Dienstag, 2. Februar 2016

E.G. Tedeschi: Der Teufel hat sich zur Ruhe gesetzt

Ettore G.Tedeschi hat nicht nur eine ironische Erklärung für die globale Klima-Erwärmung, der Ex-Präsidetnt des IOR hat sich auch Gedanken über den Zustand der Kirche und der Welt gemacht.
Sandro Magister berichtet bei www.chiesa darüber. Hier geht´s zum Original:   klicken

Ettore Gotti Tedeschi: "DER TEUFEL HAT SICH ZURÜCKGEZOGEN"



"Direkt nach dem Titel zu urteilen; hat das letzte Interview in Buchformat mit Ettore G. Tedeschi zumindest eines mit dem Predigen von Papst Franziskus gemeinsam: die Zentralität einer Figur, die auch eine führende Rolle in der Bibel spielt: des "Fürsten der Lügen"

Gotti Tedeschi ist sehr ein Banker sui generis, ein glühender Katholik und Humanist, Ein bißchen ein Einzelgänger, zögerlich sich dem Team anzuschließen. Als er 2009 in den Vatican gerufen wurde, um dem Institut für die Religiösen Werke, IOR, vorzustehen, hat er den Posten mit der absoluten Hingabe eines Mannes angenommen, der "Eunuch um des himmlischen Königreiches willen wird" - in diesem Fall um die in Auflösung begriffene Quasi-Bank der Kirche zur Tugend zurück zu führen.

Und sie haben ihn auf kurzem Weg hinausgeworfen- 2012. Er sagt im Buch nicht, wer es war. Weil das letztlich sekundär ist. Was aber keineswegs marginal ist, ist der Steinerne Gast, der auf jeder Seite lauert, der Teufel, den Gotti Tedeschi "den großen Pensionär" nennt, weil er inzwischen so von Fans belagert wird, daß er sich gar nicht mehr bemühen muß, die Hölle zu füllen.

Die wirklichen Wurzeln der weltweiten Unordnung - sagt G. Tedeschi - sind moralische und letztlich theologische. Die Wirtschafts-und Umweltkatastrophen sind nicht die Gründe sondern die Symptome.
Aber da ist nichts Trauriges oder Resigniertes in seinen Worten. Der Teufel nimmt es leicht, aber da ist immer einer, der seine Arbeit fortführt, erleuchtet und am Ende gewinnt und das ist die Göttliche Vorsehung, Dank derer auf geheimnisvolle aber unfehlbare Weise alle Dinge "cooperantur in bonum".

Der Dialog zwischen Gotti Tedeschi und seinem Interviewer ist durchwoben von Überlegungen die unkonventionell, ironisch und überraschend sind. Aber das Material hat Substanz: Wirtschaft, Umwelt, Kirche, Katholischer Glaube. Mit abweichenden Punkten der oft ungetreuen Erzählung- die weltweit Papst Franziskus umgibt.

Dem er den kindlichen Respekt und Gehorsam erweist, ohne jedoch zu verbergen, daß die  Personen, die er unter den spirituellen Persönlichkeiten in der obersten Spitze der Kirche am meisten bewundert die Kardinäle Robert Sarah, Carlo Caffarra, Gerhard Müller, Raymond Burke, und George Pell sind -den letzten, das betont er, als Theologen.




Es folgen 2 Ausschnitte aus dem Buch, zwei delikate Punkte:  der Rauswurf aus dem IOR und die Enzyklika Laudato Si´.

Vom Geschäft eines Teufels
über seinen Hinauswurf als Präsident des IOR.

Frage: "Was würde Sie glücklich machen?"

Antwort Tedeschi: "Eine Unterhaltung mit Thomas Morus, mit Antonio Rosmini,...der Hl.Thomas Morus ist der Bezugsheilige für mein Leben. Ich wäre glücklich gewesen, auf eine so transparente Weise zu enden wie er es tat: auf dem Schafott für meine Überzeugung - lieber als diffamiert zu enden und der Diffamierung durch Kirchenmänner preisgegeben - ohne auch nur etwas Ähnliches wie einen Prozess. Ein Privileg das der Hl. Thomas Morus wenigstens hatte (und das er sogar genossen hat - so wie ich es genossen haben würde).

Ein anderer ist der Selige Antonio Rosmini, anerkannt als Mann des Glaubens und voller Liebe für die Kirche - nur 120 Jahre nach seiner Erniedrigung. Ich - ohne mich und meine Arbeit mit denen Rosminis vergleichen zu wollen, die er unternahm um "Die 5 Wunden der Kirche" zu schreiben, werde weitere 117 Jahre warten müssen. Sogar der Selige Tonioli wurde diskreditiert und verfolgt, trotz der Tatsache daß er der Kirche mit Glauben, Kompetenz und Passion gedient hatte.

Frage: "Aus Ihren Worten kann man dennoch Bitterkeit heraushören. Ist es wirklich möglich, denen zu vergeben, die uns Böses tun? Und wenn ich das fragen darf - haben Sie immer vergeben?"

Antwort Tedeschi: "Natürlich können wie denen vergeben, die uns Böses tun: wir müssen Christus imitieren oder besser versuchen, ihn zu imitieren. Ich kann nicht sagen, ob es leicht ist oder nicht, ich weiß nur, daß wir unsere ganzes Leben lang kämpfen müssen, es zu tun.
Natürlich ist es für uns selbst ziemlich schwierig, ich schlage vor, Hilfe bei einem Spirituellen Führer zu suchen, der weiß, wie man eine Beichte leitet, Meditationen leitet, das Gebet lehrt, ich schlage vor, zur Praxis des ständigen Zurückgreifens auf unseren (vergessenen) Schutzengel  zurückzukehren und ihn um Rat zu bitten, Die Gnade wird kommen.
Nein, ich habe nicht immer vergeben. In dem spezifischen Fall, auf den Sie sich beziehen, ohne íhn zu zitieren ist das Problem komplex. Sehr komplex. Ich kann aber sagen, daß ich einigen vergeben habe, anderen noch nicht. Aber was ist wahres Vergeben?  Es ist die Remission, die Absolution einer Verletzung, einer Sünde: das ist die Sicht der Kirche. Das Vergeben das eine verletzte Person dem geben kann, der sich selbst mit dieser Verletzung befleckt hat, ist etwas anderes.
Es kann bedeuten, eine Entschuldigung für ihr Verhalten zu suchen, und Haß und Abneigung  nicht beizubehalten. Wahres Vergeben kann darin liegen, zu wissen wie man für die betet, die einen verletzt haben, für ihr Wohl. Das konnte ich tun, aber nicht ohne immer die Wahrheit auszusprechen. [...]

Frage "Sie haben mit einer so einzigartigen Persönlichkeit  wie Papst Benedikt gearbeitet, gibt es da etwas was Sie in Bezug auf die Ereignisse um ihre Präsidentschaft  des IOR und Ihr Abtreten sagen möchten? Welches Christliche Zeugnis haben Sie von ihm empfangen?

Antwort:  "Mein Zeugnis ist zweifach.  Da wo viel Gutes ist, ist auch immer viel Böses. Aber die Heiligen sind immer mit uns - gerade so wie die Klausurschwestern, die für die Kirche beten und sie sind diejenigen, die uns Hoffnung geben. Deshalb bin ich dem Rat einer der heiligen Schwestern gefolgt, einer Benediktiner-Äbtissin, die einmal zu mir sagte: "Ihr Wunsch nach Wahrheit und Gerechtigkeit ist legitim aber es ist mehr Verdienst darin, es abzutöten und Gott für die Kirche aufzuopfern." Ich habe diese zweite Alternative gewählt.
Dann eine zweite Überlegung - die ich heute habe:  es ist leichter, in der Kirche Böses als Gutes zu tun.
Das hätte ich gern Papst Franziskus gesagt, wenn er willens gewesen wäre, mich zu empfangen. Etwas , das nie passiert ist.
Benedikt wollte eine exemplarische Kirche. Wenn es diese Ereignisse und Personen, an die ich lieber nicht denken möchte, nicht gegeben hätte, würde sein Pontifikat als das "Benedikts XVI, des Großen" definiert worden. Aber das wird auf alle Fälle sowieso passieren: der Heilige Geist ist ein großer Verleger, auch wenn Er publiziert, wenn Er es will, ohne Ratschläge von der säkularen progressiven Presse anzunehmen."

ZUR ENZYKLIKA "LAUDATO SI´"

Frage
: " Was denken Sie über die Enzyklika von Papst Franziskus "Laudato Si´"? "

Antwort: "Ich denke, es ist nicht leicht zu verstehen wer in ihr als verantwortlich für die in ihr beschriebene Schädigung der Umwelt angesehen wird.  Ich hoffe in naher Zukunft die Gelegenheit zu haben, diese Enzyklika in akademisch-klerikalen Kreisen zu kommentieren. ich werde mit dieser Frage beginnen: "Wer ist Ihrer Meinung nach verantwortlich?"  Das wird ein Spaß."

Frage: "Lassen Sie uns mit dem Spaß sofort beginnen. Wer ist verantwortlich?"

Antwort: Ich stelle fest, daß es dem wenig informierten oder für diese Probleme wenig sensiblen Leser paradox erscheinen wird, aber ich will es versuchen. Verantwortlich ist die Gnostik. der Neo-Malthusianismus und die environmentalistische Kultur, die sich jetzt erlaubt, den Papst zu bitten sich zu engagieren.
Mit environmentalistischer Kultur meine ich die mit den naturalistischen und pantheistischen Visionen, die den Menschen als Krebsleiden der Natur ansehen, der durch sein uneingeschränktes Konsumieren und seine Indifferenz gegenüber der selbst produzierten Verschmutzung - besonders wenn er (eine Frau) heiratet und Kinder bekommt, schadet und je mehr er produziert den Niedergang der Umwelt bewirkt.

Diese Umweltaktivisten geben ein kuscheliges Paar mit der Neo-malthusianischen Kultur ab, die zuerst in den 70-er und 80-er Jahren des vorigen Jahrhunderts in der wohlhabenden westlichen Welt das Gefühl einer Anti-Procreation  hervorrief, dessen Konsequenzen wir bis heute ertragen müssen.

Aber warum beschuldige ich diesen Environmentalismus? Weil er durch seine Entmutigung sich fortzupflanzen, den Kollaps des Bruttosozialproduktes bewirkte, dem automatisch der Rückgang des privaten Konsums folgte. Um den dennoch zu befriedigen, wurde die Produktion in asiatische Länder outgesourced - um die Preise niedrig zu halten und die Kaufkraft der Konsumenten zu erhöhen und deshalb zu mehr und mehr Konsum zu bringen. Diese asiatischen Länder waren - sagen wir es mal so - weniger empfindlich und technisch weniger vorbereitet auf die Umweltprobleme - mit dem Resultat, daß unter der Entschuldigung, die Umwelt zu schonen, sich die Schäden verschlimmerten. Um sie nicht dadurch weiter zu verschmutzen, Kinder zu haben, wurde mehr Verschmutzung produziert - durch wachsenden Konsum - um den Kollaps der Geburtenraten zu kompensieren.

Aber was mich am meisten überrascht,  ist zu sehen, daß die Neo-malthusianischen Umweltaktivisten gerufen wurden, um an der Enzyklika selbst mitzuarbeiten. Glücklicherweise blieb der Geist des Lehramtes intakt , auch wenn es die meisten Beobachter nicht wenig Mühe kostete, ihn zu finden, oder eher dem Zweifel, ob er da sei, den Vorzug zu geben,"

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Die letzten Zeilen wiederbeleben  Ettore Tedeschis Streit mit dem Neo-Malthusianer und Umweltaktivisten Jeffrey Sachs, der in der Tat während der Monate, in denen die Enzyklika "Laudato si´ "geschrieben wurde, wiederholt in den Vatican gebracht worden war."

Quelle: www.chiesa. L´Espresso Sandro Magister









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