Mittwoch, 28. Oktober 2015

Sandro Magister zur Synode und ihren Auswirkungen



Sandro Magister- schreibt heute bei www.chiesa über die Resultate und Auswwirkungen der Synode, liest man seinen Texxt und den anderer Vaticanisti und Fachleute, kann man angesichts der Rolle, die die deutschen Bischöfe mehrheitlich gespielt haben, nur entsetzt sein.
"Das Wort Kommunion erscheint nicht einmal im synoden-approbierten Text zum Thema der wiederverheirateten Geschiedenen. Aber in der Praxis macht schon jeder, was er will. Der Geist ist wichtiger als der Buchstabe-sagt Franziskus"
Hier geht´s zum Original:    klicken

              "SYNODALE KIRCHE.  ABER DER PAPST ENTSCHEIDET ALLES:"

 


Der Umkehrpunkt was der dritte Report des deutschsprachigen Kreises vom Abend des 20. Olkotbers, aus dem ganze Abschnitte, zumindest aber die letzten drei umstrittenen Punket: Gender-Theorie, Humanae Vitae und die Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen in das Schlussdokument gelangt waren.
Der "Germanicus"-Report beginnt aber mit einer für das Publikum gedachten Zensurenvergabe für die "öffentlichen Äußerungen mancher Synoden-Väter".
Gefragt, auf wen sich diese Aussage beziehe,wies Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Leiter des Kreises, in einem Interview mit der Pariser Zeitung "le Figaro" auf den australischen Kardinal George Pell  als Schuldigen hin.

Pell hatte gesagt, "er sei bei der Synode Zeuge der dritten theologischen Schlacht zwischen zwei deutschen Theologen-und deshalb zwischen zwei Visionen-geworden, der von Kasper und der von Ratzinger- eine Konfrontation, die seit geraumer Zeit andauere, aber er hoffe, daß die Zeit dafür bald zu Ende gehe und bei dieser Synode Klarheit entstehe"

Absolut wahr. Weil die beiden Hauptstreitpunkte dieser Synode genau die beiden Hauptfragen waren und weiterhin sind, über die Walter Kasper und Joseph Ratzinger über einen Zeitraum von 30 Jahren aneinander geraten  waren: die Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen und das Verhältnis der Universalen Kirche zu den Ortskirchen.

UNIVERSALE KIRCHE UND ORTSKIRCHEN
Was die zweite Frage angeht, verteidigte Kasper die simultane Entstehung der Universalen Kirche und der Ortskirchen und hatte bei Ratzingers den Versuch erkannt, "den römischen Zentralismus wieder herzustellen".
Während Ratzinger Kasper dafür kritisierte, die Kirche auf eine soziologische Struktur zu reduzieren, und die Einheit der Kirche und besonders das Papstamt zu gefährden.




Der Disput zwischen den beiden Männern hatte 1983 begonnen, und gipfelte in der Veröffentlichung eines Briefes der Glaubenskongregation, deren Präfekt Ratzinger war, der den Titel " Communionis Notio" trug und setzte sich bis 2001 mit einem letzten Schlagabtausch im New Yorker Jesuiten-Magazin "America" fort.

Aber nachdem er Papst geworden war wiederholte Ratzinger seine These in der postsynodalen Exhortation "Ecclesia in Medio Oriente" von 2012.

"Die universale Kirche ist eine Realität, die den Teilkirchen vorausgeht, die von der und durch die universale Kirche in die Welt kamen. Diese Wahrheit wird treu in der Katholischen Lehre, besondes des II Vaticanischen Konzils reflektiert. Sie führt zum Verständnis der hierarchischen Dimension der kirchlichen Gemeinschaft und erlaubt der reichen und legitimen Diversität der Teilkirchen, sich fortwärend innerhalb dieser Einheit zu entwickeln, in der die speziellen Gaben eine authentische Quelle der Bereicherung der Universalität der Kirche werden können."

Jetzt aber hat Papst Franziskus in "Evangelii Gaudium" die Hoffenung ausgedrückt, daß die Bischofskonferenzen "Subjekte mit spezifischen Eigenschaften werden mögen, einschließlich "genuiner doktrinaler Autorität", weil "eine exzessive Zentralisierung anstatt zu nützen, das Leben der Kirche und ihrer missionarischen Wirkung eher verkompliziert."

Und im dichtesten Getümmel der Synode am 17. Oktober kam er auf die "Notwendigkeit einer gesunden Dezenteralisierung" zurück, was bedeutet, den nationalen Episkopaten "das Erkennen der Probleme, die in ihren Gebieten entstehen", anzuvertrauen.

Dieser Disput ist alles andere als abstrakt, bedenkt man, was der ranghöchste deutsche Bischof, Kardinal Marx, im letzten Frühjahr sagte:
" Wir sind keine Filiale Roms. Jede Bischofskonferenz ist für die pastorale Betreuung in ihrem eigenen kulturellen Kontext verantwortlich und muß das Evangelium auf ihre eigene ursprüngliche Weise predigen. Wir können nicht darauf warten, daß eine Synode uns sagt, wie wir hier die pastorele Betreuung von Ehe und Familie gestalten sollen."

Die Synode hat jetzt stattgefunden, aber in Deutschland- und nicht nur dort- gibt es bereits seit einiger Zeit die "Frei-für-alle-die kommen-Kommunion" für die wiederverheirateten Geschiedenen.
Und so kommen wir jetzt zum anderen Punkt des historrischen Streites zwischen Kasper und Ratzinger.

KOMMUNION FÜR DIE WIEDERVERHEIRATETEN GESCHIEDENEN
In den frühen 90-er Jahren trotzt Kasper, damals Bischof von Rottenburg zusammen mit dem Mainzer Bischof Karl Lehmann und dem Freiburger Bischof Oskar Sailer dem Römischen Bann für die wiederverheirateten Geschiedenen, der 1981 als Exhortation "Familiaris Consortio"  von Johannes Paul II formuliert worden war. Der Austausch mit Ratzinger endete 1994 mit einem Brief der Glaubenskongregation an die Bischöfe der Welt, der den Bann wiederholte. Für einige Dekaden schwieg Kasper zum Thema.
Aber seit Jorge Mario Bergoglio Papst wurde, kehrte der Kardinal in den 80-ern an die Front zurück, um seine Ideen wiederzubeleben, dieses mal mit der anfänglichen Unterstützung des Nachfolgers Petri, der 2014 Kasper damit beauftragte, im Hinblick auf die zwei-Stufen-Familien-Synode die Agenda für die beim Konsistorium versammelten Kardinäle zu erstellen.
Und wegen eines falschen Ratzinger-Zitates durch Kasper, fand die Debatte zwischen den beiden im letzten Jahr eine unerwartete Fortsetzung.
Die Reaktionen der Kardinäle und Bischöfe waren jedoch derart, daß sie sogar Papst Franziskus überraschten, der dann von einem  bestimmten Punkt an, sich ein bißchen von ihm (Kasper) zu distanzieren schien.
Und es gab dann bei der Synode in diesem Oktober eine noch substantiellere Opposition, die soweit ging, daß Kasper seine Vorschläge selbst zurückzog und in einer Kehrtwende auf eine Minimallösung zurückgriff, die er einzig als mit der Hoffnung auf Erfolg für in der Versammlung präsentierbar hielt.

Ironie des Schicksals: eine solche Minimallösung war mehr als einmal von Ratzinger als Hypothese geprüft wordem, zuerst als Kardinal 1998 und dann als Papst mit der Wiederveröffentlichung des selben Essays 2011. ("Sulla pastorale dei divorzati risposati")
Ratzinger arbeitet darin auf der Basis eines exemplarischen Falles, daß einer der in seinem Gewissen überzeugt ist, daß seine kirchlich geschlossene Ehe nichtig ist, aber den Weg durch ein kanonisches Urteil blockiert sieht, das sie als nicht nichtig erklärt."
In solchen Fällen-schrieb er- " scheint die Linie des Prinzips der Applikation der "epikeia" im forum internum nicht ausgeschlossen."
Und er fuhr fort: "Viele Theologen sind der Meinung, daß auch im internen forum die Gläubigen dem Urteil des Gerichtes, das in ihren Augen falsch ist, absolut Folge leisten müssen. Andere halten daran fest, daß hier im "forum internum" Ausnahmen erwogen werden können, weil im Vorgehenssystem dieser Normen kein göttliches Gesetz sondern nur Kirchengesetz enthalten ist. Die Frage bedarf aber weiteren Studiums und weiterer Klärung. Es muß eine präzise Klärung der Bedingungen für eine Ausnahme geben, um Willkür zu vermeiden und die öffentlichen Natur der Ehe vor subjektiven Urteilen zu schützen."
  
So gab es denn also im deutschen Arbeitskreis während der letzten Synodenwoche bei genau dieser letzten Hypothese, die Ratzinger zu seiner Zeit als Studienfall präsentiert hatte: einem "forum internum"- also dem Beichtvater zusammen mit dem Beichtenden, die Unterscheidung anzuvertrauen, in welchen Fällen der Zugang zu den Sakramenten zu erlauben sei. Und im Germanicus waren außer Kardinal Kasper auch die Kardinäle Marx und Schönborn - plus andere Innovatoren. Aber da war auch Gerhard Müller, Präfekt der Glaubenskongregation und ein unerschütterlicher Ratzingerianer.

Aber als die Deutsche Lösung in die Relatio finalis einging- die den vorhergehenden Entwurf , der von den Kritikern zerrissen wurde, ersetzte,  und der Versammlung zur Abstimmung vorgelegt wurde, konnte ihr nicht zugestimmt werde, ohne das ihre Sprache "enthärtet" wurde- bis zu dem Grad, alle Erneuerungen daraus zu entfernen. Und so wurde der "Zugang zu den Sakramenten"  zu einer "allgemeinen Möglichkeit am Leben der Kirche teilzunehmen" verwässert. Im schließlich approbierten Text kommt in den Paragraphen über die wiederverheirateten Geschiedenen das Wort Kommunion kein einziges mal vor, noch irgendein gleichwertiger Terminus. Nichts Neues- kurz gesagt- bei der Respektierung des geltenden Banns- jedenfalls nichts, was in den Buchstaben des Textes zu finden wäre.

ZWISCHEN THEORIE UND PRAXIS
Aber es gibt auch einen großen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Das "forum internum" ist bereits ein in vielen Fällen von wiederverheriateten Geschiedenen eingeschlagener Weg, die die Kommunion empfangen, öfters auch ohne die Zustimmung des Beichtvaters.

Aber dann sind da auch die, die viel weiter gehen. Und sie theoretisieren über eine totale Handlungsfreiheit auf diesem Gebiet.

Basilio Petrà , Präsident des Verbander der Italienischen Moralthologen und Referenzautor von Civiltà Cattolica hat es schwarz auf weiß niedergelegt, daß die Dinge sich geändert haben, als Kardinal Kasper sich beim Konsistorium 2014 zugunsten der Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen aussprach.

Seither- so schriebt Petrà im Magazin "Il Regno" - hat das Lehramt de facto das in Zweifel gezogen, was bis dahin ein unbezweifelbarer Bann gewesen war."
Mit dem Resultat, daß jetzt ein Beichtvater fröhlich die wiederverheirateten Geschiedenen lossprechen und zur Kommunion zulassen kann-ohne auf die Erlaubnis des Bischofs zu warten, die "nicht nötig ist."
 

WAS FRANZISKUS SAGEN WIRD
Auf dem Gebiet der Praxis - ist die einzige substantielle Erneuerung, die stattfand eine extrasynodale. Es ist die Reform der Annullierungsprozedur, die Franziskus in einem Dekret verfügte, daß am kommenden 8. Dezember in Kraft tritt.

In den Richtlinien des Papstes und der Kanoniker, die sie vorbereiteten, zielt diese Reform darauf ab, die Zahl der Annullierungen von Tausenden zu Millionen zu steigern, durch eine verschlankte, schnelle und kostenfreie Prozedur.
Aber diese in die Tat umzusetzen, erscheint als ein Titanisches Unternehmen, auf das die Katholische Kirche heute weitgehend unvorbereitet zu sein scheint. Es sei denn, jedes Urteil wírd dem Ortsbischof und seinen Delegierten überlassen- in einer Flut von Improvisationen.
In wenigen Monaten wird dann die Exhortation veröffentlicht werden, mit der Franziskus das Synodenwerk fruchtbar macht.

Alle Entscheidungen liegen bei ihm allein, weil eine Synode einzig die Aufgabe der Beratung und Empfehlung hat. Aber es steht nicht fest, ob der Papst sich an die Relatio finalis halten muß. die ihm übergeben worden ist.

Pater Adolfo N. Pachón, Ordensgeneral der Gesellschaft Jesu, der Bergolgio gut kennt und vom Papst in die Kommission, die zur Abfassung der Relatio berufen worden war, warnt:
"Die Idee war es, die Kommission ein Dokument vorbereiten zu lasen, das die Tür offen ließ, sodaß der Papst kommen und gehen kann, wie er es will. Es ist ein Dokument, daß Franziskus die Hände frei läßt,."

Auf jeden Fall wird Franziskus nicht das Wort "Ende" schreiben. Er hat mit zwei Synoden einen Prozess in Bewegung gesetzt, den er als allerletzter anhalten will.

Kardinal Timothy Dolan, Erzbischof von New York, erzählte "Crux":
"Mir scheint, daß das für Franziskus ein Teil ignatianischer Spiritualität ist:  Chaos, Konfusion und Fragen sind etwas Gutes. Sehr oft kann unser Wunsch nach etwas sehr Ordentlichem, Vorhersagbarem, etwas sehr Strukturiertem ein Hindernis für das Werk der Gnade sein. Er scheint das zu glauben."

Und dann ist da -jetzt mehr denn je- dieser hermeneutische Primat des "Geistes" über den "Buchstaben" , von dem wir bereits kontroverse Beweise in der endlosen prostkonziliaren Debatte haben und aus dem Papst Franziksu in der Rede die die Synode beendete, einen Punkt macht, indem er wieder die "verhärteten Herzen, die sich oft hinter der Kirchenlehre verstecken"  herauf beschwor. 
"Liebe BVrüder und Schwesterm, diese synodenerfahrung hat uns besser wahrnehmen lassen, daß die wahren Verteidiger der Doktirn nicht diejenigen sind, die den Buschsatben hochalten - sondern seinen Gesit, nicht Ideen sondern Menschen, nicht Formeln sondern die kostenlose Liebe und Vergebung Gottes."

Quelle: www. chiesa, Sandro Magister, L´Espresso





  






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen