Freitag, 29. Januar 2016

Schweden: Die Hölle über Bayern!

Johann Matthias Kager, der mit seiner Ausgestaltung des "Goldenen Saales" im Augsburger Rathaus weltberühmt wurde, hat, wie so viele seiner Kollegen auch weniger berühmte Werke gemalt. Eins davon hängt in der Münchner Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf - und es ist so wenig berühmt, dass es nicht mal im Internet zu finden ist*.  Ich habe es in einem Buch gefunden, das die SZ anlässlich des 850jährigen Stadtgründungsfestes Münchens herausgegeben hat. Interessant ist ja nicht nur das Bild, sondern auch die Geschichte dazu.
Denn es geht um Schweden - oder genauer gesagt um deren König und seine Soldateska, die unter der Führung ihres Königs Gustav Adolf in Bayern ihr Unwesen trieben - weil sie unbedingt Bayern protestantisieren wollten.
In Ingolstadt hatten sie ziemliches Pech, denn die Stadt war gut befestigt und die Ingolstädter haben am Ende sogar dem schwedischen König seinen Schimmel unter dem Allerwertesten hinweggeschossen. Der steht heute übrigens ausgestopft in einem Ingolstädter Museum ... Nach diesem Misserfolg zog das Schwedenheer weiter in Richtung Süden, um in der Landeshauptstadt sein "Glück" zu versuchen. Das geschah nicht ohne, dass auf dem Weg dorthin plattgemacht, niedergebrannt, gefoltert, vergewaltigt und ermordet wurde, was sich dem Heer aus dem Norden entgegenstellte.
Auch war die Landeshauptstadt schlecht gesichert und die Verteidigungsanlagen veraltet, so dass die Schweden leichtes Spiel gehabt hätten. Doch sie überlegten es sich anders:

Münchner Unterhändler verhandelten mit Gustav-Adolph und boten ihm Geld und der Schwedenkönig ging auf den Handel ein. Er wollte lieber Geld sehen und nach zähen Verhandlungen einigte man sich auf 300.000 Reichstaler - doch das konnte auch unter aller Mühen nicht aufgebracht werden. Deshalb zurück zum eingangs erwähnten Bild. Darauf ist die Gottesmutter mit dem Kind zu sehen, zu der 40 Männer in Dankbarkeit aufblicken ... und diese Dankbarkeit ist der Auslöser für die Stiftung des Gemäldes. Das Bild zeigt 21 Geistliche: u.a. Jesuiten, Kapuziner, Franziskaner, Zisterzienser - und 21 Honoratioren der Stadt, die sich als Geiseln zur Verfügung stellten, bis die hohe Summe aufgebracht war. Sie wurden nach Augsburg gebracht, dort von den protestantischen Augsburgern in Ketten gelegt und misshandelt und gefoltert. Einige überlebten es nicht, andere konvertierten zu den Protestanten (!), darunter ein Franziskanermönch (!). Immer wieder wurden den Schweden größere Summen überbracht, aber es reichte nicht. Und doch geschah das Wunder - die katholischen Truppen hatten sich erneut formiert und griffen die Schweden an anderen Orten, so dass sie das Lager vor München aufgeben mussten. Am 6. September 1634  wurden sie in der Nähe vor Nördlingen vernichtend geschlagen - und die Geiseln in Augsburg kamen frei. Zum Dank pilgerten sie nach Maria Ramersdorf und stifteten das Votivbild .... Kurfürst Maximilian dankte der Gottesmutter für dieses Wunder mit der Errichtung der Mariensäule im Jahr 1938.
Der zweite Angriff der Schweden kurz vor dem Ende des Krieges scheiterte dann an den inzwischen modernisierten Befestigungsanlagen, die Gebete der Münchner zu ihrer Patrona Bavariae bewirkten ein weiteres Mal, dass die Stadt standhielt.

Was die Protestanten natürlich nicht davon abhielt, uns weiterhin mit ihrer Sicht der Dinge gewaltsam zu "überzeugen". Ich denke da nur an Bismarck und seine drastischen Unterwerfungsversuche. Und über die peinlichen Versuche des evangelischen Sozialvereins, uns irgendwie unter ihre Knute zu kriegen, sage ich mal lieber nix ...



... und jetzt frage ich mich - wofür sollen wir uns denn jetzt entschuldigen? 

Im Jahr des Gedenkens an die Kirchenspaltung wird der Papst nach Schweden reisen, um dort an einem TrauerGedenk-Gottesdienst teilzunehmen. Und inzwischen ist es bei ihm ja schon eine Gewohnheit geworden, dass er sich für alles und jeden entschuldigt, der im Laufe der Zeit seinen katholischen Glauben gelebt und verteidigt hat. Und natürlich besonders für die, die sich gewehrt haben, wenn sie von anderer Seite angegriffen wurden.
Und so will er sich jetzt auch via Schweden bei allen Protestanten entschuldigen ... und ich frage mich jetzt, warum? Für unsere Barockkirchen? Für die Klöster, die die Bildung in die deutschen Lande gebracht haben? Für unsere herrliche Kirchenmusik? (Auch wenn die Protestanten einige große Musiker hervorgebracht haben). Oder, dafür, dass die Ingolstädter ein Pferd erschossen haben? Naja im Zeitalter von Gaia ist das natürlich ein echter Frevel - auch wenn man davon ausgehen kann, dass der Schimmel den 30jährigen Krieg ohnehin nicht überlebt hätte. Und ansonsten waren wir doch immer nett zu den Schweden. München hat dem heutigen König sogar seine Königin zugeführt und für die paar Niederlagen im Fußball erwarten die Schweden sicher keine Entschuldigung. Unser König Ludwig I hat sogar eine Protestantin geheiratet und König Maximilian seiner Schwiegertochter sogar eine Kirche zur Verfügung gestellt, und ihr erlaubt, viele Protestanten nachzuholen. Inzwischen darf sie sogar hinter  ihrem Mann in St. Bonifaz ruhen - obwohl das lange Zeit nicht erlaubt war.
Und dass die Königin Marie (Schwiegertochter von Ludwig I) am Ende ihres Lebens zum katholischen Glauben konvertiert ist - geschah auch ganz ohne Zwang.

Ja, wir sind mal wieder erstaunt über dieses seltsame Ansinnen des Papstes, mit dem er einmal mehr beweist, wie wenig Geschichtskenntnis er doch hat. Und wir hoffen mal, dass die Schweden ihm zum Dank für sein "mea culpa" nicht ihren berüchtigten Trunk anbieten.

*Schade, dass Maria Ramersdorf derzeit wegen Renovierung geschlossen ist, sonst hätte ich ein Foto gemacht. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen