Mittwoch, 13. Januar 2016

Roberto de Mattei über die Definition von Häresie, anhand einiger jüngerer Beispiele....

Roberto de Mattei äußert sich bei Corrispondenza Romana  zur Frage der Häresie. Er zitiert zunächst Kardinal Müller, der in seinem vor kurzem gegebenen ZEIT-Interview sagte, daß diejenigen Katholiken, die Papst Franziskus häretische Äußerungen unterstellen, im Unrecht seien. De Mattei listet dann die lehramtlichen Definitionen von Häresie mit ihren Unterteilungen auf. Und er kommt- wie wohl auch seine Leser- zu einem etwas anderen Schluß.
Hier geht´ s zum Original:    klicken

 "NICHT NUR DURCH HÄRESIE VERLETZT MAN DEN KATHOLISCHEN GLAUBEN"

"In einem langen, am 30. Dezember in der Wochenzeitung "Die Zeit" veröffentlichten Interview spricht der Präfekt der Glaubenskongregation Kardinal Gerhard L. Müller über eine hochaktuelle Frage.
Als die Journalistin, die ihn interviewte, den Präfekten fragte, was er von den Katholiken halte, die den Papst angreifen und ihn "Ketzer" nennen , antwortet er:
"Ich muß ihnen Unrecht geben, nicht nur in meiner Funktion sondern auch aus persönlicher Überzeugung.
Nach der theologischen Definition ist ein Ketzer ein Katholik, der sich darauf versteift, eine geoffenbarte Wahrheit zu leugnen, die zu glauben, die Kirche vorschreibt, Das ist etwas ganz anderes, weil die offiziell anerkannten Kirchenlehrer sich vielleicht ein bißchen unglücklich ausdrücken, vage oder zu Mißverständnissen einladend.
Das Lehramt des Papstes und der Bischöfe steht nicht über dem Wort Gottes sondern in seinem Dienst (.....)
Die päpstlichen Erklärungen haben außerdem einen sehr unterschiedlich verpflichtenden Charakter -wie eine Leiter, beginnend bei der ex-cathedra-Entscheidung, die am bindendsten ist, -bis zur Predigt, die eher der spirituellen Vertiefung dient."

Heute neigen wir dazu in eine vereinfachende Dichotomie zwischen Häresie und Orthodoxie zu verfallen.
Die Worte Kardinal Müllers erinnern uns daran, daß zwischen weiß (der vollen Orthodoxie) und schwarz( der offenen Häresie)  noch eine Grauzone besteht, die die Theologen präzise erforscht haben.
Es gibt Vorschläge zur Doktrin die -obwohl sie nicht ausdrücklich häretisch sind- von der Kirche zurückgewiesen werden- mit einer theologischen Begründung, die proportional zur Schwere und dem Widerspruch zur Katholischen Lehre steht. Das Gegenteil der präsentierten Wahrheit zeigt sich in verschiedenen Abweichungen, je nachdem, ob sie direkt oder indirekt ist- unmittelbar oder mittelbar, offen oder versteckt, etc.



"Die Theologischen Zensuren" repräsentieren" wie es Pater Cartechini Sisto erklärt, das negative Urteil der Kirche über einen Ausdruck, eine Meinung oder eine ganze theologische Lehre. Dieses Urteil kann privat sein.  Es kann von einem oder mehreren Theologen unter eigenem Titel oder öffentlich und offiziell ausgesprochen, oder durch die Kirchenautoritäten promulgiert werden..

Es folgen vertiefende weiterführende Erklärungen und Quellenangaben zur Entwickung der theologischen Definition der Häresie, die wir hier nur zusammenfassend anführen

Der "Dictionnaire der dogmatischen Theologie" von Kardinal Pietro Parente und Msgr. A. Pioli faßt die Doktrin in diesen Worten zusammen:
"Es gibt zahlreiche Zensurformeln, mit einer Gradeinteilung, die von minimal zu maximal reicht. Man kann sie in 3 Kategorien einteilen:

"1. Kategorie: der doktrinale Inhalt:  wegen des doktrinalen Inhalts kann eine These als
a) häretisch eingeordnet werden- wenn sie offen der definierten Wahrheit des Glaubens der Kirche widerspricht - je nach Grad des Widerspruchs kann sie als nahe an der Häresie oder....beurteilt werden,
b) als Glaubensirrtum , wenn sie einer schwerwiegenden theologischen Schlußfolgerung widerspricht die aus einer offenbarten Wahrheit stammt oder den Prinzipien der Vernunft
c) als kühn, wenn sie einem unter Theologen akzeptierten einfachen Urteil widerspricht

2. Kategorie: die Form: sie betrifft die falsche Form, deretwegen eine These als zweideutig, zweifelhaft, spitzfindig, verdächtig etc. beurteilt werden kann, auch wenn sie vom Standpunkt der Doktrin aus  keiner Glaubenswahrheit widerspricht

3.Kategorie : die Wirkung die aus Gründen bestimmter Umstände- in Zeit und Ort- ausgelöst werden kann, auch wenn sie nicht irrig ist in Inhalt und Form. In diesem Fall wird die These als pervers, bösartig, skandalös, die Einfachen verführend  beurteilt."

In all diesen Fällen fehlt es der katholischen Wahrheit an doktrinaler Integrität oder sie wird unzureichend und unpassend formuliert. -

Diese Präzision in der Qualifizierung der Irrtümer entwickelt sich vor allem im 18. und 19. Jahrhundert, als die Kirche sich mit der ersten Häresien konfrontiert sah, die in ihrem Inneren auftrat und bleiben wollte:  dem Jansenismus,
Die Strategie der Jansenisten - wie später die der Modernisten- war es, immer wieder selbst ihre volle Orthodoxie zu behaupten, trotz der wiederholten Verurteilungen.
Um die Anklage der Häresie zu vermeiden, ließen sie sich für Glauben und Moral zweideutige, unklare Formulierungen einfallen, die den katholischen Glauben nicht frontal angegriffen und ihnen erlaubten, in der Kirche zu bleiben. Mit der selben Präzision und Entschlossenheit  wiesen die orthodoxen Theologen ihnen ihre Irrtümer nach und etikettierten sie nach der Funktion ihrer spezifischen Charakteristik.

Papst Clemens XI in der Bulle "Unigenitus Dei Filius" vom 8. September 1713: zensierte 101 Thesen des Buches "Moralische Überlegungen" des jansenistischen Theologen Pasquier Quenel als " falsch, spitzfindig, schlechtklingend, beleidigend für fromme Ohren, skandalös, bösartig, kühn, die Kirche und ihre Praxis beleidigend- im Ruch der Häresie und begünstigend für Häresie und Schisma, irrig und nahe der Häresie."

Papst Pius VI in der Bulle "Auctorem Fidei" vom 28. 8. 1794 verurteilte seinerseits 24 Thesen und Auszüge aus den Akten der jansenistischen Synode von Pistoia 1786.  Einige dieser These werden als häretisch, andere als schismatisch, der Häresie verdächtig, Häresien auslösend, falsch, irrig, skandalös, kühn, für die allgemeine Praxis der Kirche beleidigend definiert. Jeder dier Ausdrücke hat eine andere Bedeutung.
So z.B.  wurde die These, in der die Synode bekannt, überzeugt zu sein, daß "die Bischöfe von Jesus Christus alle nötigen Rechte für eine gute Leitung ihrer Diözese empfangen haben-unabhängig vom Papst und den Konzilen" als irrtümlich und zum Schisma und der Subversion der ´Hierarchie führend verurteilt.

Bei einer Analyse des Schlussberichtes der Bischofssynode von 2015 - durchgeführt nach den Prinzipien der
Theologie und der Katholischen Moral kann man nicht umhin schwerwiegende Lücken im Dokument festzustellen. Viele der Vorschläge kann man als "schlecht klingend, irreführend, gewagt etc. definieren, auch wenn man keine von ihnen als formell häretisch bezeichnen kann.

Kürzlich, am 6. Januar 2016 hat man in allen sozialen Medien der Welt eine Video-Botschaft von Papst Franziskus ausgestrahlt, die dem interreligiösen Dialog gewidmet war, in der Katholiken, Buddhisten, Juden und Muslimne gleich zu sein schienen als "Kinder (eines) Gottes, dem jeder in seiner eigenen Religion begegnet, im Namen einer gemeinsamen Bezeugung seines Glaubens an die Liebe.

Die Worte von Franziskus- kombiniert mit denen einiger anderen Akteure des Videos und besonders mit den Bildern: transportieren eine synkretistische Botschaft die zumindest indirekt der Lehre der Einzigartigkeit und erlösenden Universalität Jesu Christi und der Kirche widerspricht- bestätigt durch die Enzyklika "Mortalium Animos" von Pius XI (1928)  und die Deklaration "Dominus Jesus" August 2000 der Glaubenskongregation und ihres damaligen Präfekten  J. Ratzinger.

Würden wir als einfache getaufte Katholiken die theologischen Zensuren der Kirche auf dieses Video anwenden, müßten wir es als "zur Häresie führend, was den Inhalt angeht" definieren, zweideutig was die Form angeht und als skandalös was die Wirkung auf die Seelen betrifft.

Das öffentliche und offizielle Urteil kommt der Kirchenautorität zu und kein anderer als der aktuelle Präfekt der Glaubenskongregation hat das Mandat,  sich dazu zu äußern.
Viel beunruhigte Katholiken rufen laut danach.


Quelle: Corrispondenza Romana, R. de Mattei, BenoîtXVI-et-moi

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