Donnerstag, 3. Dezember 2015

Europa: Schwere Zeiten - Große Päpste


In diesen bedrängten Zeiten, ist es ganz wunderbar, dass sich so mancher Journalist, der sich ob eigener Angst nicht mehr so richtig aus der Deckung traut - der Historie besinnt: Der Größe Europas und der mutigen Europäer, die sich damals einfach gewehrt haben hat Welt-Online eine ganze Artikelserie gewidmet, die sich sehr spannend liest. Sie zeigt auf, dass die Osmanen-Überfälle dank großer Glaubensfestigkeit - wenn auch mit herben Verlusten besonders bei der Bevölkerung - immer glimpflich ausgegangen sind.
Europa - erlebte ja zu diesen großen Zeiten nicht nur "Friede, Freude, Eierkuchen". Im Gegenteil, man bekriegte sich so oft als möglich und gerade in der Zeit der großen Türkenkriege war ja Europa überwiegend mit sich selbst beschäftigt. Luther spaltete die Christen, befördert durch Kleinstaaten, die durch die "Entmachtung" der Kirche reichen Lohn erhielten.

Die Habsburger legten sich mit Papst ClemensVII an, was zur "Sacco die Roma" führte und den Papst zur Flucht in die Engelsburg nötigte.
In diese Zeit platzte der erste Türkenüberfall auf Europa und im Oktober 1529 standen die Türken erstmals vor Wien, was die Österreicher zwang,  ihre Belagerung des Kirchenstaates schnell wieder aufzugeben und es kam zum Frieden von Barcelona 1529: Im Kampf gegen die Türken waren die Katholiken vereint.

Doch zuvor musste das Volk leiden. WeltOnline beschreibt in diesem Artikel das Szenario: "Dieses schöne Land ward von den Reitern zerwühlt und mit Rauch gefüllt. Aschenhügel waren die Reste der Häuser und Paläste. In den Zelten und auf den Lagermärkten wurden schöne Gesichter verkauft, und der Beute war kein Ende. Die Familien der Ungläubigen waren verbrannt und verheert ihr ganzes Land."  
Es handelte sich also keineswegs um die Exzesse einzelner Truppenteile, sondern bildete ein Kalkül der türkischen Strategie, durch Mord und Terror gegen die Zivilbevölkerung den militärischen Widerstand des Gegners zu brechen.
So gelang es den Türken, die Belagerung Wiens durchzuhalten: "Die Belagerung dauerte nun schon drei Wochen, und ein Ende war nicht in Sicht, denn die Türken wurden gut versorgt. ... Aber als am 14. Oktober ein weiterer Sturm auf die Stadtmauer blutig zurückgeschlagen wurde und eine Schlechtwetterperiode mit verfrühtem Schneefall einsetzte, kamen Süleyman Zweifel ... Am 16./17. Oktober schließlich zogen sich die Türken Richtung Istanbul zurück und hinterließen dabei eine Spur von Tod und Verwüstung...... In der befreiten Stadt läuteten nach drei Wochen wieder die Kirchenglocken, im Stephansdom wurde eine Dankesmesse gefeiert."
Zum Dank wurde das Mittagsläuten eingeführt, eine Vorstufe des heutigen Angelus: "Im 16. Jahrhundert kam das Mittagsläuten hinzu, um zum Gebet wegen der drohenden Türkengefahr und Islamisierung Europas aufzurufen."

Aus Wien waren die Türken dann erstmal weg - aber sie trieben ihr Unwesen weiter im Mittelmeer, bedrohten die dortigen Staaten, insbesondere Venedig und die venezianische Handelsflotte. Kein Wunder, dass es dann irgendwann einmal genug war.... und auch diesmal sah es zunächst nicht sehr gut aus: Europa, wie immer zerstritten, hatte kein allzu großes Interesse mehr am östlichen Mittelmeer, was die Türken natürlich im Glauben bestärkte, das östliche Mittelmeer für sich erobern zu können: "Da die Sultane aber ihre Legitimation nicht zuletzt aus militärischen Erfolgen zogen, forderte er von Venedig die Abtretung der großen Insel Zypern. Wie erwartet, lehnte die Serenissima ab." beschreibt dieser WON-Artikel die Situation im Mittelmeer. Venedig begann mit den Kriegsvorbereitungen: "Doch Versorgungsprobleme, Stürme und eine Typhus-Epidemie ruinierten die Flotte, bevor sie Zypern erreichte. Nur die allgemeine Furcht vor der islamischen Supermacht ermöglichte das diplomatische Wunder, das folgte. Der Papst, Spanien und Venedig stellten ihre unterschiedlichen Interessen in Italien und auf dem Meer zurück und fanden in der "Heiligen Liga" zusammen. Im Mai 1571 schlossen sie einen Vertrag, eine kombinierte Flotte aus 200 Galeeren mit 50.000 Soldaten aufzustellen und damit die christlichen Positionen auf Zypern zurückzugewinnen." 

Am 7. Oktober 1571 kam es zur Seeschlacht von Lepanto, bei der die türkische Flotte vernichtend geschlagen wurde. Das Mittelmeer blieb christlich. Und die Türken hatten ihre komplette Flotte verloren. Es gelang ihnen auch nicht mehr, diese annähernd wieder aufzubauen. 

Nach diesem Sieg wusste Pius V zu handeln: Die erneute Rettung des Abendlandes wurde durch die Hilfe und Fürbitte Mariens erreicht. Deshalb wurde der 7. Oktober zu einem katholischen Feiertag: "Unsere Liebe Frau vom Sieg" - Heute nur noch ein Gedenktag "Unsere liebe Frau vom Rosenkranz". Der Oktober wurde zum Rosenkranzmonat. Wir begehen ihn heute noch - mit besonders feierlichen Rosenkranzgebeten (in München z.B. der Stadtrosenkranz auf dem Marienplatz oder der "Güldene Rosenkranz" in St. Peter). Außerdem führte Pius V die bis heute gebetete Version des Angelusgebetes ein, das der Papst jeden Sonntag auf dem Petersplatz betet.
Pius V wurde am 22. Mai 1712 heilig gesprochen. 


Inzwischen hatte sich Europa komplett gespalten: Der Norden war mehr oder weniger protestantisch geworden - und mitten durch Deutschland zog sich ein Glaubensgraben... das endete im 30jährigen Krieg, der Verwüstung Mitteleuropas und einer stark dezimierten Bevölkerung.
Europa schien am Ende - und so witterten die Türken ihre nächste Chance. 

Über die zweite Belagerung Wiens hatten wir 2012 auf unserem Blog eine Serie, aber auch dieser weitere WOn-Artikel beschreibt die missliche Lage, in der sich das katholische Europa und vor allem dessen Hauptstadt Wien befanden. Wieder traf es zuerst die Dörfer außerhalb der Stadtmauern:
"Die Bevölkerung Niederösterreichs wurde von den Türken auf ihrem Vormarsch wieder aufs Schlimmste malträtiert. Ihre "Renner und Brenner" genannten Horden plünderten, mordeten, ließen Häuser, Gehöfte und Kirchen in Flammen aufgehen, verschleppten Tausende als Sklaven ins Osmanische Reich......Dieses Treiben, gelegentlich als christliche Propaganda abgetan, bestätigt ein unverdächtiger Zeuge. Der türkische Hofbeamte und Geschichtsschreiber Mehmed Aga befand sich 1683 in der unmittelbaren Gefolgschaft Kara Mustafas und berichtet über die türkische Soldateska: "Da dehnten sie ihre Raubzüge aus und zerstörten unterwegs die Dörfer, Städte und Burgen, machten die Männer nieder, führten die Frauen und Kinder in die Gefangenschaft ab, verbrannten die Wohnstätten und Saatfelder zur Gänze und verwüsteten und verheerten die Länder der Ungläubigen...."

Doch die Hilfe nahte: Bald standen "fast 75.000 Mann bereit, davon 24.000 aus Polen unter König Jan Sobieski, 21.000 Mann unter Karl von Lothringen und Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden, dem legendären "Türkenlouis". Dazu kamen 10.000 Bayern, 9000 Sachsen, 4000 Brandenburger.
Und Europa betete: 3 mal täglich den Angelus, den Rosenkranz und unter einer Fahne mit dem Namen Mariens war am 12. September 1683 die Schlacht geschlagen. Die Türken verließen fluchtartig den heiligen Boden Österreichs. "Der polnische König Jan Sobieski, sandte Papst Innozenz XI. die erbeutete Fahne des Propheten Mohammed mit den Worten: "Venimus, vidimus, Deus vincit" (Wir kamen, wir schauten, Gott hat gesiegt)."
Der 12. September wurde von Papst Innozenz XI zum Feiertag erhoben: "Maria Namen". Wir feiern dieses Fest heute noch mit einer Lichterprozession innerhalb der Gebetszeit des Frauendreißigers. Einem Gelübde, das die Münchner 1683 gegeben hatten, wenn die Türken vor Wien aufgehalten würden.

Schöne Beispiele, die zeigen, dass Europa immer dann, wenn es in großer Not war, gerettet wurde. Die Einheit im Glauben, die Gebete und die Unterstützung durch die jeweiligen Päpste, halfen, Europa zu bewahren.

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