Mittwoch, 16. Dezember 2015

Pilgern in Zeiten wie diesen

Als "Spätheimkehrerin" in die Kirche habe ich ja immer noch so meine Schwierigkeiten mit Dingen, die nicht so direkt zum Glaubensalltag gehören. Dazu gehören zum Beispiel heiligen Jahre und ihre Heiligen Pforten - mit denen ich ja bisher noch nicht so konfrontiert war. Ich kann mich lediglich an die Eröffnung des Heiligen Jahres 2000 erinnern, als der heilige Papst Johannes Paul II mit einem Hammer gegen das Tor im Petersdom klopfte, die Pforte durchschritt und sich dann trotz seiner Gebrechlichkeit hinkniete und betete ... diese Bilder gingen damals um die Welt und waren natürlich auch "Top-Ereignis" in den deutschen Nachrichtensendungen, so dass ich das immer noch in Erinnerung hatte.

Um aber auch bei diesem Thema mitreden zu können, habe ich mich dann doch etwas schlau gemacht, warum es die heiligen Jahre und die Heilige Pforte überhaupt gibt:

Ursprung war wohl die Pforte im Tempel in Jerusalem - Sie war zugemauert, weil durch diese Pforte der Messias eintreten würde - ein gut sichtbares Erkennungszeichen also. Alttestamentlich überliefert ist aber in jedem Fall die Feier der "Jubeljahre", in denen dem Volk Israel die Sünden vergeben wurden.

Diesen beiden Traditionen wurden in der katholischen Pforte fortgeführt:
Papst Bonifatius VIII. institutionalisierte das Jubeljahr am 22. Februar 1300. Es sollte als Jubiläum der Geburt Jesu Christi und Ablassjahr alle 100 Jahre stattfinden. Als Begründung nannte der Papst zum einen die Volksfrömmigkeit: Es sei die Kunde verbreitet, dass die Kirche alle 100 Jahre zum Jubiläum der Geburt Christi einen Ablass gewähre. Doch es dauerte nicht lange, und die Zeiträume zwischen den Jahren wurde ständig verkürzt: erst auf 50 Jahre, dann auf 33 Jahre und dann setzte Papst Paul II den 25jährigen Zeitraum als unabänderlich fest. Gleichzeitig führte er ein, dass die 4 Kathedralen in Rom ebenfalls Heilige Pforten öffnen sollten und bestimmte, dass auch die Kathedralen in anderen Ländern für die Feier des Heiligen Jahres eine Heilige Pforte öffnen sollten, damit die Menschen vor Ort den Ablass erhalten. Die heiligen Pforten sind also keine Erfindung von Papst Franziskus, er hat nur diese alte Tradition wieder aufleben lassen, nach dem ja in den letzten Jahrhunderten lediglich die eine heilige Pforte in Rom eröffnet wurde. 

Wenn man diese schönen Videos aus Bayern sieht - vom Öffnen der vielen heiligen Tore im Erzbistum München:






Ganz besonders stilvoll ging es in Passau zu, wo Bischof Oster die Heilige Pforte ganz nach früherer römischer Tradition öffnete und dazu mit einem Hammer an die Tür schlug:




Auch in Regensburg freut man sich, dass der Ablass vor Ort gewonnen werden kann und man nicht  extra nach Rom reisen muss.



Bei all diesen schönen Heiligen Pforten könnte man ja direkt eine weitere Tradition wieder aufleben lassen. In früheren Zeiten musste die heilige Pforte in Rom dreimal durchschritten werden, um den Ablass zu erhalten ...
Daraus könnte man eine schöne Pilgerreise machen und die heiligen Pforten an vielen Orten durchschreiten. Dann hat man nicht nur einen Ablass gewonnen, sondern auch noch eine schöne Gelegenheit, viele Kirchen zu sehen und vielleicht dort die Heilige Messe zu besuchen.
Freuen wir uns also über diese schöne Gelegenheit!

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