Dienstag, 26. Januar 2016

Ökumene in Mexiko?

Die Ökumenischen Treffen überholen sich gegenseitig, gerade noch lag die zu den Reformationsfeiern geplante päpstliche Visite in Lund vorn, jetzt wird sie von einem möglichen Meeting mit dem Moskauer Patriarchen in Mittelamerika überholt. Ökumania?

Sandro Magister fragt sich bei www.chiesa, ob Papst Franziskus bei seinem bevorstehenden Mexiko-Besuch überraschend seine Agenda ändern wird, um den Moskauer Patriarchen Kyrill zu treffen, der zur gleichen Zeit Kuba besucht. Hier geht´s zum Original:   klicken


       "FRANZISKUS UND KYRILL. ZUSAMMEN UNTER TROPISCHEM HIMMEL"
"Der Papst in Mexiko, der Russische Patriarch in Kuba. Beide besuchen diese Länder Mitte Februar. Bereit, die Welt mit einem Treffen zu überraschen.


"Jeder weiß, daß er der Papst der Überraschungen ist. Wenn er seinen Reiseplan ändern will, wird er das sicher tun."
Das sagte Capitano Domenico Giani, Generalinspekteur der Vaticanischen Gendarmerie, am Ende einer gründlichen Sicherheitsüberprüfung in Mexiko, das Franziskus von 12.-18. Februar besuchen wird.

Und die "Überraschungen" könnten eine außerordentliche einschließen, ein Treffen zwischen Papst Franziskus und Kyrill, dem Orthodoxen Patriarchen von Moskau und aller Russen. Das erste Treffen der Geschichte zwischen den Oberhäuptern der Kirche Roms und des "Dritten Roms"- unerwartet - unter tropischem Himmel.

Tatsächlich wird Kyrill gerade dann, wenn der Papst in Mexiko ist, in Kuba sein, wohin er von Raoul Castro im Mai letzten Jahres während dessen Moskau-Besuchs persönlich eingeladen wurde.
Bei der Gelegenheit machte Raoul Castro bei seiner Rückreise in Rom Halt und traf sich mit Franziskus. Um mit ihm über den damals für September des Jahres geplanten Papstbesuch in Kuba zu sprechen. Aber es ist wahrscheinlich, daß er mit ihm auch über seine Gespräche mit Patriarch Kyrill und dem Russischen Präsidenten Putin sprechen wollte.

Über ein Treffen zwischen dem Papst und dem Patriarchen von Moskau - der über 2/3 der weltweit 200 Millionen Orthodoxen herrscht,- wird seit Jahren gesprochen oder eher seit Jahrzehnten. Jedesmal stellte man es sich auf neutralem Gebiet vor, wie Wien oder Budapest. Aber niemals bis jetzt wurde ein Treffen als bald bevorstehend betrachtet, nicht einmal nachdem ein für die Russen "unmöglicher" Papst, wie der Pole Johannes Paul II, die Bühne verlassen hat.



Nach der Wahl Jorge Mario Bergoglios zum Papst wurde diese Möglichkeít weniger unrealistisch. Am 30. November 2014, auf dem Rückflug nach Rom - nach seiner Türkeireise - antwortete Franziskus einem russischen Journalisten auf dessen präzise Frage nach seinen Kontakten mit dem Moskauer Patriarchat:
"Ich habe Patriarch Kyrill gesagt, und er stimmte zu, daß es einen Willen zu seinem Treffen gibt": "ich gehe wohin immer Sie wollen. Rufen Sie mich an und ich komme." Und er will das auch."

Franziskus hat bei seinen weiteren an den russischen Journalisten gerichteten Bemerkungen die Hindernisse vor einem Treffen, die er sah, nicht verborgen. Das waren hauptsächlich zwei:
Zuerst - der "Uniatismus"- das ist der abwertende Terminus, den die Orthodoxen für die Vereinigung der Katholischen Kirchen des Östlichen Ritus mit Rom benutzen. Bergoglio gab zu verstehen, daß er dieses Blatt wenden möchte.
"Die Östlichen Katholischen Kirchen haben ein Recht zu existieren, aber Uniatismus ist ein überholtes Wort. Wir können heute nicht mit solchen Worten sprechen. Wir müssen einen anderen Weg finden."

Was das zweite Hindernis angeht - mit dem Krieg in der Ukraine - Geburtsplatz der Russischen Orthodoxie aber auch Heimat der mitgliederstärksten Kirche des Byzantinisch-Katholischen Ritus- sei der, der die größten Schwierigkeiten habe, wie der Papst  sagte - der Patriarch von Moskau.
"Da ist heute das Kriegsproblem. Der arme Mann hat so viele Themen, da muß ein Treffen mit dem Papst auf eine der hinteren Herdplatten verschoben werden.Wir wollen beide ein Treffen und uns vorwärts bewegen."

Und in der Tat in der Ukraine-Frage hat sich Franziskus immer zwischen Aktionen und sorgfältig gewählten Worten bewegt, um das Moskauer Patriarchat und Putins Politik in der Region nicht zu verärgern, sogar auf Kosten einer sehr tiefen Enttäuschung bei Bischöfen, Klerus und Gläubigen der nationalen Katholischen Kirche (das ist ja nichts Neues in diesem Pontifikat- die eigenen Gläubigen kommen an letzter Stelle)

"Von Moskau angegriffen, von Rom verlassen" 
 www. chiesa Artikel zur Verfolgung der Katholiken im Ukraine-Konflikt

Mit der Wirkung, daß Kyrill bei mehreren Gelegenheiten öffentlich den Standpunkt von Papst Franziskus in der Ukraine-Frage lobte.

"Patriarch Kyrill dankt dem Vatican für seine ausgewogene Sicht der Ukraine-Krise"
Und so begannen der Vatican und das Moskauer Patriarchat insgeheim die Machbarkeit eines Treffens zwischen den beiden zu studieren.
Die Geheimhaltung wurde durch die Absicht diktiert; jede Reaktion von Kräften auf beiden Seiten zu vermeiden, die gegen ein solches Treffen sind- mit dem Risiko es zu ruinieren.

Im Katholischen Lager ist es vor allem die Ukrainische Kirche, die sich durch einen so sensationellen Schmusekurs des Papstes mit dem Moskauer Patriarchat verletzt fühlt, das als mit dem großen Feind und Eindringling, Putins Russland, untrennbar verbunden gilt.

Aber auch innerhalb des Patriarchates gibt es eine große Opposition gegen die "Offenheit" gegenüber der Katholischen Kirche, und dem verabscheuten Westen, symbolisiert durch die Umarmung zwischen Franziskus und Kyrill.
Zu früh, um über ein Treffen zwischen Papst und Patriarch zu sprechen

Ein anderer Hinweis auf aktuelle Turbulenzen am oberen Ende der Hierarchie des Patriarchates  ist der Rauswurf des Leiters der Abteilung für Religiöse Information, des Erzpriesters Vsevolod Chaplin, eines ultranationalen Theoretikers von Rußlands Heiligem Krieg in der Ukraine.

"Entlassung ín Moskau: der Patriarch auf dem Weg ins Dritte Jahrtausend"
 Indem er sich von ihm befreite, wollte Kyrill den am engsten mit dem autokratischen Putin-Regime, seinen Militäraktionen in der Ukraine und im Mittleren Osten verbundenen Teil der  Russischen Kirche schwächen.

Tatsächlich will Kyrill nachdem er beim Wiederaufbau der Orthodoxen Kirche in Rußland eng mit Putin zusammen gearbeitet hat, jetzt autonomer handeln und Glaubwürdigkeit und Charisma eines spirituellen Weltführers, eines Russischen "Papst Franziskus" erlangen - teilweise im Wettbewerb mit dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, der im Vatican wie zu Hause ist - aber in Rußland von vielen als Vasall des westlichen Einheitsdenkens gesehen wird
Beide haben ein starkes Interesse daran, ein Treffen möglich zu machen. Und wenn das passiert - mit seinem Überraschungseffekt, den es der Welt bereiten würde - ihre jeweiligen Widersacher vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Darauf, daß ein Treffen zwischen den beiden nahe ist, sehr nahe - hat Kardinal Koch, Präsident des Päpstlichen Rates für die Christliche Einheit hingewiesen.

In einem Interview am 23. Januar mit dem Journalisten und Schweizer Landsmann Giuseppe Rusconi sagte Koch:
"Es ist klar, daß Papst Franziskus sich so ein Treffen brennend wünscht. Kyrill ist auch einverstanden - Die Ampel steht nicht mehr auf Rot sondern auf Gelb"
Und er erinnerte daran, daß die Worte, die Franziskus auf dem Rückflug aus der Türkei gesprochen hatte, bald Realität werden.
"Ich habe Kyrill gesagt: "Ich werde hingehen, wo immer Sie wollen. Rufen Sie mich an. Ich komme."
In weniger als einem Monat werden die beiden sich wirklich anrufen,. Franziskus aus Mexiko und Kyrill von Kuba aus. Für ein historisches Treffen, das beide so sehr wollen."

Quelle: www.chiesa, Sandro Magister




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