Mittwoch, 17. Februar 2016

Das Katholische Mexiko

ist Sandro Magister heute einen Beitrag bei www.chiesa L´Espresso wert.
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"DAS KATHOLISCHE MEXIKO, EIN EINZIGARTIGER FALL IN LATEINAMERIKA"
Dort hat die Römische Kirche die verheerendsten antireligiösen Verfolgungen überlebt. Und sie steht besser da als in anderen Ländern, wo sie von den Pfingstkirchlichen Sekten herausgefordert wird.
Ein Märtyrerkind wird bald heilig gesprochen.

Verteilung der Katholiken in Lateinamerika 2014

 

               


Das Mexiko, das Papst Franziskus besucht, ist im Vergleich zu den anderen Ländern Lateinamerikas ein atypischer Fall. Nach Brasilien die zahlenreichste katholische Bevölkerung der Welt, die in der Prozentzahl an der Gesamtbevölkerung mit 81%  nur von Paraguay mit 89% übertroffen wird.

Es ist genau diese reiche und darüber hinaus solide Präsenz von Katholiken, die Mexiko von anderen lateinamerikanischen Ländern unterscheidet. Aus mindestens zwei Gründen.
  
Erstens: der  Widerstand gegen die Expansion Protestantischer charismatischer und pfingstkirchlicher Gemeinschaften,-im Gegensatz zu anderen Ländern, besonders in Brasilien und in Zentral-Amerika.
In Brasilien sind die Katholiken, die vor wenigen Jahrzehnten noch fast die Gesamtbevölkerung repräsentierten, jetzt auf 61% reduziert worden, während sie in Honduras jetzt weniger als die Hälfte sind, 46%, und in Guatemala, El Salvador und Nicaragua bei rund 50% liegen.
In Mexiko ist die Erosion des Katholizismus durch die Aktivitäten dieser Sekten fast ausschließlich in der Grenzregion zu Guatemala  zu sehen, in Chiapas, einem der Reiseziele von Papst Franziskus.

Die zweite Schwelle des Widerstandes hat für den mexikanischen Katholizismus mit der Herausforderung der Säkularisierung zu tun.
Nicht so sehr mit der Säkularisierung als kulturellem Phänomen, das alle lateinamerikanischen Länder gleichermaßen betrifft, sondern die systematisch und manchmal mit Gewalt auf politischen Gebiet aufgezwungen wird.



Uruguay ist das Land, in dem die Katholische Kirche am meisten unter der Wirkung der Langzeitdominanz einer politischen Klasse und einer stark antiklerikalen und der Freimaurerei zuneigenden Bourgeoisie gelitten hat. Es ist heute in Lateinamerika das Land mit dem kleinsten Anteil an Katholiken -von 42% -und dem höchsten Anteil an Agnostikern.

Während in Mexiko im Gegenteil die Katholiken mehr als doppelt so zahlreich sind, trotz der Tatsache daß in diesem Land die antiklerikalr und freimaurerische Offensive stärker, langanhaltender und unbarmherziger war.
Der Gipfel dieser Offensive wurde 1920 erreicht, während der Präsidentschaft von Plutarco Elias Calles, mit dem starken Versuch, die Kirche zu vernichten, worauf zahlreiche Katholiken aller Art mit einem bewaffneten Aufstand unter dem Banner der Jungfrau von Guadelupe und dem Ruf "Viva Cristo Re!" reagierten,  der ihnen den Titel "Cristeros" einbrachte und ihrem Aufstand den namen "Cristiada".

Die Cristiada hat auch einen kindlichen Märtyrer, José Sanchez del Rio, einen sehr jungen Kämpfer und Glaubenszeugen, der von seinen Mitkämpfern Tarcisius genannt wurde, nach dem jungen Römer, der zum Märtyrer wurde, als er die Hostie verteidigte.
Er wurde 14- jährig, 1928 von Regierungstruppen gefangen genommen, gefoltert und wegen seiner standhaften Weigerung seine Kameraden zu verraten, getötet, sterbend flüsterte er: "Viva Cristo Re, Viva la Madonna di Guadelupe".

José Sanchez del Rio - dessen Geschichte 2012 im Film "Zur größeren Ehre" erzählt wurde,- wurde 2005 von Benedikt XVI zusammen mit 12 Mitkämpfern selig gesprochen und am 26. Januar dieses Jahres stimmte Papst Franziskus dem Kanonisierungsdekret zu. Es wird erwartet, daß er noch in diesem Jahr heilig gesprochen wird.

Noch 1979, als Johannes Paul II zum ersten mal  nach Mexiko kam, verbot das Gesetz jedes Zeichen öffentlicher Präsenz der Kirche und es gab keine diplomatischen Beziehungen zum Hl. Stuhl. Aber der öffentliche Zuspruch für den Papst und die Teilnahme an seinen Messen waren ungeheuer und halfen die antikatholischen Gesetze schneller zu lockern.

Die Gewalt, die sie erlitten hat, scheint die vorgegebene katholische Identität der mexikanischen Bevölkerung nicht  beschädigt zu haben. Aber das Trauma ist nicht völlig überwunden.
Pater Armando Flores Navarro, Rektor des Pontifikalen Mexikanischen Kollegs in Rom und Vize-Postulator für die Kanonisierung des jungen Cristeros José Sanchez del Rio, sagte in einer Vorausschau auf die Reise des Papstes: "Die Bischöfe ermutigen die Katholiken das anhaltende Defizit der katholischen Teilnahme am öffentlichen Leben auszufüllen und die Katholiken beweisen einen spontanen und außerordentlichen Sinn für Solidarität. Aber im politischen Leben bleiben sie etwas abseits."
  
Eine kürzlich erschienene Untersuchung des Pew-Research-Centers in Washington bestätigt diesen Zustand. 74% der Mexikanischen Katholiken wollen, daß die Religion von der Politik getrennt ist.
Und nur eine Minorität opponiert gegen Scheidung und gleichgeschlechtliche Ehen.

Seltsamerweise jedoch will eine Minderheit von 31% in Mexiko verheiratete Priester. Das war genau eine der am dringendsten vom Papst verlangten Veränderungen, als er sich auf diese Reise vorbereitete, man erwartete fast eine Geste der Offenheit gegenüber dieser Neuerung von ihm, wobei Mexiko und da speziell Chiapas als Testgelände dienen sollte.

Quelle: Sandro Magister, www.chiesa L´Espresso





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