heimweg dachte ich mir, was würde wohl geschehen, wenn eine Maria A. in diesen Tagen diese Vision hätte und dazu fiel mir dann das folgende Szenario ein:

Maria A. schreckt aus dem Schlaf hoch. Ein Engel war ihr erschienen und hatte ihr eine Botschaft mitgegeben: "Gehe sofort zu Deinem Bischof und zum Ministerpräsidenten und berichte, dass sich das österreichische Heer aufgemacht hat, Bayern zu erobern und dass sie auch vor der schönen Landeshauptstadt nicht Halt machen werden und einen Plan haben, die ganze Stadt zu zerstören. Die junge Münchnerin erkennt die Gefahr und begibt sich ohne Verzug in das barocke Palais des Kardinals M, direkt hinter dem Dom. Vorbei am Bodyguard, schafft sie es - völlig außer Atem - in das Vorzimmer des Kardinals. Doch die Dame dort ist sichtlich schlecht gelaunt und denkt gar nicht daran, Maria A. vorzulassen. Aufgeschreckt vom Lärm vor seinem Büro öffnet der Kardinal die Tür von innen.
"Was ist denn hier los? Ach, die schon wieder! Sind Sie nicht die, die den ganzen Tag Rosenkränze betet, täglich die lateinische Messe besucht, ständig beichtet und immer wieder zur Umkehr aufruft? Sind Sie nicht die, die immer noch an Gott glaubt und treu nach Christi Lehre lebt? Höhöhö.... na gut, dann kommen Sie mal rein und erzählen sie mal, was sie auf dem Herzen haben." Maria A. immer noch völlig aufgelöst, berichtet dem Kardinal von ihrer Vision: "Eminenz, die Österreicher sind unterwegs. Sie stehen zu 100.000n an unserer Grenze, wollen unser Land erobern und München so lange belagern, bis kein Stein mehr auf dem anderen steht." "Ach, junge Frau, da machen Sie sich mal keine Sorgen - unser Herr Ministerpräsident hat doch längst vorgesorgt. Er hat den Bahnbetrieb einstellen lassen, die Autobahnen gesperrt und ansonsten stehen überall Polizisten und wir haben ja auch noch unsere Gebirgsschützen.... Also alles halb so schlimm. Und außerdem sind die Österreicher doch alles ganz liebe und nette Gesellen .... und wenn ich da so an Kalbsbraten mit Rahmschwammerl und Knödel denke mmmh, oder an den kräftigen "Zweigelt" oder den "Grünen Veltliner" - ach, und Nusspalatschinken und Kaiserschmarrn, nein so schlimm wird das mit den Österreichern schon nicht werden. Wir sind doch allesamt Menschen und müssen uns einfach alle nur lieb haben .... Gehen Sie wieder nach Hause, aber nicht so viel beten, sonst muss ich Sie doch noch dem Oberbürgermeister als gefährliche rechte melden. Und Sie wissen ja, was das bedeutet. Maria A. begab sich in ihr Schicksal, denn ihr Versuch die Stadt zu retten, war vorerst gescheitert. Der Kardinal rief nach seinem Chauffeur, denn er hatte einen Termin in Fulda und der Flieger wartete nicht.
Es dauerte keine Woche, da standen die Österreicher an der Stadtgrenze. Die tapferen Gebirgsschützen hatten zwar alles versucht, sie noch aufzuhalten. Aber irgendwann war ihnen die Munition ausgegangen und so hatten sie gegen die Übermacht der Österreicher keine Chance. Die Rezepte der Bayern mit Autobahnsperren und Blockade der Schienen waren ebenfalls gescheitert. Und so marschierten die Rot-weiß-roten fast unbehelligt bis vor die Tore Münchens. Mit lautem Hallo wurden sie von den Münchnern (denen ja niemand etwas von der kommenden Gefahr gesagt hatte) begrüßt. Es war nämlich Oktoberfest und in der ganzen Stadt herrschte fröhliche Stimmung. "Pace-Fahnen" und bunte Luftballons - soweit das Auge reicht und es lag mehr als ein Hauch von "Prosit der Gemütlichkeit" über der Stadt. So gaben sich auch die Österreicher erst mal der Feierstimmung hin. Freibier ist bekanntlich das beste Bier und es schien ihnen auch zu schmecken. Allerdings waren die Hendl nicht so gut, wie die aus dem Wiener Wald und sie aßen deshalb nicht so viel, deshalb stieg ihnen das Bier viel zu schnell in den Kopf. Die Münchner lernten daraus, dass Bier eben auch aggressiv machen kann. Schon bald war's vorbei mit der Bierruhe und die Österreicher zeigten ihr wahres Gesicht. Im Zerstörungsmodus zogen sie Richtung Innenstadt und fingen an, alles kurz und klein zu schlagen. Die Geschäfte, Kinos, Gaststätten und Spielhallen zwischen Theresienwiese und Bahnhof hielten nicht lange stand. Und bald schon standen sie am Stachus. Gerade als sie anfangen wollten, die Luxus-Kaufhäuser zu plündern, stellten sie fest, dass Sonntag war und alle Läden geschlossen. Es herrschte eine himmlische Ruhe in der Stadt, nur die Glocken läuteten in allen Kirchen. Über Nacht war nämlich ein Wunder geschehen. Maria A. hatte, nachdem sie von Kardinal M. unverrichteter Dinge nach Hause geschickt wurde, einen Blog eröffnet, sich einen twitter-Account angelegt und eine Facebook-Gruppe gegründet. Ihre Nachricht vom geplanten Überfall der Österreicher setzte die Netzgemeinde in Bewegung: Schnell wurden überall Gebetsinitiativen gestartet, es fanden sich Gebetsgruppen zuhause zusammen und in den Kirchen wurde das Allerheiligste ausgesetzt und angebetet. Stundenlang verharrten die Münchner vor dem Herrn und baten nicht nur um Vergebung ihrer Sünden, sondern auch um Rettung aus tiefer Not. Überall brannten Gebetskerzen und die Rosenkränze konnten gar nicht mehr gezählt werden. So voll waren die Kirchen sonst nicht einmal an Weihnachten. Und das Wunder geschah: Wieder einmal hatte der Herr ein Einsehen mit "seinen Bayern" und wandelte und bekehrte die Herzen der österreicherischen Aggressoren.
Stumm und still und voller Ehrfurcht standen die auf dem Marienplatz und fielen vor der Mariensäule auf die Knie. Nach ein paar Stunden machten sie sich wieder auf den Heimweg und weinten und klagten, dass die Züge immer noch nicht fuhren..... und sie den Weg zurück wieder zu Fuß gehen mussten
... ein paar Tage später kehrte der Kardinal nach München zurück. Er war erstaunt darüber, wie sehr die Stadt leuchtete und wie intensiv und dankbar wieder gebetet wurde. Er ließ sich von seiner Sekretärin berichten, was geschehen war. Mann, hat der sich geärgert. Deshalb berief er auch gleich eine Pressekonferenz ein. Und was er dort gesagt hat, das kann man auf dem Blog von katholon sehen. Deshalb muss ich das hier nicht kommentieren. Es spricht für sich. Frischer Wind hat inzwischen dankenswerterweise eine Liste mit all den Teilnehmern der Pressekonferenz zusammengestellt, die darüber berichten.

Aber München ist auf jeden Fall wieder mal gerettet, auch wenn Maria A. nicht auf die Obrigkeit und schon gar nicht auf den Oberhirten zählen konnte. Aber wer braucht schon eine Obrigkeit, wenn wir den Herrn an unserer Seite wissen.

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