Mittwoch, 2. Dezember 2015

Vittorio Messori über Proselytismus und eine durch Populismus, Pauperismus und Marxismus gefährdete Kirche

 Die online-Zeitung "La Fede Quotidiana" hat mit Vittorio Messori ein Gespräch über die aktuelle Lage der Kirche geführt. Wir haben es bei "Benoît XVI-et-moi" gefunden, merci!
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"Seit einiger Zeit hat sich der berühmte katholische Schriftsteller und Journalist Vittorio Messori Schweigen zu Fragen über Kirche und Papst auferlegt.  " Eine Entscheidung aus Verantwortung" sagt er. Dennoch wollte er mit uns über den Sinn der Apologetik, den Proselytismus und sogar über die Raben im Vatican sprechen, einige Spitzen die er von Zeit zu Zeit formuliert, zeigen, daß Messori  ein gewisses Unbehagen verspürt.

"BESTIMMTE WORTE DES PAPSTES" KÖNNEN VON MENSCHEN, DIE DER KIRCHE NICHT NAHE STEHEN, FALSCH VERSTANDEN WERDEN"

Frage: "Herr Messori, brauchen wir heute eine Apologetik?"
Messori: Sicher, wir haben das Bedürfnis danach nie so dringend gespürt wie heute. Erinnern Sie sich daran, daß der erste große Apologet der Geschichte unser Herr war.  Nicht gerade wirklich irgendjemand.
Ich denke da an die Episode mit den Jüngern von Emmaus, wie sie müde und enttäuscht, entmutigt und vielleicht sogar verzweifelt zurück kamen. Jesus erscheint ihnen und erklärt ihnen den Sinn der Schrift, das tut er leidenschaftlich, aber auch mit einer gewissen Sanftheit. Ist das keine Apologetik? Als Konsequenz daraus - daß der Herr der erste Apologet war - denke ich, daß dieser.... sehr sehr wichtig ist und gestärkt und nicht geschwächt werden sollte."

"Warum scheint dann die Apologetik heute außer Gebrauch zu sein?

Messori: "Sie stellen mir eine interessante Frage. Hier eine erste Antwort. Eine falsche Idee von einem "erwachsenen Katholizismus" läßt die Apologetik als etwas Geringes erscheinen, eine alte, überholte Sache. Das ist ein schwerer Fehler der Perspektive. Man muß sich auch daran erinnern, daß die Apologetik besonders vor dem II. Vaticanischen Konzil - einige Repräsentanten mit zu lauten oder kreuzzüglerischen Tönen und einer gewissen kulturellen Ausrichtung hatte.
Der wahre Apologet muß in sich Kompetenz und wissenschaftliche Stärke vereinen, gleichzeitig Heiterkeit, ohne sich in Religionskriege zu verstricken. Er muß immer Glauben und Vernunft vereinen, die keine entgegengesetzten Entitäten sind.  Die Wahrheit kann und muß mit einem Lächeln ausgesprochen werden."



"Papst Franziskus bekräftigt, daß der Christ keine Proselyten machen soll. Sind Sie einverstanden?"

Messori: "Ich verstehe, was der Papst sagen will und bin einverstanden wenn man unter Proselytismus diese Vertreter versteht, die mit ihrem Waren-Köfferchen kommen, aufdringlich und voller Eifer. Man kommt nicht voran, wenn man eine Idee gewaltsam aufzwingen will, absolut nicht. Man muß sich immer der Tatsache bewußt sein, daß der Christ - weil das Evangelium es ihm sagt - die Pflicht zum Apostolat hat, und daß sich deshalb niemand, der sich Christ nennt, davon losmachen kann.
Es besteht das Risiko einer schlechten Interpretation der Worte des Papstes. In einer Zeit, wo sogar die Anwesenheit bei der Sonntagsmesse in der Krise ist, könnte die Tatsache, den Papst sagen zu hören "Schluß mit dem Proselytismus", oder der manchmal sogar einen Vorwurf aus dem Besuch der Sonntagsmesse - wie er es in Santa Marta sagte - zu machen scheint, einige falsche Eindrücke bei den Leuten erweckt, die schlecht informiert sind oder der Kirche nicht nahe stehen."

"Glauben Sie, daß das Konzept der "Sozialen Kirche" falsch interpretiert wird?"  

Messori: "Ich bemerke tatsächlich - bei Straßenpriestern einen Exzess der sogenannten sozialen Kirche, die dem Populismus und Pauperismus zugeneigt und manchmal  selbst Demagogie ist. Das ist eine Folge einer gewissen marxistischen Verschmutzung der gegenwärtigen Kirche, das führt dann dazu, daß man nicht über Gott sondern viele andere Werte - die der Wirtschaft - spricht, und so eine diabolische Vision des Lebens gibt. Wir stehen unter dem Einfluss der Befreiungstheologie und wir kennen Zahl und Natur der negativen Dinge, die sie lebt und gelebt hat. Um zu verstehen, wie man da wieder herauskommen kann, lese man die alten sozialen Heiligen."

"Warum?"

Messori: "Nehmen wir z.B. - ich bin Piemonteser - das Leben des Hl. Giovanni Bosco. Unbestreitbar gehörte zu seinen Prioritäten Arbeit, Berufsbildung und Soziales. Den wahren Primat aber hatte das Gebet.
Heute erleben wir den gegenteiligen Standpunkt: keine Erholung, weniger Gebet, und die Abnahme des Gefühls für das Heilige. Die erste und wirkliche Dringlichkeit ist die des Gebets und die, Gott wieder ins Zentrum des Lebens zu stellen."

"Die Raben-Affäre im Vatican: diese beiden Bücher, mußte man die - wie ein bekannter Jorunalist sagt - schreiben?"

Messori: "Ich denke, dass diese beiden Publikationen das Resultat einer einfachen und reinen Dosis von Zynismus sind und auch wirtschaftlicher verlegerischer Interessen.  Es ist in keiner Weise wahr- wie man uns glauben machen möchte - daß sie ein moralisches Ziel haben. Ein Journalist muß nicht immer alles veröffentlichen, was er hat.  Es gibt ein Verantwortungsbewußtsein bei der Berechnung der Wirkung und bei der Wertung sowohl der Nachricht als auch der Art wie sie erlangt wurde. 
Ich habe also viele Bedenken - sowohl zum Inhalt als auch zur Methode. Das vorausgesetzt, sage ich - und wiederhole das - wenn die wiedergegebenen Fakten wahr sind, muß die Institution Kirche ernsthaft nachdenken und sich einer vertieften Gewissensprüfung unterziehen."

Quelle: "La Fede Quotidiana,  V. Messori, Benoît XVI-et-moi

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