Samstag, 20. Februar 2016

Die Pressekonferenzen dienen der Kirche nicht....


Riccardo Cascioli spricht bei La Nuova Bussola Quotidiana aus, was kaum noch zu beschönigen ist- die "fliegenden Pressekonferenzen" des Papstes helfen der Kirche nicht. Sie erfordern jedesmal eine intensive Nachbereitung des "was hat er gesagt und was hat er wirklich gemeint", deren Ergebnis allerdings die weltlichen Medien kaum noch erreicht noch sonderlich interessiert. Die Schlagzeilen sind längst geschrieben und das Interesse gilt anderen Neuigkeiten.
Hier geht´s zum Original: klicken

"TRUMP, ZIVILE EHEN, EMPFÄNGNISVERHÜTUNG: PAPST FRANZISKUS LÄSST DIE HALBE WELT DISKUTIEREN"
Früher oder später wird einer der großen Kommunikationsexperten im Vatican sich fragen müssen, ob die "fliegenden Pressekonferenzen" des Papstes der Sache der Kirche wirklich dienlich sind. Jedes mal, pünktlich gibt es Aussagen, die eine endlose Polemik nach sich ziehen, die in den Medien dazu dienen, die wahren Inhalte der gerade beendeten Reise und andere Erklärungen und Äußerungen der Begegnung mit den Journalisten zu verdecken, die eigentlich erinnnerungswürdig wären.
Schließlich beschränkt sich die Pressekonferenz niemals nur auf die Inhalte der Reise  die Fragen füllen einen 360°-Horizont aus und deshalb multiplizieren sich die Möglichkeiten eines "Unfalls", auch weil die informelle Modalität der Begegnung und der sehr familiäre Stil von Franziskus die Präzision der Antworten  zu sensiblen Themen oder Fragenkomplexen nicht erleichtert.

Die lange Pressekonferenz auf dem Rückflug von Mexiko vorgestern Abend war dafür offensichtlich eine neue Bestätigung,
Niemand wird sich der schönen, den mexikanischen Volk gewidmeten Worte erinnern oder des tiefschürfenden Kommentars zu den neuen Meldungen in der Presse über die Freundschaft von Johannes Paul II zu der amerikanischen Philosophin polnischen Ursprungs, Anna Tymienieckas,
Seit vorgestern Abend haben alle Zeitungen die kämpferischsten, in einigen Fällen unglücklichen Passagen der Pressekonferenz auf ihren Titelseiten

Hier 3 Beispiele dafür:
das harte Urteil über den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, die Frage der Zivilen Ehen in Italien und die Möglichkeit von Abtreibung und Empfängnisverhütung, um die Folgen des Zika-Virus zu vermeiden,

Der Papst verzeiht Trump nicht den Plan, eine 2500 km lange Mauer an dieser Grenze, an der er die Hl.Messe gefeiert hat, zu bauen " Wenn er diese Dinge gesagt hat, ist er kein Christ"  sagte Franziskus, wobei er gleichzeitig betonte, sich nicht dazu äußern zu wollen ,ob es für einen Katholiken legitim sei oder nicht, für ihn zu stimmen,.
Die Richtigstellung verlor sich im Leeren, die "Exkommunikation" von Trump ist mit vollem Gewicht in den Wahlkampf  um das Weiße Haus eingegangen und der republikanische Kandidat hat nicht gezögert, zu antworten- offensichtlich in seinem wenig respektvollen Stil- die Rollen und Umstände betreffend " sie benutzen ihn als Pfand und sie sollten sich schämen" "für einen Religionsführer ist es eine Schande, am Glauben einer Person zu zweifeln."
Es sieht so aus, als solle diese Frage noch eine Weile vorangetragen werden, und so ernsthafte Überlegungen zur Immigration überdecken, eine verpaßte Gelegenheit.



Diese politische Intervention steht dafür im Gegensatz zur Indifferenz gegenüber der Debatte zur "Ehe für
alle" in Italien: "Ich weiß nicht,wie die Dinge im italienischen Parlament sind, der Papst mischt sich nicht in die italienische Politik ein"  hat er gesagt.
Und nachdem er daran erinnert hat, daß es die italienischen Bischöfe sind, die  sich um die italienische Regierung kümmern müssen, hat er hinzugefügt: "Der Papst ist für die ganze Welt da, er kann sich nicht in die konkrete Innenpolitik eines Landes einmischen, das ist nicht die Rolle des Papstes. Was ich denke, ist das,, was die Kirche denkt und das habe ich bei vielen Gelegenheiten gesagt. Weil es nicht das erste Land ist, das diese Erfahrung macht- es sind viele. Ich denke das, was die Kirche immer gesagt hat."

Auf eine weitergehenden Frage antwortete Franziskus, er könne sich nicht erinnern, was die von Kardinal Ratzinger unterschriebene Note von 2003 über die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe sagt, in der klar darauf hingewiesen wird, daß ein katholischer Politiker nicht zugunsten solcher Gesetze stimmen darf.
Der Papst hat sich im Gegenteil aus der Affaire gezogen und auf der Stelle bekräftigt, daß ein katholischer Politiker seinem eignen "gut ausgebildeten Gewissen" folgen müsse, eine Aussage, die mit der Schlußfolgerung der Ratzinger-Note übereinstimmt, aber mit einer für die meisten unverständlichen Erklärung, die Übertreibungen zuläßt.
Es ist offensichtlich, daß sofort danach die Interpretationen begannen, um  zu versuchen, zu verstehen welche Seite aus seiner Erklärung Profit ziehen könnte.
Und trotz der gegenteiligen Absicht  sind einige Worte des Papstes dazu bestimmt, in der Debatte der kommenden Tage Gewicht zu haben,

Aber aus einem rein katholischen Gesichtspunkt sind die Worte mit der größten Auswirkung die, die sich auf das Zika-Virus beziehen. Alle Medien sprechen von einer Öffnung des Papstes für die Empfängnisverhütung, auch wenn es nicht ganz so ist. 
Aber zur größeren Klarheit hier noch einmal der ganze Text der betreffenden Frage und der Antwort:

Frage: "Heiliger Vater, seit einigen Wochen gibt es große Unruhe in mehreren lateinamerikanischen Ländern aber auch in Europa wegen des Zika-Virus. Das größte Risiko soll es für schwangere Frauen darstellen, es gibt Ängste. Einige Fachleute schlagen Abtreibung vor, oder eine Schwangerschaft zu vermeiden. In diesem Fall- kann die Kirche das kleinere Übel akzeptieren?"

Antwort: "Die Abtreibung ist nicht das kleinere Übel. Sie ist ein Verbrechen. Es ist das Töten um einen anderen zu retten. Das macht die Mafia. Es ist ein Verbrechen, das absolut Böse. Und was das geringere Übel angeht, eine Schwangerschaft zu vermeiden, ist ein Fall- sagen wir ein Konflikt zwischen dem 5. und 6. Gebot.
Paul VI-der Große- hat in einer schwierigen Situation den afrikanischen Schwestern im Fall einer Vergewaltigung den Gebrauch von Kontrazeptiva erlaubt. Man darf das Schlechte,eine Schwangerschaft zu vermeiden, als solches nicht mit der Abtreibung vergleichen.
Abtreibung ist kein theologisches Problem. sie ist ein menschliches Problem, ein medizinisches Problem. Man tötet eine Person, um eine andere zu retten-im besten Falle-, oder um sich aus der Affaire zu ziehen.
Sie ist gegen den hippokratischen Eid, den die Ärzte leisten müssen ( in D schon lange nicht mehr). Und offensichtlich.. so wie es ein menschliches Böses ist- wie jeder Mord- ist es verdammt.
Dagegen ist eine Schwangerschaft zu vermeiden, nicht das absolute Böse, und in einigen Fällen-wie in dem des seligen Pauls VI. war das klar. Im Übrigen möchte ich die Ärzte auffordern, alles zu tun, um einen Impfstoff gegen die beiden Mücken, die diese Krankheit bringen, zu finden, man muß daran arbeiten..."

Die Tatsache einmal beiseite gelassen, daß das Zika-Virus wie eine geplante Operation erscheint, um die Anti-Abtreibungsgesetze in Lateinamerika aus den Angeln zu heben, stellen wir fest, daß der Papst nirgends von Empfängnisverhütung spricht. Er spricht davon, daß es völlig legitim sei,eine Schwangerschaft zu vermeiden-aus bestimmten Gründen und unter Respektierung des natürlichen Zyklus. Eine Schwangerschaft vermeiden ist kein Synonym für Empfängnisverhütung, weswegen es in Wirklichkeit keinen Konflikt zwischen dem 5. und 6. Gebot gibt.
Selbst in dem zitierten Fall der afrikanischen Schwestern  kann man nicht von Empfängnisverhütung sprechen, weil diese einen freiwilligen sexuellen Akt voraussetzt, den man absichtlich von der Procreation ausschließt (Humanae Vitae §14)
Im Fall der Nonnen im Kongo waren sie der Gefahr der Vergewaltigung ausgesetzt- es ging also nicht um einen freiwilligen sexuellen Akt. Ohne in Rechnung zu stellen, daß eine Vergewaltigung etwas ganz anderes ist als das -noch nicht bewiesene -Risiko ein behindertes Kind zu bekommen.

Das Problem ist, dass es in einer Gesellschaft wie der unsrigen wegen der dominierenden Mentalität
unmöglich ist, eine Botschaft an die öffentliche Meinung passieren zu lassen, die alle diese Unterscheidungen macht, ebenso wie die Kenntnis der Fakten und dessen, was passiert ist voraussetzt.
Die Sprache der Journalisten macht den Rest: Eine Schwangerschaft vermeiden kann man ( und das scheint die Neuheit zu sein), die Nonnen haben Kontrazeptive benutzt:  also in bestimmten Fällen erlaubt der Papst die Empfängnisverhütung.
Der Papst hat es nicht gesagt, aber das ist die Botschaft, die ankommt. Und darüber hinaus man kann erwarten, daß die, die in Lateinamerika darum kämpfen, die Empfängnisverhütung zu verbreiten, diese Worte zu ihrem Vorteil benutzen werden,
Kommen wir zu unsere Frage vom Anfang zurück: sind wir sicher, daß die Pressekonferenzen der Mission der Kirche dienen?"

Quelle: La Nuova Bussola Quotidiana, Riccardo Cascioli



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