Donnerstag, 21. Januar 2016

E. Gotti Tedeschi wünscht sich einen Syllabus für dieses Jahrhundert.

Das Buch "Handwerk des Teufels" kommt in die Buchhandlungen. Ein Interviewbuch, in dem sich E.Gotti Tedeschi und Paolo Gambi unterhalten. "Die Gnosis hat triumphiert", sagt Tedeschi und man muß befürchten, daß er Recht hat. Gleichzeitig muß man seinen Mut bewundern, in allem dem gängigen mainstream-Denken zu widersprechen, bei uns hätte er das als Person des öffentlichen Lebens nicht überlebt, die allfällige virtuelle Hinrichtung wäre absolut sicher auf die bewährte Weise erfolgt.
A. Tornielli hat den Ex-Präsidenten des IOR, Tedeschi, für Vatican Insider interviewt und ihn - wie man sehr deutlich herauslesen kann in seiner neuerworbenen Eigenschaft als 3/4 offizielles Sprachrohr von Papst Franziskus und seiner Entourage zu tatsächlichen oder angenommenen kritischen Äußerungen über diesen Papst verhört- befragt. Wer den Gesamttext lesen möchte, kann das im Original hier tun: klicken
Wir haben Auszüge aus dem Interview übersetzt.

 "GOTTI TEDESCHI: EIN SYLLABUS FÜR UNSER JAHRHUNDERT WÄRE NÜTZLICH"

"Was ist heute Korruption?" fragt Paolo Gambi an einem bestimmten Punkt den Wirtschaftsmann Ettore Gotti Tedeschi. Der Ex-Präsident des IOR antwortet:  "die grassierende Corruptio optimi pessima nicht sehen zu wollen und sie zu rechtfertigen. Das ist etwas anderes als Korruption in der Politik und Wirtschaft"
(.....)

Frage Tornielli: "Warum haben Sie die Enzyklika "Laudato Si´" kritisiert?"

Antwort Tedeschi: " Ich glaube, daß ich zu den Ersten gehörte, die eine Wertung der gerade erst veröffentlichten Enzyklika abgegegen haben - bei Il Foglio. Dabei habe ich die Aufmerksamkeit der Leser ( die durch Vorabmeldungen voller Vorurteile der verschiedensten Art waren) auf ihre absolute Übereinstimmung mit der Tradition des Lehramtes gelenkt.
Ich habe erklärt, daß in der Enzyklika geschrieben steht, daß die Umweltschäden Konsequenz des moralischen Niederganges sind.
Aber in mehreren Punkten scheint sie Ursache und Wirkung zu verwechseln. Das Wichtigste ist einfach, daß der Ursprung der Umweltproblematik ursächlich in den Lehren der ambientalistischen Neo-Malthusianer zu finden ist. Im zitierten Artikel habe ich das gut erklärt und habe von vielen Seiten-auch "römischer"- Zustimmung erhalten. Nur  in den neomalthusianischen Kreisen sagte man, ich wolle die Enzyklika des Papstes angreifen."



Frage: "Und warum schlagen Sie einen neuen Syllabus für unser Jahrhundert vor?"

Tedeschi : "Aus vielen Gründen. Der erste und wichtigste ist, weil die Gnosis überall  triumphiert hat. Sie hat in der Philosophie den Relativismus gegen den Absolutismus der Katholischen Religion durchgesetzt, in der Anthropologie, wo die Schöpfung als Kinder Gottes nur noch ein evolutionierter Bazillus ist, in den Wissenschaften, von denen die Katholische Religion nur noch als abergläubisches Hindernis bei der Anwendung eben dieser Wissenschaften wahrgenommen wird, die den Menschen retten könnte, in der Wirtschaft, wo sie das Kriterium der Moral ausgelöscht hat und behauptet, daß das wirtschaftliche Problem das moralisches verursacht- obwohl es umgekehrt ist-, in der Soziologie, wo das malthusianische Denken auch Teile der Katholischen Welt erobert hat, im Bereich der Sexualität, wo entgegen der Natur das Kriterium Natur verschwunden ist.
Das Zweitwichtigste ist, daß sich die dominierende kulturelle Konformität so negativ auswirkt, daß Menschen in verantwortlichen Positionen buchstäblich Terror davor verspüren, sich vom dominierenden Denken zu entfernen.
Versuchen Sie einmal, Europa mit seinem Diktat zu den Moralgesetzen in Frage zu stellen, versuchen Sie einmal, ausführlicher zu erklären, warum Sie gegen die Gendertheorie und zivile Ehen sind, versuchen Sie einmal Zweifel daran zu äußern, wie dem Problem des Ambientalismus zugestimmt wird, versuchen Sie, zu behaupten , das Problem der Immigration sei nicht jenes, das uns präsentiert wird
Gut, ist das nicht genügend Material für einen neuen Syllabus?"

Quelle: Vatican Insider, E.Gotti Tedeschi, A. Tornielli

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