Mittwoch, 11. November 2015

Roberto de Mattei: die Neo-Sadduzäer und Neo-Pharisäer unserer Zeit sind die Erneuerer.

Ein gelehrter Gruß an die Kasperianer....
Professor Roberto de  Mattei beschäftigt sich in "Corrispondenza Romana"  mit der Frage, wer die von Papst Franziskus so häufig gescholtenen Pharisäer sind - eine bei ihm immer wiederkehrende Beinahebeleidigung, denen zugedacht, die sich seinen Plänen entgegenstellen.
Was aber, wenn er dabei die Rollen vertauschte?  Roberto De Mattei klärt uns anhand der Hl. Schrift und der Schriften der Kirchenväter auf. Die Sadduzäer und Pharisäer unserer Zeit wird es nicht freuen, daß sie enttarnt sind. Hier geht´s zum Original :  klicken

                        "PHARISÄER UND SADDUZÄER UNSERER ZEIT"
"Die Kritik an den Pharisäern ist in die Reden von Franziskus zurück gekehrt. In vielen Reden zwischen 2013 und 2015 spricht er von "der Krankheit der Pharisäer" (7.9.2013), "die Jesus beschuldigen, den Sabbat nicht zu heiligen"(1.4.2014), von der Versuchung der Selbstgenügsamkeit und des Klerikalismus, dieser Art, den Glauben in Regeln und Richtlinien zu kodifizieren, wie es die Schriftgelehrten, die Pharisäer und die Rechtsgelehrten zur Zeit Jesu taten (19.9.2014).

Beim Angelus am 30. August hat er gesagt, daß "wie für die Pharisäer auch für uns die Gefahr besteht, uns am richtigen Platz zu fühlen oder schlimmer: besser als die anderen, nur weil wir die Regeln befolgen, die Gebräuche, selbst wenn wir unseren Nächsten nicht lieben, hartherzig sind, stolz und voller Hochmut"
Am 8.11. 2015 hat er die Haltung der Schriftgelehrten, der Pharisäer, die auf "Ausgrenzung" beruht, der Jesu gegenübergestellt, die auf "Inklusion" gegründet ist.

Der Bezug auf die Pharisäer ist offensichtlich, auch in der Rede des Papstes am 24.10. 2015, am Ende der ordentlichen Synode.
Wer anders sind die "verschlossenen Herzen, die sich oft hinter der Lehre der Kirche verstecken oder guten Absichten, um sich auf den Stuhl Mose zu setzen, um manchmal mit Oberflächlichkeit und Hochmut, über die schwierigen Fälle und die verwundetetn Familien zu richten", wenn nicht die "Pharisäer, die aus der Religion eine unendliche Sammlung von Geboten machten"? (26.6.2014)

Ein Pharisäer scheint also einer zu sein, der mit sturem Eifer die Existenz der Gebote, Gesetze und Regeln der Kirche verteidigt.
Aber wer waren die Pharisäer wirklich? Als Jesus mit dem Predigen begann, war die jüdische Welt in verschiedene Strömungen gespalten, von denen uns die Evangelien berichten und unter den Historikern Josephus Flavius ( 37-100 n.C) in seinen Werken: "Die jüdischen Antiquitäten"" und "Der jüdische Krieg".

Die Hauptsekten waren die der Pharisäer und Sadduzäer. Die Pharisäer befolgten die religiösen Vorschriften bis ins kleinste Detail, aber sie hatten den Geist der Wahrheit verloren. Es waren stolze Männer, die die Prophezeihungen, die sich auf den Messias bezogen, verfälschten und das Gesetz Gottes nach ihrer eigenen Meinung auslegten.
Die Sadduzäer lehrten noch schwerwiegendere Irrtümer, indem sie die Unsterblichkeit der Seele bezweifelten und den größten Teil der Heiligen Bücher ablehnten. Beide Gruppen stritten sich um die Hegemonie im Sanhedrin, der - als Jesus verurteilt wurde - von den Sadduzäern geleitet wurde.


Die Sadduzäer werden ein einziges Mal bei Markus zitiert, dreimal bei Matthäus, aber die Pharisäer erscheinen in den Evangelien von Markus und Matthäus mehrfach.
Kapitel 13 des Matthäus-Evangeliums ist eine offene Anklage gegen sie:
"Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler.! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel, aber das Wichtigste im Gesetz schiebt ihr beiseite: die Gerechtigkeit, das Erbarmen und die Treue. Dies aber sollte man tun und jenes nicht lassen." (Matth 23,23)

Der Hl. Thomas kommentiert diese Passage, indem er erklärt, daß der Herr die Pharisäer nicht tadelt, weil sie den Zehnten bezahlten, sondern nur, weil sie die wichtigsten Vorschriften mißachten - die der spirituellen Ordnung. Er scheint aber die Praxis selbst zu preisen, "diese Dinge sind nach dem Recht gemacht worden".. fügt der Hl. Chrysostomos hinzu.

Der Hl.Augustinus bezieht sich auf den Pharisäer, über den der Hl.Lukas spricht und sagt, daß er verdammt wird, nicht für seine Werke, sondern weil er mit seiner angeblichen Heiligkeit prahlt.
Der Hl. Augustinus ist es auch, der in seinem "Brief an Casulan" erklärt, daß der Pharisäer nicht verurteilt wird, weil er fastete (Lk. 18,11 folg.), sondern weil er "sich - Triumph des Stolzes - über den Zöllner erhob" (Briefe 36,4,7). In der Tat: "zweimal in der Woche zu fasten, ist für einen Menschen wie den Pharisäer ohne jeden Verdienst, es ist ein religiöser Akt für eine demütig fromme oder eine fromm demütige Person, auch wenn das Evangelium nicht über eine Verurteilung des Pharisäers spricht sondern eher über die Rechtfertigung des Zöllners." (Briefe 36,4)

Die synthetischste Definition der Pharisäer stammt vom Hl. Bonaventura : Pharisäer sind jene, die sich als gut betrachten, in ihrem äußeren Handeln und deshalb keine Tränen der Reue haben"

Jesus verurteilt sie, weil er ihre Herzen kennt, sie waren Sünder, hielten sich aber für Heilige.
Der Herr wollte seine Jünger lehren, daß die äußeren Verrichtungen guter Werke nicht genügen, das was eine Handlung gut macht, nicht nur ihr Ziel sondern die Absicht ist.
Die Partei der Pharisäer, zu der auch Gamaliel, Nicodemus, Joseph von Arimathia und der Hl. Paulus selbst gehörten, war besser als die der Sadduzzäer, weil sie trotz der Heuchelei die Gesetze respektierte, während die Sadduzäer, in deren Rängen die Hohenpriester Hannas und Kaiphas waren, sie verachteten.
Die Pharisäer waren die eifrigen Konservierer, die Sadduzäer die ungläubigen Progressisten, aber beide waren sich in der Ablehnug der göttlichen Mission Jesu einig.

Wer sind nun die Pharisäer und Sadduzäer unserer Zeit?
Wir können das mit ruhiger Gewissheit sagen. Es sind die, die vor, während und nach der Synode versucht haben und versuchen werden, die Praxis der Kirche und durch die Praxis der Kirche ihre Lehre zu Familie und Ehe zu ändern.
Jesus hat die Unauflöslichkeit der Ehe verkündet und sie - indem er sie auf das wiederhergestellte Naturrecht, von dem die Juden sich entfernt hatten, zurück stellte, und durch die Erhebung des ehelichen Bandes zu einem Sakrament - noch gestärkt.
Die Pharisäer und Sadduzäer haben diese Lehre abgelehnt und die göttlichen Worte Jesu negiert, an deren Stelle sie ihre eigene Meinung stellten. Sie beriefen sich fälschlicherweise auf Moses, ebenso wie die Erneuerer von heute sich auf eine angebliche Tradition der ersten Jahrhunderte berufen und dabei die Geschichte und die Kirchenlehre fälschen.

Deshalb spricht einer der Bischöfe, die den orthodoxen Glauben verteidigen, Msgr. Athanasius Schneider, von einer "Neo-mosaischen Praxis", die wieder an die Oberfläche kommt : "Die neuen Schüler Mose und die neuen Pharisäer haben im Verlauf der beiden letzten Synoden (2014, 2015) die Tatsache verborgen, daß sie auf der "Fall-für-Fall"-Basis die Unauflöslichkeit der Ehe verleugnen und das 6. Gebot für aufgehoben erachten, unter dem augenscheinlichen Konzept der Barmherzigkeit, indem sie Worte wie "Weg der Unterscheidung", "Begleitung", "Richtlinien vom Bischof", "Dialog mit dem Priester", "forum internum" "größere Integration ins Kirchenleben" benutzen, um die mögliche Abschaffung der Verantwortung für den Fehler der Kohabitaion in irregulärem Verbindungen anzuzeigen.

Die Sadduzäer sind die Erneuerer, die offen dem "Überholtsein" der Doktrin und der Kirchenpraxis zustimmen, die Pharisäer sind die, die mit dem Mund die Unauflöslichkeit der Ehe beteuern, sie aber in ihrem Tun heuchlerischerweise negieren, und die Verletzung des Moralgesetzes ""Fall für Fall" vorschlagen.

Die wahren Jünger Jesu Christi gehören weder zur Partei der Neo-Pharisäer noch der Neo-Sadduzäer - beide modernistisch - sondern sie folgen der Schule des Hl. Johannes des Täufers, der in der spirituellen Wüste seiner Zeit predigte.

Der Täufer - als er die Pharisäer und Sadduzäer als "Natternbrut" züchtigte (Lk3,7) und als er Herodes Antipas wegen seines Ehebruches tadelte, war kein "Hartherziger" sondern durch die Liebe zu Gott und für die Seelen beseelt. Heuchler und Hartherzige waren die Ratgeber des Herodes, die vorgaben, seine Sündhaftigkeit und Unbußfertigkeit mit der Lehre der Schrift versöhnen zu können. Herodes hat den Täufer getötet, um die Stimme der Wahrheit zu ersticken, aber die Stimme des Vorläufers erklingt noch 20 Jahrhunderte später.

Wer öffentlich die gute Lehre verteidigt, folgt nicht dem Beispiel der Pharisäer und Sadduzäer, sondern dem des Hl.Johannes des Täufers und unseres Herrn.

Quelle: Roberto de Mattei, Corrispondenza Romana, BenoîtXVI-et-moi

1 Kommentar:

  1. Athener Eule11.11.15, 23:22

    Und nicht zu vergessen: auch die Pelagianer und Gnostiker sind zurück- zur Kennzeichnung der vom Papst Ungeliebten.
    Vielleicht gibt uns Professor de Mattei ja auch zu denen eine historische Bewertung.

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