Samstag, 13. Februar 2016

Ist der Karneval wirklich vorbei?

In unserem Dorf, das ja nicht so sehr von der Fastnacht geprägt war - es gab ja bei uns Evangelischen damals keine Fastenzeit - fand einmal pro Saison ein Faschingsball statt - immer zum Kehraus am Faschingsdienstag. Wir alle hatten einen Riesenspaß, uns Kostüme auszudenken, in denen wir uns möglichst unerkannt ins Faschingstreiben stürzen durften. Zu Mitternacht mussten die Masken runter, denn da war alles vorbei.

Aber in diesen Zeiten ist alles ganz anders - da bekommt man den Eindruck, dass die Masken manchmal gewechselt, aber nie abgelegt werden. Die turbulente Faschingszeit in unserem Land und in unserer Kirche scheint einfach kein Ende zu nehmen.

Das konnte man in den letzten Tagen deutlich sehen ... noch in der Karnevalszeit konnte sich so mancher hinter einer undurchdringlichen Maske verstecken. So durfte ich z.B. am Faschingsdienstag eine Predigt hören, die keinen Unterschied zu einer Bundestagsrede eines (heute ist es ja fast egal) Politikers machte. Man hörte dort das, was uns beim Einschalten der "tagesschau" täglich ins Wohnzimmer gebracht wird ... mit Aussagen, über die man besser den Mantel des Schweigens deckt. Dass dann einige nach der Predigt geklatscht (!) haben, zeigt, dass es doch noch viele "tagesschau"-Seher oder SZ-Leser gibt, die es wegen der schönen Musik auch mal in die Kirche zieht. So endete die Predigt mit einem Amen (obwohl man vorher von Gott überhaupt nichts gehört hatte). Aber was hätte er auch sagen sollen. Das faschingsmäßige "Helau" wäre doch auch sehr unpassend gewesen ob des politischen Kommentars. So war es gut, dass direkt nach der Predigt das Credo aus Mozart's "Krönungsmesse" ertönte. Es war, als ob man den Umschaltknopf betätigt hätte.

Derweil hatte es einen Tag vorher ja einen riesigen Frust im Rheinland gegeben. Die Absagen der Rosenmontagszüge, wegen eines leichten Windes, der in der Maske des Sturms daherkam. Da setzte man dann bei katholisch.de die Maske des Spießers auf und ließ mal wieder den Herrn Odendahl von der Leine ... der bewies, dass der rheinische Humor mit der Absage der Rosenmontagszüge komplett auf der Strecke geblieben ist. Sein Pamphlet über Katholiken, die jeden Sonntag gerne zur Messe gehen, sollte witzig sein ... aber wahrscheinlich musste der Herr Odendahl dann den ganzen Tag vor einem Loch ausharren und immer wieder hineinrufen "Witz komm raus, Du bis umzingelt". Ein solches Verhalten wird dann wohl hoffentlich mit lebenslänglichem Besuch in einer uninspirierten Garagenkirche mit "Neuen geistlichen Liedern" geahndet. Freuen wir uns für ihn.


Die Maske des Vergessens konnten wir dann am Aschermittwoch sehen. Eine eigenartige Meldung machte dann die Runde: Via Italien erreichte uns eine Meldung, dass unsere Frau Bundeskanzlerin angeblich den Papst angerufen hätte und ihm ihren Ärger wegen der Straßburger Rede klargemacht hätte. Wer hätte daran zweifeln sollen? Päpste zurechtweisen kann die Frau BK ja, nur dass es damals 2010 dokumentiert wurde und die Maske des Vergessens da nichts genutzt hätte.

Sehr beliebt sind in dieser Saison auch die Wechselmasken - die dem Träger helfen, immer das Fähnchen nach dem Wind zu drehen. Das scheint die beliebteste Maske des Vorsitzenden der DBK zu sein ... der inzwischen von seiner Forderung, doch die ganze Welt in D willkommen zu heißen zu der Maske "Begrenzung der Migration" gewechselt hat.  Das kann man hier und besonders hier nachlesen. Besonders populär waren diese Masken übrigens im venezianischen Karneval, man sieht sie aber auch als Handlungselement in Milos Formans "Amadeus":

Beispiel für eine Wendemaske! Bildquelle: Screenshot aus dem Amadeus-Trailer

Für Abkühlung in diesem allgemeinen Maskentreiben sorgte dann diese Nachricht aus dem Münchner Ordinariat: Das neue für über 100 Mio. Euro umgebaute und sanierte Ordinariat hat bereits vor Bezug einen ordentlichen Wasserschaden. Die Münchner Abendzeitung spricht sogar von "Land unter im Kirchenbau". Ich vermute jetzt mal nicht, dass der Kardinal in "seinen eigenen vier Wänden" hinter seinen diversen Masken ein derartiges Glaubensfeuer verbreitet, dass innerhalb des Gebäudes die Sprinkleranlagen ausgelöst wurden. Sieht wohl doch eher nach Pfusch am Bau aus. Und wir können uns nicht erinnern, dass es ähnliche Meldungen bisher aus Limburg nicht gegeben hat, obwohl der dortige Bau im Vergleich zum Münchner Umbau wie ein Schnäppchen anmutet.

Ja und wer nach all diesem nicht endenwollenden tollen Treiben einfach mal eine Erholung braucht, dem sei dieses Interview der Augsburger Allgemeinen mit Prälat Imkamp empfohlen. Der Mann hat aus seinem Glauben heraus mehr Humor und Stil als die ganze maskierte Karnevalsgemeinde zusammen. Und dem ist dann auch nix mehr hinzuzufügen.




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