Samstag, 5. Dezember 2015

Fundstück: "Ich will keine Schokolade"

Also ich bin ja nun nicht unbedingt so ein großer Süßigkeiten-Fanatiker und die in allen Läden an der Kasse zum Zugreifen ausgelegten Schokoladenteile oder Adventskalender lassen mich kalt ...

Schon in den letzten Tagen habe ich mich deshalb gewundert, dass wegen eines Adventskalenders in den Medien ein kleiner Sturm unterwegs ist und gerade eben habe ich den Artikel bei WOn gefunden.

Da gibt es wohl einen Adventskalender mit einer orientalischen Anmutung, so wie es auch welche gibt mit Playboy-Häschen oder mit Legosteinen oder mit FC-Bayern Fußballspielern usw.
Jeder soll doch naschen, was ihm Spaß macht.

Nun scheint das aber in diesen Zeiten nicht mehr so einfach zu sein. Die einen mögen keine Playboy-Hasen (passt ja auch besser zu Ostern) und die anderen keine orientalischen Schlösser. Die könnten ja dann stillschweigend zu den Fußballspielern oder den Legosteinen greifen. So war das zumindest früher, als man in D noch ein gewisses Bildungsniveau hatte und der Großteil der Menschen erwachsen war.
Aber jetzt ist halt alles anders. Da hat ein Schweizer Schokoladenhaus plötzlich ein Problem, weil es einen Adventskalender mit einem orientalischen Schloss  (oder was auch immer das sein soll) aufgelegt hat. Und schon gab's eine Riesenaufregung.
Also der Kalender mag ja Geschmackssache sein - aber die Antwort, die die Schokofabrik auf die Proteste gegeben hat, zeigt, dass man auch in der Schweiz dabei ist, die Leute zu verblöden:

"Die Verpackung stellt eine Visualisierung der damaligen lokalen Lebensumstände dar. Dazu gehören auch Architektur und Kultur, wie diese in der orientalischen Welt zu Christi Geburt gewesen sein könnte." Das Posting endet mit: "Liebe Grüße, Dein Lindt Team."

Da kann man ja nur noch herzhaft lachen. Wissen die denn nicht, dass zu Zeiten von Christi Geburt die Römer in Judäa regierten? Kennen die nicht die römische Architektur? Den Orient mit seinen Kuppeltürmen hat es zu dieser Zeit noch nicht gegeben. Da waren die Morgenländer noch Beduinen und zogen mit ihren Zelten durch die Wüste. Und vom Islam weit und breit keine Spur, der kam erst viele Jahrhunderte später. Kuppeltürme gab es im Orient deshalb auch noch nicht.
Liebe Schweizer, kann ich da nur sagen, bitte führt den Geschichtsunterreicht wieder ein und lest ab und zu mal die Weihnachtsgeschichte.

Ich will wirklich keine Schokolade - schon gar keine, die dumm macht!

Kommentare:

  1. Kann natürlich auch sein, daß die PR-Leute von Lindt nicht wissen, wann Jesus geboren wurde, weil sie unsere Zeitrechnung und das Weihnachtsfest, das sie vielleicht für eine Erfindung der Schokoladenindustrie halten, nicht mit diesem Ereignis in Verbindung bringen. Das wäre aber auch nicht besser. Römer? In Judäa? Wer, wo & wann soll das denn gewesen sein....
    Ein Schnell-Kursus in Geschichte für so offensichtlich Pisa-Geschädigte wäre auf alle Fälle angebracht.

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  2. Schon auf den ersten Blick vermittelt das abgebildete Gebäude den Eindruck einer Mosche. Zufall? An Zufälle glaube ich jedenfalls nicht. Anwendung, Formulierung von Sprache und setzen von Bildern sind immer und überall zweckgebunden und rational. Die Wirkung findet im Unterbewußtem statt und trägt irgendwann auch Früchte.

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