Freitag, 12. Februar 2016

Die Begegnung zwischen Papst Franziskus und Kyrill. Spirituell oder politisch?

Das fragt sich Mario Proietti bei La Nuova Bussola Quotidiana anläßlich des Treffens der Oberhäupter des ersten und des dritten Roms auf dem Flughafen von Havanna.
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"FRANZISKUS UND KYRILL, EINE EHER POLITISCHE ALS SPIRITUELLE BEGEGNUNG"
"Die Begegnung, die heute Abend auf dem Flughafen von Havanna zwischen Papst Franziskus und dem Patriarchen von Moskau, Kyrill stattfinden wird, ist sicher ein außerordentliches Ereignis, zum ersten mal gibt es eine direkte Begegnung zwischen einem Papst und einem Patriarchen von Moskau.
Aber die Begegnung auf "neutralem" Boden - auf den ausdrücklichen Wunsch Kyrills - außerhalb Europas - wird eher politischen als spirituellen Wert haben, auch wenn die Protagonisten die höchsten kirchlichen Würdenträger sind.
Zuerst ist da der Ort der Begegnung: Kuba. Raul Castro war sehr zufrieden, dieses Begegnung zwischen dem Papst, der bei seinem vergangenen Besuch des Landes alles mögliche getan hat, um die eigene Verfügbarkeit gegenüber dem Regime und dem ex-sowjetischen Patriarchen zu zeigen.
Hier folgt gleich das zweite Element: das des russischen Präsidenten Vladimir Putins, der nicht nur diese Begegnung autorisiert hat und der diese Begegnung aus geopolitischen Interessen Rußlands wollte.
Im Übrigen ist der Patriarch nicht erst seit heute dem Präsidenten eng verbunden. Er hat in der Tat einen Lebenslauf, der ihn in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als  einen Vertrauten des KGB sieht (Deckname Mikhailov), eine Sache die ihn innerhalb und außerhalb des Sowjet-Imperiums herumkommen ließ - in ökumenischer Mission - wie damals die katholischen Ökumeniker glaubten.
Eine Verbindung zur Macht, die in die Putin-Ära überging, der überdies selbst aus dem KGB kommt, auch wenn er vor kurzem zur Orthodoxie konvertierte.
Und weiter: dieses Ereignis muß auch aus der Perspektive des kommenden Panorthodoxen Konzils gesehen werden, bei dem das Verhältnis zum Papst ein Konfrontationsthema zwischen Moskau und Konstantinopel sein wird (Patriarch Bartholomäus kann sich bereits einer guten Beziehung zu Papst Franziskus rühmen)
Außerdem muß man bedenken, daß die Begegnung auch eine sehr persönliche sein wird, bedenkt man, daß kein sogenanntes ökumenisches Gebet und kein Besuch eines sakralen Ortes geplant sind. Dem Treffen wird die übliche rituelle Erklärung folgen, mit der gemeinsamen Unterschrift unter ein Dokument, das - soweit man weiß - eine ethische Aussage zu sozialen Themen enthalten wird

Ohne die Bedeutung des Treffens und des Engagements von Papst Franziskus herunter zu spielen, der auf jede Vorbedingung verzichtet hat - kann man das Risiko nicht verschweigen - das vor allem zahlreichen katholischen Kommentatoren gegenwärtig ist: das eines Ökumenismus der das Trennende verdunkelt, um die Einheit zu erleichtern. Wie bereits der damalige Kardinal Joseph Ratzinger in den 80-er Jahren des 20. Jahrhunderts sagte, daß ein solcher, vielen katholischen Bekennern des Ökumenismus teure Anhang, statt dessen eine größere Trennung schafft.


Indem er die Enttäuschungen in jenem Lager beschreibt, die dem postkonziliaren Enthusiasmus folgten, nimmt es Ratzinger mit denen auf, die den Ökumenismus als diplomatische Aufgabe nach politischen Kategorien betrachten. Wie man von guten Vermittlern erwartet, daß sie nach einer gewissen Zeit zu einer für alle annehmbaren Übereinkunft kommen, so konnte man glauben, in Fragen des Ökumenismus alles das auch von den Kirchenautoritäen erwarten zu können. 
Überlegungen, die in einer Sammlung von Texten mit dem Titel "Kirche, Ökumenismus und Politik" ("Einheit durch Vielfalt" v. Oskar Cullmann) enthalten sind, ein Band, der aktuell bleibt und jedem zu empfehlen ist, der verstehen will, was im Ökumenismus auf dem Spiel steht."

Quelle: Mario Proietti, LaNuovaBussola Quotidiana


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