Samstag, 7. November 2015

Komplott? Business!


So läßt sich kurz und knapp zusammenfassen, was Lorenzo Bertocchi bei  La Nuova Bussola Quotidiana über Vatileaks II und die neuesten progressistischen Verschwörungstheorien befindet.
Hier geht´s zum Original: klicken

               "ABER WELCHES KOMPLOTT? DAS IST BUSINESS"
"Es ist nicht ganz klar, wer gegen wen intrigiert. Wenn über Vatileaks 2 gesprochen wird, hat die Version eines Komplotts viele Anhänger, ist aber nicht besonders passend.

Zeitungen und Fernsehen haben sich mit wenigen Ausnahmen entschieden, an der Hermeneutik der "Alten Garde" orientiert, die den Reformen des vom Ende der Welt gekommenen Papstes widersteht.
Liest man aber die beiden gerade veröffentlichten Bücher, erscheint Papst Franziskus als der große Sittenapostel für einen unwürdigen Hofstaat. Wenn das Phantom der Alten Garde zurück ist, entschlossen den Papst zu diskreditieren, dann glänzt das sicher nicht durch Scharfsinn.
Irgendwer übt sich in Verschwörungshermeneutik und bringt Vatileaks mit dem coming-out des Ex-Monsignores  Charamsa, dem Brief der 13 Kardinäle bei der Synode, Vatileaks 1 und vielleicht auch irgendeiner angenommener Krankheit des Papstes zusammen. Es ist banal, darauf hinzuweisen, daß es sich dabei um ganz verschiedene Dinge handelt.


Die beiden beschuldigten "Raben" erscheinen - während wir darauf warten zu verstehen, ob sie es wirklich sind - scheinen nicht irgendjemandes Spielsteine zu sein, auch wenn sie sicher für die  beiden veröffentlichten Bücher Glückstreffer waren. 
Nuzzi und Fittipaldi, die beiden Journalisten, die "Via Crucis" und "Avarizia" in die Druckerpresse gegeben haben, haben das Geschäft gewittert und sich wenig darum gekümmert, "dem Papst zu helfen", sie scheinen daran interessiert zu sein, im Trüben zu bleiben, was ihren Blick auf das schmutzige Geld angeht. Weil- man weiß, daß die Löhne manchmal mittelmäßig sind und sich die Kirche im großen Stil verkaufen läßt.






Der Inhalt der beiden Bücher enthüllt keine besonderen Neuigkeiten, sie bringen nur schwarz auf weiß zu Papier, worüber man zur Zeit spricht:  Nuzzi berichtet uns von Luxusappartements einiger Kardinäle (und stellt sie den 50 qm der Unterkunft des Papstes in Santa Marta gegenüber) während Fittipaldi vom Tabak-und Benzinverkauf im Vatican erzählt. Andere unumgängliche Scoops betreffen Reisen in der Business-Class, ein Waschbecken (sic!)von Kardinal Pell und die übertriebenen Ausgaben für die "Fabbricca dei Santi".  


Und es durften auch nicht die Kosten für einen Hubschrauberflug von 23.000 € und die Luxuslimousinen fehlen - gegen den Kleinwagen des Papstes.
Dann sind da noch andere Fragen, wie die Kosten des Osservatore Romano, 5 Millionen € im Jahr, Radio Vaticana, das 26 Millionen € Verlust macht (nichts Neues).
Die Finanzierung der Restaurierung der Wohnung von Kardinal Bertone aus dem Fond von Bambino Gesú ist ein Must für einen sicheren Effekt, aber nicht wirklich eine Neuigkeit erster Güte.

Um Himmelswillen, es handelt sich da um Fragen, die man klären muß, aber Papst Franziskus hat vom Konklave ausdrücklich den Auftrag erhalten, Ordnung zu schaffen. Und die weitergegebenen Dokumente können nichts anderes als bestätigen, wie man im Vatican an diesem Stück arbeitet.
Pater Federico Lombardi, Pressesprecher des Vaticans, sagte, daß die Informationen, die die beiden Journalisten benutzt haben, "zum großen Teil mit einer längst vergangenen Phase der Arbeit zusammen hängen, ohne die notwendige Möglichkeit einer vertiefenden und wertenden Objektivität zu bieten, woraus sich im Gegenteil das - leider zu großen Teilen gewollte - Resultat ergibt, einen gegenteiligen Eindruck zu erwecken, den einer dauerhaft herrschenden Konfusion."

Die Entschlossenheit des Papstes und seine ungewöhnliche Methoden, die Kirche zu reformieren, haben ihn wahrscheinlich einige falsche Schritte tun lassen, einer betrifft wahrscheinlich einige Ernennungen, wie z.B. im Fall der beiden bei Vatileaks 2 beschuldigten Personen. Es hat auch eine gewisse Hast bei der Zentralisierung und Vereinfachung durch das neue Wirtschaftssekretariat (nicht zufällig ist Kardinal Pell eines der Lieblingsziele des "gefräßigen Rachens" ) gegeben, wobei vergessen wurde, daß da eine komplexe Realität, die Akteure wie die Apsa, das Staatssekretariat  und das IOR umfaßt, harmonisiert werden muß.

Das Geschwätz über die Gelder im Vatican ist eine alte Geschichte und viele wollen einfach keine "arme Kirche für die Armen" sondern eine zerstörte Kirche. In diesem Sinn offerieren die beiden veröffentlichten Bücher keinerlei Neuigkeiten, amüsieren aber sicher die Liebhaber des Genres. Es ist nicht leicht, an hypothetische Mandanten und Verschwörungen zu denken, es ist viel leichter an eine traurige Operation zu glauben, die von Geschäftemachern, Intriganten und interessierten Journalisten auf die Beine gestellt wurde.

Anstaat als dem Papst zu helfen, ist hier zusätzlich noch die zigste Staubwolke aufgewirbelt worden.
Im Übrigen haben Verrat und Skandale eine lange Geschichte in der Kirche, sie begann vor ungefähr 2000 Jahren mit einem gewissen Judas..."

Quelle: Lorenzo Bertocchi, La Nuova Bussola Quotidiana




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