Mittwoch, 2. Dezember 2015

Die dritte Quelle der Offenbarung........

Sandro Magister kommentiert bei Settimo Cielo, L´Espresso die während der gerade zuende gegangenen Afrikareise gehaltenen päpstlichen Reden- bzw. pars pro toto die vom 27. November in Kangemi. Hier geht´s zum Original:   klicken


"DIE HYMNISCH GEPRIESENE WEISHEIT DER ARMEN, DRITTE QUELLE DER OFFENBARUNG"

"Während der 6 Tage der Reise von Papst Franziskus nach Kenia, Uganda und Zentralafrika stach vor allem eine Rede heraus, die vom 27. November in Nairobi, im peripheren Stadtteil Kangemi.
Die Armen sind unzweifelhaft der Polarstern dieses Pontifikates. Aber dieses mal hat Franziskus mit klareren Worten als je zuvor den Grund für seine Vorliebe erklärt.

Er hat das zu Beginn seiner Rede gesagt, über die ausführlich zu berichten, sich lohnt:

"Vor allem anderen möchte ich mich zu einem Aspekt äußern, den die Reden über die Exklusion nicht anerkennen oder nicht zu kennen scheinen. Ich möchte auf die Weisheit der Volksquartiere Bezug nehmen. Eine Weisheit, die aus einem störrischen Widerstand des Authentischen entspringt, aus den evangelischen Werten, die die Wohlstandsgesellschaft -verdorben durch den entfesselten Konsum-vergessen zu haben scheint.
Ihr seid in der Lage, Bänder der Zugehörigkeit und des Zusammenlebens zu sein, die die Überfüllung in ein Gemeinschaftserlebnis verwandeln können, in dem sich die Wände des Ichs auflösen und die Barrieren des Egoismus überwunden werden.
Die Kultur der Volksquartiere ist von dieser speziellen Weisheit durchdrungen, die sehr positive Charakteristika hat, die ein Beitrag zu der Zeit, in der wir leben, sind- und sich in Werten wie Solidarität , das eigene Leben für den anderen hingeben, die Geburt dem Tod vorziehen, ausdrücken. Den Kranken einen Platz im eigenen Haus anbieten, das Brot mit dem Hungernden teilen ( wo 10 essen, können auch 12 essen), die Geduld und die Seelenstärke angesichts der großen Widrigkeiten. Werte, die sich auf die Tatsache gründen, daß jedes menschliche Wesen wichtiger ist als Geld.
Danke, daß Ihr uns daran erinnert habt, daß eine andere Art von Kultur möglich ist. 
Ich möchte zuerst diese Werte, die Ihr praktiziert, geltend machen, Werte, die nicht börsennotiert sind, mit denen man nicht spekuliert und die keinen Marktpreis haben. Ich gratuliere mir durch Euch, ich begleite euch und will, daß ihr wißt, daß der Herr euch niemals vergessen wird. Der Weg Jesu hat in der Peripherie begonnen, er führt von den Armen und mit den Armen zu allen.


Diese Manifestation eines guten Lebens zu erkennen, das jeden Tag unter euch gedeiht, bedeutet nicht, die furchtbare Ungerechtigkeit der städtischen Verdrängung zu ignorieren.
Das sind die Wunden, die euch von den Minderheiten zugefügt werden, die die Macht haben, den Reichtum und die sich egoistisch ausbreiten, während die wachsende Mehrheit sich in die verlassenen, verschmutzten und ausgesonderten Randgebiete zurückziehen muß." -


Und immer so weiter mit der Anklage wegen so vieler Ungerechtigkeiten. Während der gesamten Rede wird Jesus nur ein einziges mal genannt, um zu sagen, daß "sein Weg in der Peripherie begann und mit den Armen von den Armen zu allen führt", Gott sporadisch, die Kirche nie.
Weil der Text zuerst politisch ist, eine globale politische Vision auf dem Boden der beiden anderen großen politischen Manifestationen dieses Pontifikates: den Reden von Rom und Santa Cruz, Bolivien, vor den Globalisierungsgegnern und Volksbewegungen Lateinamerikas und der restlichen Welt.

Die Wurzel dieser Vision ist genau die in der Einleitung der Rede von Kangemi wiedergebene.
Es ist die "natürliche Weisheit der Volksquartiere", die gepriesene Güte eines fast virtuosen Volkes, der einzigen und genuinen Alternative zu den Lastern der Klasse der Reichen und Ausbeuter.
Das ist der Populismus von Jorge Mario Bergoglio. Der ist Teil seines argentinischen Charakters und er lebt ihn auch innerhalb der Kirche aus, jedesmal wenn er das christliche Volk auffordert die Bischöfe und Kardinäle, die Kirche der Apparate zu geißeln.

Der amerikanische Vaticanist John Allen ist so weit gegangen, nach dieser Rede zu schreiben, daß die Armen für Bergoglio eine Quelle der Göttlichen Offenbarung sind, nicht weniger wichtig als die Schrift und die Tradition
Es ist schwierig, die politische Vision von Franziskus auf der Rechts-Links-Skala einzuordnen. Seine Denunzierung der "Wirtschaft, die tötet" findet leicht ihr Echo auf der globalisierungsfeindlichen Linken,
Gleichzeitig sagt er Dinge, die mehr in liberale Strömungen passen, z.B. wenn er sich- wie in Kangemi-gegen neue Formen des Kolonialismus, die den armen Ländern drohen, wendet, damit sie politische ....akzeptieren- wie die Reduzierung der Geburtenzahlen.
Dieses mal hat der Papst nicht mehr gesagt- im Gegensatz zu anderen Gelegenheiten, bei denen er mehr ins Detail ging.

Aber Franziskus-man weiß das- ist sehr vorsichtig und nimmt niemals zu Fragen Stellung, die ihn persönlich in die Schlacht verwickeln würden.
Und das Afrika von heute ist einer dieser Fälle, wie die Synode des vergangenen Oktobers in ihrem Schlußdokument deutlich bewiesen hat.
Das korrespondiert auch mit der Logik des Schweigens, die Franziskus bei den ugandischen Märtyrern angewandt hat, die ermordet wurden, weil sie den homosexuellen Mißbrauchsabsichten ihres Königs widerstanden hatten. Der Papst hat bewegt und intensiv an sie erinnert, aber ohne die Gründe für ihr Martyrium zu nennen.
Uganda ist in der Tat eines der Länder, die in der öffentlichen Weltmeinung als "obskurantistisch und zurückgeblieben" an den Pranger gestellt werden, weil sie sich weigern, Gesetze einzuführen, die die Homosexualität fördern."

Quelle: Settimo Cielo, L´Espresso, Sandro Magister


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