Sonntag, 20. Dezember 2015

Ablass und Fegefeuer- eingemottet?

Sandro Magister macht sich bei www.chiesa, L´Espresso,  Gedanken über die Abwesenheit von Ablass und Fegefeuer im gerade angebrochenen außerordentlichen Jubiläumsjahr.
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     "ABLASS UND FEGEFEUER? FRANZISKUS HAT SIE EINGEMOTTET"
von Sandro Magister
"Sie waren konstituierende Elemente aller Jubiläumsjahre. Aber nicht bei diesem. Der Papst spricht nicht mehr über sie, als würden sie den absoluten Vorrang der Barmherzigkeit überschatten.

Die Jubiläumsjahre sind ihrer Natur nach eine Zeit der "Ablässe".  Aber bisher hat Papst Franziskus es sorgfältig vermieden, dieses Wort auszusprechen.
Er sagte es weder als er die erste Hl. Pforte in Bangui, in der Zentralafrikanischen Republik, noch als er am 8. Dezember die Hl. Pforte im Petersdom öffnete, nicht zum offiziellen Beginn des Jubiläumsjahres, noch in San Giovanni in Laterano, der römischen Kathedrale. Er hat es nicht einmal während der beiden Mittwochs-Katechesen ausgesprochen, die er der Erklärung des Heiligen Jahres gewidmet hat.
Um das Wort Ablass zu finden, muß man bis zur Ankündigungsbulle, dem Apostolischen Schreiben "Misericordiae Vultus" vom 11. April 2015  und dem später folgenden Erklärungsbrief an die Bischöfe vom 1. September zurückgehen.

Das zweite Dokument stellt fest, daß ein Ablass dem gewährt wird, der durch eine Hl. Tür geht, zur Beichte geht und die Kommunion empfängt, ein Werk der Barmherzigkeit tut, das Credo rezitiert und "sich dem Papst im Gebet für das Wohl der Kirche und der ganzen Welt anschließt."
Es fügt hinzu daß ein "Jubiläumsablass auch für Verstorbene erwirkt werden kann."
Aber selbst hier wird nicht präzise erklärt, was ein Ablass ist. Das Wort wird als Synonym für "Gottes Vergebung unserer Sünden" gebraucht.

Nur in der Bulle zur Verkündigung des Jubiläumsjahres wird gesagt, daß der Ablass mit etwas anderem, Spezifischem assoziiert ist. "Sogar nach der sakramentalen Vergebung"- so wird gesagt - "hinterläßt die Sünde eine negative Wirkung auf die Art, wie wir denken und handeln." Und der Ablass ist genau der Akt durch den Gott - durch die Kirche - "den Sünder, dem vergeben wurde, erreicht und ihn von allen Resten der Konsequenzen der Sünde befreit."



Aber selbst hier erscheint das Konzept in einer sehr vagen Form. Der einzige Weg, mehr herauszufinden, ist den Katechismus der Katholischen Kirche zu öffnen - bei § 1471 und folgende - am Ende des Kapitels über das Sakrament der Buße und Versöhnung.
Dort wird Ablass definiert als:  "Erlass der zeitlichen Strafe vor Gott - für Sünden, deren Schuld bereits vergeben wurde, den der gläubige Christ - in der richtigenVerfassung, unter bestimmten Bedingungen durch Handlungen der Kirche erlangen kann."
Und mit "zeitlichen Strafen" ist gemeint, daß die Auswirkung jeder Sünde, selbst wenn sie vergeben wurde, den der sie begangen hat in einer "ungesunden Bindung an die zurückläßt, von der er entweder auf der Erde oder nach dem Tod in einem Zustand, der Fegefeuer genannt wird - gereinigt werden muß.

Es ist diese reinigende zeitliche Strafe, die der Ablass abwendet. Und die Kirche erteilt so einen Ablass, indem sie auf den unermeßlichen Schatz an Gnade zurückgreift, der von Jesus, Maria und den Heiligen erworben wurde.

Die Jubiläumsjahre sind immer in der gesamten katholischen Welt die Zeit der größten Gewährung dieser Ablässe gewesen.

Es genügt, auf die zentrale Rolle zu schauen, die Ablässe in allen historischen Jubliäumsjahren spielten, einschließlich des letzten, dem Jahr 2000, das von Johannes Paul II verkündet und gefeiert wurde.
Seine Ankündigungsbulle, vom 29. November 1998, erklärt nicht nur gründlich die Bedeutung dieses "konstitutiven Elementes des Jubiläumsjahres" sondern schließt auch ein Dekret des Apostolischen Poenitentiariegar mit ein, das präzise festlegt, was befolgt werden muß, um den Jubiläumsablass zu erwirken - sowohl für die, die nach Rom pilgern, als auch für jeden anderen Teil der Welt.

Im von Franziskus proklamierten Jubiläumsjahr der Barmherzigkeit jedoch wird alles das praktisch beiseite geräumt und es ist so, als ob die Apostolische Poenitentiariegar nicht existiert. Die Botschaft, die der Papst ohne Unterlass vermittelt, ist die der universalen Vergebung und der völligen Rückgängigmachung der Sünde, ohne weiteren Bezug auf die Erlassung der aus ihr resultierenden Strafe.
Das Wort "Strafe" ist ein anderes Wort, das aus der Bulle dieses Jubiläumsjahres verschwunden ist und im folgenden Erklärungsschreiben nur 3 mal und nur am Rande vorkommt; ein einem Zitat aus dem Buch des Propheten Hosea und in zwei Bezugnahmen auf die irdische Justiz und die Bedingungen für Gefangene.

Aber es ist nicht nur das Konzept der Bestrafung, auch das des Urteils wird in den Jubiläumspredigten von Papst Franziskus marginalisiert, wie man in den Schlüsselpassagen seiner Predigt vom 8. Dezember sehen kann.
"Wieviel Falsches wir Gott und seiner Gnade antun, wenn wir von Sünden sprechen, die durch sein Urteil bestraft werden, bevor wir davon sprechen, daß sie durch seine Barmherzigkeit vergeben werden, Aber das ist die Wahrheit. Wir müssen die Barmherzigkeit vor das Urteil stellen und auf jeden Fall wird Gottes Urteil immer im Licht seiner Barmherzigkeit sein"

Franziskus schwört nicht irgendeinem Teil der traditionellen Lehre ab, aber indem er die Hierarchie der Wahrheiten umordnet - er liebt es, das oft zu tun - scheut er sich nicht, Schweigen über die Glaubensartikel zu breiten, die er heute für unwichtig hält.
Die Lehre und Disziplin vom Ablass ist eine davon. Die Neuheit des von Papst Bergoglio proklamierten Heiligen Jahres ist, daß es das erste Jubiläumsjahr der Geschichte sein wird, das ohne seine Lehre und Disziplin begangen wird - aus dem einzigen Grund, nicht den geringsten Schatten auf die alles überrragende Wahrheit der Barmherzigkeit zu werfen.
Mit einigen Nebenwirklungen, die kaum als nebensächlich bezeichnet werden können - auch was die Lehre betrifft. Weil die Verdunkelung der Ablässe und der reinigenden zeitlichen Strafe dahin tendiert, auch das Fegefeuer aus dem Blick zu nehmen.
Um seine Bedeutung und sein Geheimnis wieder zu entdecken, ist alles was zu tun übrig bleibt, vor dieses Pontifikat zurück zu gehen - zu einer Katechese Benedikts XVI vom 11. Januar 2011 und zu der noch erinnerungswürdigeren Passage seiner Enzyklika "Spe Salvi" vom 30. November 2007.

"Es gibt das Fegefeuer und es brennt."  
Bei seiner Katechese zum Leben der Hl. Katharina von Genua, ging Papst Benedikt XVI auch ausführlich auf ihre Vision vom Fegefeuer ein, das nicht als ein äußerer Ort sondern als ein innerliches Geschehen beschrieben wird. 
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"Bei Katharina dagegen wird das Fegefeuer nicht als Element der unterirdischen Welt dargestellt. Es ist kein äußeres, sondern ein inneres Feuer. Das ist das Fegefeuer: ein inneres Feuer. Die Heilige spricht vom Weg der Läuterung der Seele auf die volle Gemeinschaft mit Gott hin, ausgehend von ihrer eigenen Erfahrung des tiefen Schmerzes aufgrund der begangenen Sünden angesichts der unendlichen Liebe Gottes (vgl. Vita mirabile, 171v). Wir haben vom Augenblick der Bekehrung gehört, wo Katharina plötzlich die Güte Gottes spürt, die unendliche Ferne des eigenen Lebens von dieser Güte und das brennende Feuer in ihrem Innern. Und das ist das läuternde Feuer, das innere Feuer des Fegefeuers. (...)"


Die kompletteste Zusammenfassung des kirchlichen Lehramtes zum Thema Ablass findet man in der Apostolischen Exhortation des sel. Pauls VI vom 1. Januar 1967 : "Indulgentiarum doctrina" 
hier in englischer Fassung: klicken

Quelle www.chiesa, Sandrro Magister, La Santa Sede, LEV

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