Freitag, 26. Februar 2016

Ein gelungenes Psychogramm der Progressisten des "zurück in die 70-er Jahre"


Im blog "Senza peli sulla lingua"  hat Pater Giovanni Scalese ein bemerkenswertes Psychogramm der "Progressisten" in der Kirche veröffentlicht, das - im Gegensatz zum Sprachgebrauch der MSM- die Dinge vom Kopf auf die Füße zurückstellt und er fragt, wie kann es sein, daß die alten Rezepte von vor 50 Jahren als neu und modern verkauft werden können, obwohl sie von der (Kirchen)geschichte längst überholt wurden? Wir fragen uns mit ihm und denken, daß es sich bei diesen "neuen Kleidern" womöglich um jene vielzitierten des Kaisers handelt.

Hier geht´s zum Original, das wir bei Benoit XVI-et-moi gefunden haben:   klicken
Pater Scalese greift dabei auf den Titel eines 1986 erschienenen Buches über die 68-er Jahre zurück.

"AUSSERGEWÖHNLICH DIESE JAHRE"
 (Formidabili quegli anni)
"Einige könnten sich fragen, ob der Autor in diesen Jahren des Informations-black-outs dem Schicksal der Kirche gegenüber indifferent geworden ist. Ich habe auf diesem blog (senza peli sulla lingua) oft einen der Sätze aus "Maximen der christlichen Perfektion" des seligen Antonio Rosmini zitiert: 
"Dritte Maxime: bei allem, was der Kirche durch Gottes Vorsehung passiert, in perfekter Ruhe bleiben und nach der Aufforderung Gottes für sie arbeiten". 
Und dieser Rosmini hatte die Angewohnheit, ständig zwei biblische Texte zu wiederholen:

"in silentio et in spe erit fortitudo vestra" (Jes. 30,15) und "bonum est praestolari cum silentium salutare Domini" (Klgl 3,26). In Zeiten schwerer Krisen, nützt es nichts, sich aufzuregen und den inneren Frieden zu verlieren: das hieße dem Feind, der am Ursprung der Krise steht, den Sieg zu überlassen. Besser ist es, still das Heil des Herrn zu erwarten." dem einzigen, dem die Kirche gehört.

Das bedeutet nicht, daß man aufhört zu denken und sich nach dem Sinn dessen, was passiert, zu fragen: die Suche nach der heiteren Gelassenheit des Geistes bedeutet nicht, aufzuhören geistig aktiv zu sein, Gott hat uns die Vernunft gegeben, damit wir sie benutzen, um die Wirklichkeit zu erkennen. Und die Kenntnis der Realität -welche sie auch sei - und sei sie auch die tragischste - war niemals und wird niemals damit unvereinbar sein, sich dem Willen Gottes zu überlassen, im Gegenteil.

Paulaudenece1977
 Quelle: Ambrosius007 in der Wikipedia auf Englisch [CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons



Heute hat Sandro Magister bei www. chiesa einen Artikel veröffentlicht, in dem er die bereits bekannte Position, die Bischof Marcello Semerano zur Kommunion für die wiederverheirateten Geschiedenen vertritt, kommentiert. Um diese Möglichkeit zu unterstützen nimmt man Bezug auf eine angebliche "probata Ecclesiae praxis in foro interno" die während der 70-er Jahre in Gebrauch gewesen sein soll.
Seit einiger Zeit habe ich über die Tendenz nachgedacht, die sich in den letzten Jahren entwickelt hat, sich auf die -wie Magister sie nennt-  "die glücklichen 70-er Jahre" zu berufen


Ich weiß nicht warum, aber mir ist dabei das Buch von Mario Capanna " Formidabili quegli anni" in den Sinn gekommen, das sich mit den Herausforderungen von 68-er  auseinandersetzt.

Ich glaube, daß es heute in der Kirche eine große Nostalgie nach diesen Jahren gibt, die dem Ende des II. Vaticanischen Konzils folgten. Das war die Epoche der großen Erwartungen und der großen Hoffnungen.
Der Frühling begann mit dem Konzil, seine Strahlen auszusenden, die Knospen begannen sich zu öffnen, die Wiesen bedeckten sich mit Blumen.... Alles ließ hoffen, daß die Kirche sich -endlich nach Jahrhunderten des Obskurantismus- verjüngen werde, sich mit der Welt versöhnen und ein offenes Haus für alle Menschen guten Willens werden würde.
Aber dann -unvorhergesehen- kam der Herbst, ein langer unendlicher Herbst, der schließlich in einen eisigen Winter überging.

Gott sei Dank ist seit 3 Jahren der Winter vorbei. Der Frühling ist zurück gekommen und deshalb müssen diese formidablen Jahre auch wieder kommen, um den Weg dort wieder aufzunehmen, wo man ihn verlassen hatte, und das vergangene halbe Jahrhundert in Anführungszeichen zu setzen. Man muß es nicht leugnen, es genügt, es zu ignorieren, als sei es nie gewesen.
Es ist ziemlich verständlich, daß die, die in ihrer Jugend besiegt worden waren und ihr ganzes Leben in der Nostalgie nach der schönen, vergangenen Zeit gelebt haben, in ihrem Ressentiment - besiegt worden zu sein und in Erwartung des Tages der Revanche -jetzt- da dieser Tag gekommen ist, wenn auch mit etwas Verspätung - es eilig haben, das in die Tat umzusetzen, was noch im Ungewissen war, um zu zeigen, daß ihr Rezept das gute war.
Aber ich stelle die Frage: ist es vernünftig, sich so zu verhalten?
Vorsicht: ich frage nicht, ob es legitim ist. Das wäre zu schwer zu beantworten, und außerdem habe ich keinerlei Kompetenz, um das zu tun. Ich beschränke mich nur darauf, zu fragen, ob es vernünftig ist. Ist es vernünftig zu denken, daß man die Zeiger der Uhr zurückstellen kann und so zu tun, als habe es die vergangene Zeit niemals gegeben?

Es ist eine in der Geschichte wiederkehrende Illusion. Denken Sie an die Renaissance:  man gab sich der Illusion hin, in die klassische Antike zurückzukehren, indem man 1000 Jahre in die Parenthese der Finsternis setzte: das Mittelalter.
In der selben Zeit dachte der Protestantismus (nicht der christliche Humanismus), zum Evangelium in seiner originären Reinheit zurückkehren zu können. Diese Illusion wird heutzutage auch von einigen Traditionalisten genährt, die denken, um die Kirche zu retten, müsse man zum Konzil zurückkehren,
Aber offensichtlich ist es auch die Illusion derer, die sich für Progressisten und das für progressiv halten, was man vor 50 Jahren dachte und tat.


  
Die Geschichte bleibt nicht stehen und geht nicht rückwärts. Die Kirche hat während dieser 50 Jahre einen Weg zurückgelegt, es wäre sinnlos, das zu ignorieren.
Das bedeutet nicht, daß alles was seíther passiert ist, richtig ist, es kann Irrtümer gegeben haben, die man berichtigen muß. Aber es hat auch viele Errungenschaften gegeben, die nicht mehr in Frage gestellt werden können. In diesen 50 Jahren haben die Päpste, die aufeinander folgten (unterschiedlich aber in substantieller Kontinuität) mit ihrem Lehramt die katholische Doktrin vertieft (darf man das noch sagen?).
Mir scheint es eher schwierig vorzugeben, daß man zur Periode zurückkehren könnte, die unmittelbar auf das Konzil folgte, in der es legitim erschien, alles in Frage zu stellen, so als ob man die schon seit langem entschiedenen Fragen noch einmal neu beantworten müsse.
Und vor allem heute die selben Rezepte vorzuschlagen wie vor 50 Jahren, so als ob sie niemals angewandt worden wären, zeigt entweder einen bösen Willen oder einen Mangel an Urteilsvermögen. Schieben wir den bösen Willen einmal beiseite, über den wir nicht urteilen können, bleibt die Unfähigkeit sich umzusehen und die Geschichte zu "lesen".

Wenn es wahr ist, daß die Führer der Kirche die Rezepte, die damals vorgeschlagen wurden, weggelegt und vorzogen haben dem holprigen Pfad der Tradition zu folgen, ist es auch wahr, daß diese Rezepte auf lokaler Basis appliziert wurden. Und wir haben gesehen mit welchen Ergebnissen. Denken wir an die Niederlande (dieses Jahr besteht der Neue Katechismus seit 50 Jahren), Belgien, Frankreich, Deutschland, man hätte erwarten können in diesen Ländern eine --- Kirche zu finden, aber man sieht nichts als ... Wüsten.






Es gibt noch einen anderen Aspekt, den die Erneuerer, denen es jetzt nach so vielen Jahren gelungen ist, die Macht in der Kirche zu übernehmen, geneigt sind, zu vernachlässigen.

Die Päpste, die im Verlauf dieser Jahre einander folgten und ein imposantes corpus doctrinal hinterlassen haben, ihre Spuren auch in der lebendigen Kirche hinterlassen haben: sie haben Generationen von Gläubigen geformt, die sich auf unumkehrbare Weise mit ihnen verbunden fühlen - als ihren Vätern.
Die jüngsten Priester der Kirche von heute, wann haben sie die Berufung zum Priestertum wahr- und angenommen?
Die Laien des Famíly-Day - in welcher Kirche sind sie erwachsen und geformt worden?
Glauben Sie, daß es leicht ist, diese Generation von Katholiken wegzuwischen, die gezeichnet sind von dem, was die verschiedenen Päpste in ihnen hinterlassen haben?
Eine wiederkehrende Anschuldigung aus dem Mund der Erneuerer ist, daß die "alte" Kirche ideologisch sei. Sie machen sich nicht bewußt, daß - wenn es eine Ideologie gibt - dann genau ihre Formeln und Denkmodelle, die selben wie vor 50 Jahren sind.

Quelle: Senza peli sulla lingua, Pater Scalese, Benoît XVI-et- moi

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