Montag, 7. Dezember 2015

A. Socci - zum Krippen-Krieg in Italien (beispielhaft auch für Europa)

Angesichts der Entscheidungen mancher italienischer Bürgermeister, in öffentlichen Schulen in der Weihnachtszeit keine Krippe aufstellen zu lassen und des Vorschlags des Bischofs von Padua, doch mit Weihnachtsbräuchen zurückhaltender zu sein, ist in Italien ein Krippenkrieg ausgebrochen, der uns nach den umbenannten oder abgesagten Martinsumzügen bekannt vorkommt, und A. Socci zu folgender, lesenswerter Stellungnahme bewogen hat:   klicken

"WAS IHNEN KEINER ÜBER DEN KRIPPENKRIEG IN DER SCHULE GESAGT HAT (ER BETRIFFT  AUCH  PROSCIUTO, PARMESAN, DANTE, CARAVAGGIO, DIE MUSIK, DIE KRANKENHÄUSER UND DIE UNIVERSITÄTEN)"

"In den letzten Tagen ist ein Krieg um  Weihnachten in den Schulen ausgebrochen. Das Problem ist dabei nicht die Krippe sondern die Ignoranz und die Dominanz des "meiner Meinung nach".
Carlo Giovanardi hat gerade an eine vergessene Tatsache erinnert:
"Der 25. Dezember, Weihnachten, ist ein gesetzliches katholisches Fest, seit der Zeit der Vereinigung Italiens (durch das Dekret Nr. 5342 vom 17. 10. 1860 ) in seiner Auswirkung auf das zivile Leben auch vom Staat anerkannt."
Man vergegenwärtige sich, daß die Politiker des Königreichs Italien zu der Zeit im Krieg, einem sehr harten Krieg, mit der Kirche waren- nach der Verkündung der Lex Siccardi, die die religiösen Orden unterdrückte und als Gegenmaßnahme die Exkommunikation nach sich zog.
Sogar dieses Gesetz erkannte Weihnachten, das Fest der Geburt des Gott-Menschen, als Fest des laizistischen Staates des Risorgimento an.

Nach dem Königreich Italien kam die Republik und Weihnachten (das für die Kirche die Glorie des Himmels ist, die sich in der Schwachheit eines Kindes manifestiert) wurde auf der Basis des Gesetzes der Republik Nr. 260 vom 27.4.1949 als Festtag anerkannt, mit der Beachtung des gesamten Feiertags-zeitplanes und dem Verbot juristischer Handlungen"
"Das bedeutet"- erklärt Giovanardi- "daß der laizistische Staat das katholische Weihnachtsfest als sein ziviles Fest anerkennt. Genau wie den Nationalfeiertag am 4. November (heute abgeschafft), das Fest der Republik am 2. Juni oder den 25. April als Fest der Befreiung und den 1. Mai als Fest der Arbeiter."
Das letztere entstand- wie bekannt ist- in der sozialistischen Bewegung, wird aber heute von allen als Festtag anerkannt.
Es ist offensichtlich, daß eine Schule, die ihren Kindern am 1. Mai frei gibt, oder am 25. April , ihnen erklären muß, warum sie frei haben und was gefeiert wird.
Genauso offensichtlich ist, daß man- gibt man ihnen 15 Tage Weihnachtsferien, den Kindern erklärt, daß man nicht den Winter oder sonst einen Unsinn feiert, sondern die Geburt Jesu. Daß man Ostern nicht den Frieden feiert sondern die Auferstehung.
Das würde den Gordischen Knoten durchtrennen und das ganze Gerede über die weltliche Schule hinweg fegen, die nicht über das christliche Weihnachten und Ostern sprechen dürfen soll.

Integration
Vorher müßte man es noch den aus anderen Weltgegenden immigrierten Schülern erklären: besonders in der Schule können diese Jugendlichen eine fundamentale Tatsache unserer Kultur lernen- die Tatsache, daß wir sagen, wir sind im Jahr 2015 (weil wir die Jahre seit der Geburt Jesu zählen), und daß wir Wochen haben und am Sonntag feiern.


Das Faktum Christentum, das in unserem Kunsterbe zu großen Teilen abgebildet ist, hat die Kathedralen erfunden, die Krankenhäuser und die Universitäten.
Auch unsere Sprache hat da ihre Ursprünge, weil das Italienische eine Sprache ist, die als Ursprung das Heilige Gedicht-die "Göttliche Komödie"-  und den "Gesang der Schöpfung" als ihre ersten poetischen Werke hat (der Gesang, den der selbe Hl. Franziskus schrieb, der auch die Krippe "erfand")
Wollten wir unsere Geschichte erforschen, würden wir entdecken, daß auch Europa aus der chistlichen Geschichte entstanden ist und ebenso das internationale Recht (siehe die Theologische Schule von Salamanca), die Banken (vorher gab es vor allem Geldverleiher) und das moderne Wirtschaftssystem.
Und dann endlich unsere gastronomischen Köstlichkeiten:  der Parmesan, der Prosciuto al Spumante führen uns in die mittelalterlichen Abteien, die ein barbarisches Europa die Landwirtschaft lehrten, ihm die klassische und die jüdische Kultur übermittelten und die musikalische Notation erfanden. Auch die Ursprünge unserer Industrie und Wissenschaft müssen dort gesucht werden,.


68 UND ZURÜCK
Don Lorenzo Milani, den sie Linke seit Jahrzehnten für einen "ihrer" Priester hält (aber er machte sich nicht zum Clown) schrieb, zusammen mit den Kindern der Schule von Barbiana- den "Brief an eine Lehrerin", ein Buch, das von den 68-ern zu ihrem Lehrbuch zur Bekämpfung der bürgerlichen Schule wurde.
Nun gut, sie haben es wohl nur wenig gelesen. Tatsächlich kritisiert Don Milani in diesem Bucgh, die Zeit die die Schule den klassischen Fächern widmet:
"Nicht auch nur eine Minute über das Evangelium. Sagt nicht, daß das Evangelium nur die Priester angeht. Auch um das Religionsproblem zu lösen, bleibt es das Buch, das in jeder Schule und jeder Klasse studiert werden sollte. Das Buch, das am meisten Eindrücke hinterlassen und die meisten Grenzen überschritten hat, sollte am meisten gelesen werden. Das wichtigtse Kapitel in Geographie sollte Palästina sein  Im Geschichtsunterricht die Fakten und Ereignisse, die dem Leben des Herrn vorangegangen sind, es begleiteten und ihm folgten. Und es sollte extra noch eine Materie hinzu kommen: Durchsicht des Alten Testaments, Lektüre des Evangeliums, eine kritische Synopse des Textes und linguistische und archäologische Fragen.
Wieso haben Sie nie daran gedacht?  Vielleicht war dem, der Sie in der Schule unterrichtete Jesus ein wenig suspekt: zu sehr Freund der Armen und zuwenig Freund der Dinge?"

Außer einer Krippe in der Schule wollte Don Milani das Evangelium als fundamentales Studienprogramm für alle Fächer.
Aber -wird man sagen- wenn er auch immer für einen Linken gehalten wurde, so bleibt er doch immer Priester.
Und dennoch bekräftigte auch Immanuel Kant: " das Evangelium ist die Quelle, aus der unsere Kultur entstanden ist."
Einige erhellende Anekdoten:

AMARCORD
1978 besuchte ich die Fakultät für Literatur und Philosophie in Siena und folgte vor allem den Kursen, die der Literaturkiritker Franco Fortini hielt. Er war ein außerordentlicher Professor, von dem ich sehr viel gelernt habe.  Ein faszinierender Intellektueller.
Fortini paßte in kein Schema: er war Marxist, aber Antisstalinist, Jude (er und sein Vater hatten die Verfolgung durch die Rassengesetze erlitten), aber Kritiker des Staates Israel. Wir haben hitzigste Diskussionen geführt, die epische Begegnungen waren. Aber sehr fruchtbar.
Eines Morgens begann er die Vorlesung mit dem Vortrag wurnderbarer, wenig bekannter Verse. "Aschermittwoch" von Eliot. "Weil ich nicht hoffe je zurückzukehren..."
An diesem Tag war auch gerade Aschermittwoch und er fragte, ob wir wüßten, was das bedeute.
Die Mehrheit wußte es nicht. So hielt Fortini also eine Unterrichtsstunde ab und erklärte uns, daß es nicht möglich sei, in Italien Literatur, Philosophie, Kunstgeschichte oder Geschichte zu studieren, ohne alles über den Katholizismus zu wissen. Umso mehr- sagte er-wenn man sich als Marxist bekenne.

Die selben Überlegungen wurden dann -einige Jahre später auch von Massimo Cacciani während eines Interviews gemacht, als ich beim "Sabato" arbeitete.
Cacciani, ursprünglich Marxist, hatte sich immer mit Theologie beschäftigt und war entsetzt über die Ignoranz in Religionsdingen, die er bei seinen Studenten erkannte. Es ist eine zentrale Frage der Bildung und die Schule hat das noch nicht verstanden. Es ist keine Frage der Konfession, sondern eine kulturelle und erzieherische.

Und dann aber die Antiklerikalen
ich habe auch in dieser Kolumne schon daran erinnert, was ich über unsere Kulturchampions geschrieben habe. In seiner "Geschichte der Idee von Europa" schreibt Federico Chabord:
"Das Christentum hat unsere Art zu fühlen und zu denken unwiderruflich geformt, es macht den tiefen Unterschied zwischen uns und der Antike aus, und ist besonders diesem großen Geschehen- geschuldet- unzweifelhaft dem größten Ereignis der universalen Geschichte-  dem christlichen Wort. Auch die sogenannten Freidenker, auch die Antiklerikalen, können diesem gemeinsamen Schicksal des europäischen Geistes nicht entfliehen.
Und der Laienpapst Benedetto Croce, der Meister der liberalen Kultur erklärte im Buch von 1942: "Warum wir uns nicht Nicht- Christen nennen können":
"Das Christentum ist die größte Revolution, die die Menschheit je vollendet hat (...) Alle anderen Revolutionen, alle größten Entdeckeungen, die die Epochen der menschlichen geschihcte kennzeichnen, halten der Konfrotnation mit ihm nicht stand, weil sie partikulär und begrenz sind.
Und die Revolutionen und Entdeckungen der  moderner Zeit, kann man nicht ohne die christliche Revolution denken (....) weil ihr ursprünglicher Impuls von ihr kam und weiterhin kommt."
Ich wiederhole es: das Problem der italienischen Schule ist nicht die Krippe, es ist die Ignoranz."
A Socci
Quelle. LoStraniero, IlFoglio, A. Socci

Dazu kann man nur sagen, daß das wohl in noch stärkerem Maß auf unser Land zutrifft und läßt verstehen, daß unsere "Freidenker" das Christentum auf jede erdenkliche Weise aus dem Kollektivgedächtnis streichen wollen- und sei es mit Hilfe des Islamismus.


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