Dienstag, 5. Januar 2016

Kardinal Burke über den postsynodalen Zustand der Kirche, Teil 1

Don Fier hat für die online-Tageszeitung "The Wanderer"  Kardinal Burke zu verschiedenen Themen, die seit der Synode in der Kirche aktuell sind, interviewt.
Hier geht´s zum Original:   klicken

"INTERVIEW MIT KARDINAL BURKE... EINSICHTEN IN DEN ZUSTAND DER KIRCHE IM NACHGANG DER ORDENTLICHEN FAMILIENSYNODE"

                                                    Cburke3

Frage: 
"Mehrere Wochen sind seit der Familiensynode vergangen und ich nehme an, daß Sie jetzt genügend Zeit hatten, den Schlussbericht gründlich zu studieren. Was sind Ihrer Meinung nach die Hauptfrüchte der Synode und wie kann die Kirche sie am nutzbringendsten verwirklichen?"

Antwort Kard. Burke:
"Der Abschlussbericht ist ein komplexes Dokument und in einer Weise geschrieben, die es nicht immer leicht macht, die genaue Wichtigkeit des Gesagten zu verstehen. Zum Beispiel lassen die 3 Paragraphen  84-86 den Eindruck entstehen, daß die Synode bei ihrer letzten Sitzung einen Weg gefunden habe, durch den Menschen, die in irregulären ehelichen Verbindungen leben, dennoch die Sakramente empfangen können. Um auf den Mangel an Klarheit des Dokumentes hinzuweisen, habe ich einen kurzen Kommentar zu diesen Paragraphen geschrieben. Um klarzustellen, was die Kirche aktuell lehrt.

Seit Abschluss der Synode hat Pater A. Spadaro, ein Jesuit und einer der Synodenväter und Mitglied des mit der Abfassung der Relatio Finalis beauftragten Synoden-Komitees, einen Artikel geschrieben, in dem er etwas als den zentralen Punkt bei dieser Synode beschreibt, was bei der vorhergehenden nicht gelungen war, nämlich einen Weg für die wiederverheirateten Geschiedenen zu finden, der ihnen den Zugang zur Hl. Kommunion und zum Sakrament der Beichte ermöglicht.
Mein Gewissen drängte mich, eine Klarstellung zu dem, was er geschrieben hatte, zu veröffentlichen.

Es stehen viele gute Sachen im Schluss-Report, aber auch viele andere, über die ich schreiben will, um die Lehre der Kirche klar darzustellen.
Z.B. glaube ich nicht, daß das Statement über die elterliche Verantwortung für die Erziehung adäquat dargestellt ist. Es könnte der Eindruck entstehen, daß Eltern nicht die Hauptverantwortlichen für die Erziehung ihrer Kinder seien.



Über allem steht erstens eine philosophische ....-über der Begründung im Dokument - wie Pater Spadaros Artikel bewies, die zuallererst nicht richtig ist.
Zweitens ist sie gegenüber der Lehre der Kirche .....
So wird z.B. behauptet , daß es Glaubenswahrheiten gibt, aber auch etwas, das "die Wahrheiten der Geschichte" genannt wird. (i.e. die sich verändernde Zeit)
Wir verstehen, daß sich die Zeiten ändern und wir sehen uns neuen Entwicklungen gegenüber, aber wir verstehen auch, daß die Substanz der Dinge gleich bleibt.
Es gibt eine Wahrheit, an der wir die Veränderungen messen müssen.
Das wird im Schlussdokument der Synode nicht klar, besonders in Pater Spadaros Artikel, der als wahre Abbildung des Synodendenkens gedacht ist.  Wenn er das ist, dann müssen einige ernste Klarstellungen erfolgen.
Meiner Meinung nach wäre es das Beste, wenn der Schlussreport weiter von den wirklichen Lehrern des Glaubens studiert würde. Ich vertraue darauf, daß keine weiteren Schritte bzgl, der kontroversen Themen unternommen werden, weil sie an die wahren Fundamente unseres katholischen Glaubens rühren.

Pater Spadaros Artikel erweckt z.B. den Eindruck, daß es eine Art Resolution zur Situation der Menschen in irregulären ehelichen Verhältnissen gäbe, die ihnen erlaubt, die Sakramente zu empfangen - abseits von dem was die Kirche immer verstanden hat - nämlich der bewußten Gewissensentscheidung, wie Bruder und Schwester zu leben, wenn die Parteien sich nicht trennen können und dann die Sakramente an einem Platz zu empfangen, wo sie keinen Skandal verursachen, weil Menschen sehen, daß sie zusammenleben aber durch eine vorherige Ehe gebunden sind.

Den Eindruck zu erwecken,  als gäbe es im forum internum eine andere Lösung, ist falsch und erweckt bei den Leuten falsche Erwartungen und verwirrt sie im Hinblick auf das Wesen des Gewissens und die moralische Wahrheit, an die unser Gewissen sich immer angleichen muß.

Offensichtlich gibt es gute Früchte der Synode - so wie die Betonung der Ehevorbereitung und ihre kritische Bedeutung. Ich hätte gern einen größeren Nachdruck auf die Ehevorbereitung gesehen - sowohl die vorbereitende als auch die unmittelbare.
Ich denke, daß die fundamentale Frage für die pastorale Versorgung derer, die heute zur Ehe und Familie berufen sind, die Katechese ist. Wir haben Generationen von Katholiken, die nicht viel über ihren katholischen Glauben wissen und das schließt die Lehre über die sakramenetale Natur von Ehe und Familie ein. Diese Lehre sollte vor allem anderen betont werden- beginnend bei den Kindern.

Als ich Kind war, und mit dem Baltimore-Katechismus katechisiert wurde, hatte eine der ersten Definitionen, die ich lernte, mit dem Sakrament der Ehe zu tun. Das wird heute nicht mehr gelehrt.
Junge Menschen, die sich auf die Ehe vorbereiten, sollten eine intensive Katechese erhalten.
Die sollte jedoch das, was sie schon wissen, intensivieren.
Außerdem müssen wir die Gläubigen im Allgemeinen erziehen, viele der Frauen hatten eine nur unzulängliche Katechese und werden derzeit über diese Dinge in die Verwirrung geführt."

Frage: 
"Der Schlußreport der Synode lobt die großen Familien, bestätigt ihre Offenheit für das Leben und ermutigt dazu, lehramtliche Dokumente, die die Kultur des Lebens fördern, neu zu entdecken ("Familiaris Consortio des Hl. Johannes Pauls II und "Humanae Vitae" des sel.  Pauls VI).
Wie kann das in einer Kultur, in der mehr als 50% der Laien die Kirchenlehre zur Empfängnisverhütung nicht akzeptieren - auf Gemeinde-Ebene effektiv in gelebten Glauben umgesetzt werden?"

Kard. Burke:
"Auch das ist eine Frage der Katechese. Dokumente wie Humanae Vitae und Familiaris Consortio können nicht oberflächlich vermittelt werden, so als schwenke man eine Fahne. Sie müssen in den Gemeinden gründlich studiert werden und die Priester müssen sie predigen - um die Wahrheiten, die diese Dokumente so wunderbar anbieten - zu illustrieren.
Wenn wir wissen - was wir sicher tun - daß die Kultur der Lehre dieser beiden Dokumente in Gänze entgegensteht, wenn wir wissen - was wir sicher tun - daß viele der Gläubigen keine ausreichende Katechese hatten und eher dem zustimmen werden, was die die zeitgenössische Kultur denkt, als dem was die Kirche lehrt, dann müssen wir wahrnehmen, daß wir im Hinblcik auf Ehe und Familie evangelisieren müssen - als ob es das erste mal sei. Meiner Meinung nach ist das die einzige Antwort.

Ein wichtiger Grund zu versuchen, verheirateten Paaren zu helfen, die Wahrheit der Ehe zu leben, ist, daß die Kleinen die fundamentalen Wahrheiten über die Ehe zu Hause durch die Beobachtung der Beziehung ihrer Eltern lernen.
Kinder wissen - selbst wenn ihre Eltern nicht darüber reden - ob ihre Eltern verhüten, sie wissen, wenn ihre Eltern sich nicht ganz lieben. Wir müssen Wert darauf legen, daß das Zuhause der erste Ort der Evangelisierung über Ehe und Familie ist. Wir müssen denen helfen, die sich bemühen, die Wahrheit ihrer Ehe zu leben, zu bewahren und stärker werden zu lassen. Und auch jenen, die streiten, wir müssen ihr Bedürfnis nach Änderung ihres Lebems erkennen und sie liebevoll zur Wahrheit führen."

Fortsetzung folgt

Quelle. The Wanderer, Don Fier, Kardinal R. Burke


  



  

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