Samstag, 6. Februar 2016

Eine Legende stimmt gar nicht, so eine Enttäuschung :-D Bisschen was über die Fasenacht.

Nun wir sind ja in der sogenannten 5. Jahreszeit angekommen, die, je nach Region Fasching, Fasnacht, Fasenacht, Fastnacht oder Karneval heißt.
Persönlich weiß ich ja nie, ob es mir gefällt oder nicht, weiß genug und noch einige dazu, Gründe dagegen zu sein, habe jedoch irgendwie eine Ader dafür.
Scheint daran zu liegen, dass mein Geburtsort in der Nähe des Rheins liegt, muss was im Wasser dort sein. Vielleicht Spätwirkungen des Nibelungengoldes! :-D
Ich finde den Kölner Fasching frohsinniger als den Mainzer,  der doch als Grundstimmung eine gewisse Melancholie hat, während dem Kölner Karneval das bekannte "es is, wie es is, es kütt wie es kütt und es ist noch immer jud jejange!" zugrunde liegt.

Nun lassen wir das, halten wir fest, dass ich immer mitsingen muss (schäm, rotwerd) wenn irgendwo diese Karnevalsschlager gesungen werden.
Die Fasenacht hat bekanntlich drei Wurzeln, die heidnische, wo man versucht, mittels Radau und schrecklichen Masken, den Winter also richtiger die bösen Kältegeister auszutreiben,.
Ich frage mich ja immer, ob das jemals jemand wirklich geglaubt hat, dass es nur deshalb Frühling wird, weil man lärmend und verkleidet durch die Gegend zieht? Aber es macht schon irgendwie Spaß und ist, im Grunde ja auch harmlos.
Und wenn wir nun beim Spaß sind, so sind wir bei der christlichen Begründung für die Fasenacht angelangt.

Die Wortbedeutung ist "Nacht vor dem Fasten" und das Wort Karneval kommt von carne vale, was bedeutet, dass nun das Fleisch aus dem Speiseplan weicht.
Fasten ist einfach Fasten, allen aufmunternden Worten zahlloser Gemeindereferentinnen zum Trotz. Für mich ist Fasten nicht nett, auch und wenn es positive Aspekte figürlicher Natur hat.
Ich komm mir eh immer vor, wie bei einer schlechten Büttenrede, wenn mir am Aschermittwoch erzählt wird, was für eine frohe, schöne, gute, wohltuende Zeit nun mit der Fastenzeit beginnen würde, finde das immer leicht absurd, weil wenn es so toll ist, warum heißt es dann Zeit der Buße, bzw Fastenzeit?
Auf jeden Fall sah man das früher mit dem Fasten nicht wie die Heilpraktiker und Hungerkünstler, sondern eher wie ich, als unangenehm, wenn auch nicht verkehrt.
So feierte man vorher noch mal kräftig, aß und trank und lief verkleidet durch die Gegend, machte Radau und amüsierte sich prächtig,



Und nun kommen wir zur dritten Wurzel der Fasenacht, der politischen.
Es gibt nicht erst seit heute Leute, denen das alles zu weit geht, die finden unter der Maske werde zuviel Unfug getrieben, das Ganze sei gefährlich und gehöre verboten.
Und unter der französischen Besatzung unter Napoleon (1801 - 1813) schritt man auch zur Tat und verbot den ganze Spuk, zumindest in Mainz, kurzerhand.
Als die Franzosen dann abzogen, machte man sich mit den zurückgelassenen Uniformierteilen  einen Scherz und führte die in den Umzügen `mit.
Das  ist die Grundlage für die Uniform der Funkemariechen und auch der Elferrat bei den berühmten Sitzungen, stellt eine Veräppelung der Regierung dar.
In Köln waren es wohl eher die Preußen, denen  der Karneval ähnlich suspekt war, wie den Franzosen, einige Jahre  vorher in Mainz, weswegen sie immer wieder andeuteten, ihn zu verbieten zu wollen.

Weil, wie man hier nachlesen kann, haben die Franzosen in Köln den Karneval soweit akzeptiert, dass sie am Ende sogar daran teilnahmen, Und damit in Köln, eher die Preußen das Muster für die Tanzmariechen und den Elferrat stellten.
Was die Maanzer Fassenacht angeht, so kann man hier nachlesen.
Fakt ist wohl, es ging immer hin und her und artete wohl auch oft aus.
Neulich erzählte mir ein alter Mann, dass sein Großvater aus dem Kölner Karnevalsverein unter Protest ausgetreten war, weil  man anfing die Büttenredner zu bezahlen und das ganz gegen den Geist des Karnevals sei, für Geld zu reden.
In der Mainzer Gegend und in der Pfalz hält sich hartnäckig die Legende, dass der klassische Karnevals Schlager der Narrhallamarsch, aus folgendem Grund entstanden sei.
Der französische Statthalter in Mainz, ein Herr Ricambeau habe die Fassenacht verboten, darauf seinen die Mainzer vor seine Residenz gezogen und haben gesungen "Ricambeau, Ricambeau,  moije fängt die Fasenacht o..."
Leider gab es keinen wichtigen Franzosen in der Zeit in Mainz, der Ricambeau oder so ähnlich geheißen hat, so geht es halt mit den Legenden, nicht nur den christlichen, dass sie oft gar nicht komplett wahr sind, sondern nur einen wahren Kern enthalten

Fassen wir zusammen, nicht erst seit neulich gibt es Fassenachtsmuffel, die finden es sei eine unsittliche Sauforgie, die man besser meidet, nicht erst seit gestern hat man Bedenken, dass unter den Masken, sich Leute mit bösen Absichten verbergen und ja auch schon früher waren diese Bedenken nicht einfach nur Erfindung.
Aber man muss auch bedenken, dass das Böse, nach dem heiligen Augustinus, keine eigenständige Kategorie ist, sondern das schlecht gewordenen Gute.
Also nur etwas schlecht werden kann, was eigentlich gut ist.
In diesem Sinne: allen unseren Lesern ein dreifach donnerndes Helau und Alaf

Und zum Trost in unseren Zeiten, vom Altmeister der Maanzer Fasenacht, vun denen Neschers ihrm Ernscht:



dd



P.S ganz persönlich bin ich der Ansicht, dass wahre Karnevalisten oder Fasenachter, die klarerweise selten sind, ganz ernste, tiefe, weise Menschen sind, und nur deshalb so unbeschwert schunkeln und lachen können.
Wer denkt, es geht bei der Fassenacht nur um den Fez, der hat nichts verstanden, aber das Leben ist so gestrickt, dass man es schon lernt.

Daher hier noch mal, nach dem Potpourri, das Lied mit dem Ernst Neger berühmt wurde, einfach, fast  doof und dennoch weise, Fasenacht halt!


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