Montag, 15. Februar 2016

Das Treffen von Havanna: John Allen mahnt zur Vorsicht

John Allen macht sich bei "Crux" Gedanken über die Asymmetrie des Treffens von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill, die sich auch in der gemeinsamen Erklärung der beiden spiegelt. Als "alter" Beobachter -auch der Politik-hört er die Worte wohl, aber der Glaube will sich nicht einstellen. Man kann seinem Überlegungen nur möglichst viele Leser wünschen- besonders in Oltretevere.
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"GRUND ZUR VORSICHT BEI DEM TREFFEN DES PAPSTES MIT DEM PATRIARCHEN"

"Am Freitag ist in Havanna Geschichte gemacht worden, als Papst Franziskus und Patriarch Kyrill sich für mehr als 2 Stunden trafen und eine gemeinsame Erklärunge
Der kurze Zwischenaufenthalt auf Kuba vor Franziskus´ 5-tägigem Besuch in Mexiko- mit dem Freitags-Gipfeltreffen- wird zweifellos als Wendepunkt angesehen werden, wenn der Bruch zwischen Ost und West je geheilt werden sollte.
Es war eine unbezahlbare Show des Goodwill- zu einer Zeit, in der Religion oft die Quelle von Konflikten und Gewalt zu sein scheint. Es ist auch ein Hoffnungszeichen für diefenf Christen im Krieg des Mittleren Ostens, weil Franziskus und Kyrill sich einig waren, daß ihr Schutz eine gemeinsame Priorität sein wird.

Die meisten Christen in Gegenden wie dem Irak und Syrien würden wahrscheinlich sagen, es kommt nicht darauf an, was der Hintergrund des Gipfels war, wenn alles, was er bewirkt ist, die Katholischen und Orthodoxen Ressourcen zu mobilisieren, um sie am Leben zu erhalten, ist das mehr als genug.

Aber leider- und ohne auf "irgendjemandes Parade regnen zu wollen", gibt es auch gute Gründe zur Vorsicht, zu großen Teilen, weil Moskaus Motive- sowohl was die Russische Kirche angeht als auch den Kreml unter Vladimir Putin, ernsthafte Zweifel zuzulassen.
(Die Russisch-Orthodoxe Kirche ist ein enger Verbündeter Putins und die meisten Beobachter glauben, daß das Treffen vom Freitag nicht ohne dessen Ermutigung stattgefunden hätte.)

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Katholische Kirche verrenkt, um die Beziehungen zu Moskau zu verbessern. Angesichts der Angst,daß die Katholiken versuchen Orthodoxe Anbeter wegzuschnappen, z.B. weil die Kirche in Rußland unter einer Art von Kein-Wachstum-Politik stand. Die Hirten erhielten die Instruktion, Russen, die konvertieren wollten, in eine Orthodoxe Gemeinde zurück zu schicken.

Dennoch- trotz einer Reihe ähnlicher Gefälligkeiten stellen Russisch-Orthodoxe Führer regelmäßig Feindseligkeit zur Schau.Sie bestehen darauf, daß die Östlichen Katholischen Kirchen, die Orthodoxen Traditionen folgen, aber in Kommunion mit dem Papst sind, ein Trojanisches Pferd seien, das ihre Gläubigen abschöpfen soll. Sie beklagen sich über Katholisches Eindringen in ihr "kanonisches Territorium" in der Ukraine, Weißrußland und Rußland, auch wenn sie keine Hemmungen zeigen, "Läden" in Westeuropa und Lateinamerika zu eröffnen.

Viele Rusisch-Orthodoxe haben auch einen getrübten Blick auf Katholiken. Besonders Orthodoxe Offizielle legten im Vorfeld Wert darauf, daß Kyrill nicht mit Franziskus beten werde, wohl wissend, daß viele aus ihrer Herde eine solche Geste als quasi-häretisch ansehen würden.
Die Frage ist jetzt, ob diese Haltungen sich geändert hat, um eine größere Einheit zu einem realistischen Projekt zu machen.

Unter den üblichen politischen Maßstäben betrachtet hat Kyrill mehr aus dem Freitag-Treffen gemacht als Franziskus. In seinem Hinterhof wird er oft als Verbündeter der Reichen und Mächtigen betrachtet, dennoch wurde er der Welt an der Seite des populären Papstes der Armen vorgestellt. Er wird auch als "Haus-Kaplan der imperialen Russischen Ambitionen" betrachtet, dennoch sah man ihn Arm in Arm mit dem "Friedenspapst".
Die PR-Gewinne aus solchen Bildern sprechen für sich selbst.

Was Putin angeht, so hat er den klaren Ansporn, jedes Tauwetter in den Katholisch-Orthodoxen Beziehungen zu nutzen, um den Widerstand gegen sein Eindringen in der Ukraine und den Rest seiner außenpolitischen Agenda zu schwächen. Der Kreml ist mit derlei Unterstützung auf dem Markt, so warnte am Samstag der Russische Premierminister Dimitri Medjewew düster vor einem neuen "Kalten Krieg."

Einige von Putins ausgesprochensten Kritiker in der Ukraine, wo es eine 5-Millionen-Mitglieder starke Griechisch Katholische Kircthe gibt haben einen hohen Preis für ihre Loyalität zu Rom bezahlt hat, sie spielen heute eine führende Rolle im prodemokratischen, prowestlichen Kampf .
Kein Zweifel, daß Putin es lieben würde zu sehen, wie der Vatican die griechischen Katholiken unter Druck setzt, aufzugeben.

Viele Ukrainer erinnern sich, daß Kritik an den Sowjets jahrzehntelang von Rom als Teil der "Ostpolitik" zum Schweigen gebracht wurde, und-um ehrlich zu sein- einige sehen die gemeinsame Erklärung vom Freitag als ein Streifen von diesem Stück Stoff.

Paragraph 26
der Erklärung fordert die Christen in der Ukraine auf, "darauf zu verzichte, an der Konfrontation teilzunehmen" was man als Diskreditierung der Opposition gegen die Russischen Invasion sehen kann.

Paragraph 27 besagt, daß kirchliche Streitigkeiten durch bestehende kanonische Normen gelöst werden sollten, das könnte bedeuten, daß Ukrainische Orthodoxe, die die Unabhängigkeit wollen, Moskaus Erlaubnis brauchen.

Grob gesprochen befindet sich die Hälfte der Mitglieder der Russisch orthodoxen Kirche in der Ukraine und wenn die wegbrechen, wäre das ein ein großer politischer und finanzieller Schlag für Moskau.
Kritiker sorgen sich auch darum, daß der Vatican Putins Anspruch, der große Verteidiger der verfolgten Christen zu sein Glaubwürdigkeit verleihen könnte, wenn sich seine Politik mehr um Ostpolitik dreht als um religiöse Überzeugungen.
Alles zusammen gesehen, wie werden wir erfahren, ob das Treffen vom freitag mehr als eine Fotomontage war?

Zuerst könnte die Russischen Orthodoxen aufhören, anderen Christen in ihrer Einflußsphäre das Leben schwer zu machen, seien es die Griechischen Katholiken in der Ukraine oder andere Orthodoxe Christen , die unabhängig-"autokephal"- sein wollen.

Zweitens könnte Kyrill offiziell Behauptungen erzkonservativer Traditionalisten zurückweisen, daß die Katholischen Sakramente und Ämter ungültig seien. Katholische Erfahrungen lehren, daß, wenn man das tut- man diese Gruppen nicht zum Weggehen veranlaßt, aber es würde sie wenigstens davon abhalten zu behaupten, für die Kirche zu sprechen.

Drittens, der Orthodoxe Klerus könnte aufhören Putins imperialen Ambitionen religiöse Rückendeckung zu geben und eine wirklich von der Staatskontrolle unabhängig werden.

Viertens-Papst Franziskus und der Vatican könnten diese 3 Schritte zur Vorbedingung für ein Weitergehen machen.

Sollte diese Dinge geschehen, dann wird Treffen am Freitag einen Gezeitenwechsel darstellen.
Man möge allerdings den Langzeitbeobachtern verzeihen, daß sie nicht die Luft anhalten."

Quelle: Crux, John Allen



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