Freitag, 30. Oktober 2015

Sandro Magister: Die Kasper-Ratzinger-Kontroverse wird niemals enden

Kardinal Pell hat sich den Zorn sowohl der Kasperianer-Garde als auch der DBK in Gestalt Kardinal Marx´ zugezogen, als er es wagte, von "der dritten Schlacht im 30-jährigen Krieg zwischen zwei deutschen Theologen" zu berichten, der er bei dieser Synode beiwohnen mußte.
Sandro Magister nimmt sich bei www-chiesa, L´ Espresso, heute noch einmal dieser- wie es aussieht- unendlichen Geschichte an. Hier geht´s zum Original:  klicken


               "KASPER VERSUS RATZINGER,  EIN UNENDLICHER DISPUT"
Franziskus hat ihn erneut entfacht, ihn aber nicht gelöst. In den Paragraphen über die wiederverheirateten Geschiedenen kommt das Wort "Kommunion" nicht vor. Der Papst könnte es aber Kraft seiner Autorität einfügen.

Es war mit Händen greifbar, daß der Papst damit unzufrieden war, wie die Synode endete. In seiner Abschlussrede- und Predigt nahm er noch einmal die "Hermeneutk der Verschwörung" ins Visier, den dürren "Glauben nach dem Buchstaben" und jene die "auf dem Stuhl Mose sitzen und, manchmal mit Hochmut und Oberflächlichkeit, über schwierige Fälle und verwundete Familien urteilen wollen."

Und dennoch ist das Schlußdokument , das am Samstag, 24. Oktober, approbiert wurde, von der ersten bis zur letzten Zeile eine Hymne auf die Barmherzigkeit.

Nur, daß in diesem Dokument eben kein einziges Wort ist, das die Doktrin und die Disziplin der Katholischen Kirche von diesem Nein zur Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen weghebeln würde, das die wirkliche Mauer bildet, die nach den Plänen der Innovatoren eingerissen werden müßte- die Öffnung, die direkt zur Zulassung von Scheidung und Wiederverheiratung geführt hätte.


Das Unternehmen hat von der Ankündigung der zweiteiligen Synode bis zu ihrem Ende 2 Jahre gedauert. Und der Stapellauf im Februar 2014 war glänzend -mit Kardinal Walter Kasper-dem lebenslangen Reformer-, der vom Papst mit der Erstellung der Agenda für die im Konsistorium versammelten Kardinäle beauftragt worden war.
Die Auswahl Kaspers als Leitung war in der Tat ein ganz eigener Plan. Seit 30 Jahren hatte er sich mit seinem historischen Gegenspieler, seinem Landsmann Joseph Ratzinger herumgeschlagen- auch er Theologe und damals Kardinal-am Ende Papst- über genau die beiden Hauptfragen der gerade beendeten Synode : die Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen und das Machtgleichgewicht zwischen der Universalen Kirche und den Ortskirchen.

Ratzinger war an beiden Fronten als Sieger hervorgegangen- auch schon als Kardinal- gestärkt durch die Autorität Johannes Pauls II. Aber als er selber Papst geworden war, hat er seinen Gegenspieler niemals verurteilt oder gedemütigt. Im Gegenteil- er behielt in in seiner Nähe -auf dem renommierten Posten des Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen.

Bis mit Franziskus alles wieder ins Spiel kam. Und damit erhob sich Kasper wieder als aktiver Anführer der Innovatoren- mit Ratzinger im Schweigen und im Gebet, als Papst emeritus in seiner Klausur.

Der Fehler der Innovatoren war es, zu weit zu gehen. Bei der Synode 2014 hatten sie in die Interims-Relatio eine Reihe provokativer Formulierungen aus den Diskussionen eingewoben, was zum sofortigen Aufschrei über eine Revolution in der Katholischen Lehre führte- nicht nur zur Ehe sondern auch zur Homosexualität.

Aber diese Formulierungen gaben nicht im Geringsten wieder, was in der Versammlung gesagt worden war. Und der Gegenschlag war tödlich. Zwei Kardinäle mit höchster Autorität, der Ungar Péter Erdö und der Südafrikaner Wilfrid F. Napier stellten das Manöver öffentlich bloß und isolierten den Spezialsekretär der Synode Bruno Forte als den Autor der Brechstangentaktik. Die Schluss-Relatio ließ die ungehörigen Passagen weg und nahm die Homosexualität aus der Arbeits-Agenda heraus.

Aber die Frage der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen blieb völlig offen. Vor der zweiten und letzten Sitzung der Synode bestätigte Papst Franziskus Forte als Spezialsekretär der Synode und verstärkte die Gruppe der Innovatoren durch gezielte Ernennungen.

Das bringt uns zu diesem Oktober.

Der Brief, den 13 berühmte Kardinäle -einschließlich Napie.-am ersten Tag an den Papst schickten, hat den Empfänger irritiert, erzielte aber das gewünschte Resultat: daß sich die Manöver des Vorjahres nicht wiederholten.

In der Versammlung und den Sprachzirkeln kam es geradewegs ans Licht, daß der Widerstand gegen die Kommunuion für die wiederverheirateten Geschiedenen unter den Bischöfen Nordamerikas, Osteuropas und vor allem Afrikas weit verbreitet war.

Die Wahl des Rates, der als Brücke zwischen zwei Synoden dient- belohnte mit massiver Stimmabgabe drei der dreizehn Unterzeichner der Briefes, die Kardinäle Pell, Sarah und Napier, und drei weitere Kardinäle und Bischöfe derselben Überzeugung.

  

An dieser Stelle faßte der von Kardinal Kasper dominierte Circulus Minoris Germanicus den Entschluß, auf die Minimallösung zurückzugreifen- die zu dem Zeitpunkt als die einzige betrachtet wurde, die mit einer Chance auf Zustimmung der Versammlung präsentiert werden konnte- die, dem "forum internum" und dem Beichtvater zusammen mit dem Beichtenden die "Unterscheidung "der Fälle anzuvertrauen,  in denen der Zugang zu den Sakramenten gewährt werden könne.

Das ist eine Lösung, die Benedikt XVI selber nicht ausgeschlossen hatte- wenn auch nur als Hypothese, die noch "weiterer Untersuchungen und Klärungen bedaarf." Und tatsächlich wurde sie im Germanicus-Kreis sogar von Kardinal Gerhard Müller-dem Präfekten der Glaubenskongregation und eisernen Ratzingerianer-gestützt.

In den 3 Paragraphen über die wiederverheirateten Geschiedenen im Entwurf des Schlussdokumentes der Synode ist die "Deutsche" Lösung en bloc wiedergegeben. Allerdings mit einigen Einschnitten, dem einzigen Weg, sie den Test der Abstimmung bestehen zu lassen.

Und so fehlen im endgültigen, von einer 2/3 Mehrheit der Synoden-Väter approbierten Text die Worte "Zugang zu den Sakramenten", sie bleiben der Vorstellung überlassen. Weder findet man das Wort "Kommunion" noch ein äquivalentes- kurz gesagt: es gibt keine ausdrückliche Änderung dieses Schlüsselpunktes.

Die endgültige Entscheidung steht Franziskus zu, ihm allein. Aber die Synode, die er sich so sehr ersehnt hatte, hat sich weit entfernt von seinen Erwartungen ausgedrückt."

Quelle: Sandro magister, www.chiesa, L´Espresso

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen