Sonntag, 21. Februar 2016

Ökumene now?

Sandro Magister befaßt sich in seinem blog www.chiesa noch einmal mit der medienwirksamen Umarmung und dem gemeinsamen Dokument von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill und stellt das Wunschbild der Ökumene zwischen den Kirchen der Realität an der Basis gegenüber.
Hier geht´s zum Original:  klicken

"AUF DEM GIPFEL IST DIE UMARMUNG VON HAVANNA, ABER AN DER BASIS IST DIE EINHEIT WEIT WEG"
"Bericht eines australischen Ehepaares - er katholisch - sie orthodox, Punkt für Punkt zu allen strittigen Elementen zwischen den beiden Kirchen im täglichen Leben.

Das Treffen von Kyrill, dem Patriarchen von Moskau und ganz Rußland und Papst Franziskus war der Sprung des Glaubens über das Hindernis.
Oder besser die Hindernisse, die in großer Zahl weiterhin den Weg zur Einheit zwischen den Christlichen Kirchen blockieren.
Aber was passiert an der Basis der gemeinsamen Gläubigen?

Hier folgt eine Erzählung die davon präzise Rechenschaft ablegt. Autoren sind ein italienisch-australischer katholischer Arzt, Aniello Iannuzzo, 45 Jahre, und seine Frau Paraskevi Tsironis, griechisch-orthodoxe Ärztin.
Sie haben 4 Kinder und leben in Sydney. Aber während der Woche arbeitet er in Boonabarbran, einem 300 Meilen entfernten Dorf. Er ist Autor von Aufsätzen und Büchern - wie "Menschsein für Menschen", Fontaine-Press. Western Australia 2007.
Beide besuchen jeweils die Kirche, der sie angehören. Und sie sagen:
"Unglücklicherweise ist es uns unmöglich, die Hl. Kommunion gemeinsam zu empfangen, auch wenn wir das selbe Glaubensbekenntnis haben. Mit vielen Familien wie der unsrigen können wie die Vereinigung kaum erwarten. Aber in der Zwischenzeit haben wir unseren Standpunkt Punkt für Punkt  niedergeschrieben: so wie wir den realen Unterschied zwischen der Katholischen und der Orthodoxen Kirche wahrnehmen und ihn als einfache Christen der südlichen Hemisphäre erleben."
Jetzt ist es an ihnen:

"Ut unum sint", nach Kyrill
von Aniello Iannuzzi und Paraskevi Tsironis

"Papst Franziskus liebt es, mit muslimischen, protestantischen und orthodoxen Führern Schlagzeilen zu machen.

Papst Franziskus und seine Medienbeauftragten verurteilen Proselytismus und verkaufen das als Ökumenismus und Dialog
Alle sind sich einig, daß die Einheit der Christenheit das ist, was unser Herr will. 
Die Realität läßt glauben, daß eine Wiedervereinigung nur zwischen den sakramentalen Kirchen möglich ist, weil die anderen kirchlichen Gemeinschaften zu unterschiedlich sind und zu zerstreut.
Tatsächlich sind die ernsthaftesten ökumenischen Diskussionen zwischen Papst Franziskus und Patriarch Bartholomäus von Konstantinopel geführt worden. Eine Art neues Konzil von Nicäa wurde von ihnen für sie oder ihre Nachfolger für das Jahr 2025 vorgesehen.
Am letzten Wochenende traf Papst Franziskus Patriarch Kyrill von Moskau in Kuba. 
Die Kommentare rangierten zwischen zynisch bis zu euphorisch.


Aber können solche orchestrierten Manöver wirklich zu einer Wiedervereinigung der Kirchen führen?
Um das tun zu können, müßten 3 breite Themengebiete in Angriff genommen werden: Geopolitik, Liturgie und Sakramente.

Geopolitik

Es hat immer theologische Spannungen und Differenzen zwischen dem Osten und dem Westen gegeben, aber um fair zu sein- existieren die auch innerhalb des Ostens und des Westens. Die Geschichte beider Zweige der Christenheit sind voller Kontroversen, Schismen, Exkommunizierungen - sogar bis zum heutigen Tag.
Um wirklich katholisch zu sein, wie beide Kirchen beanspruchen, sind einige Veränderungen in der Praxis unausweichlich. Unterschiede zu unterdrücken und übereifrige Uniformität sind oft eher ein Grund zur Spaltung als zur Einigung. 
Schismen haben meistens eher etwas mit Geopolitik zu tun als mit Theologie.
Es ist nicht unvernünftig, zu behaupten - daß wäre der Lateinische Ritus in Konstantinopel beheimatet gewesen und der Byzantinische in Rom - Rußland heute, 2016, dem lateinischen und Spanien dem byzantinischen. folgen würden. (Alles würde sich ganz anders anhören)

Die Orthodoxen sprechen immer wieder über ihre Kränkung durch die Unierten Kirchen, auch als Katholische Kirche des östlichen Ritus bekannt. Diese Kränkung rührt daher, daß bestimme Gebiete als zu ihnen gehörend betrachtet werden und die "Papisten" sich fernhalten und keine Proselyten machen sollten.
Ein Problem bei diesem Orthodoxen Standpunkt ist, daß einige der Unierten niemals von Rom getrennt waren, wie z.B. die Maroniten.
Ein anderes Problem ist, daß der Vorwurf des Proselytismus fair sein muß.
Es ist eine Ironie, daß der Franziskus-Kyrill-Gipfel in Kuba stattfand.
Während die PR-Maschinerien Kuba als ein neutrales Land und als neue Hoffnung für die Welt zeichnen, werden sich viele Katholiken fragen, welches Interesse die Orthodoxen an Zentralamerika haben, wo alle frühen Missionare Katholiken waren. Die Antwort ist natürlich: das atheistisch-kommunistische Imperium, Geopolitik.

Eine andere politische Falle ist, daß die Kirchenführer sich auf politische Gebiete begeben, die nicht hilfreich sind,  z.B. Umwelt und Bevölkerung. Wann immer die Kirchen Politik und Wissenschaft spielen, neigen sie dazu, sich die Finger zu verbrennen.

Aber Franziskus und Kyrill sind vernarrt in die Grüne Bewegung. Sie unterstützen schlechte Wissenschaften, ziehen mediale Schmeicheleien auf sich, während ihre Kirchenbänke sich leeren und der Atheismus immer mehr zunimmt.
Beide Führer übersehen die größte und am schnellsten fortschreitende christliche Unbildung und Ignoranz der Geschichte. Es sieht so aus, als seien eine Schlagzeile und Bäume mehr wert als Seelen.
Jetzt, nachdem Kyrill aus einem Duo ein Trio gemacht hat, kann er diesen gefährlichen Tendenzen der Verehrung der Natur vielleicht entgegentreten.
Wir müssen auch hinter die Rhetorik und Show des Patriarchen und des Papstes sehen.
Für den einfachen Klerus und die einfachen Gläubigen haben die Jahrhunderte der Teilung bei vielen Bischöfen, Priestern und Laien zu einer totalen Ablehnung der Wiedervereinigung geführt.
Im Schmelztiegel von Osteuropa und im Mittleren Osten würde eine Wiedervereinigung ein schmerzhafter Prozess sein, da ist viel Macht und Einfluß zu verlieren, besonders für manche Erzbischöfe und Patriarchen.

Daß für die Römische Kirche Kardinäle vor Patriarchen rangieren, ist ein ernster Schritt weg von der Tradition, den der Osten sehr schwer zu schlucken finden wird. Einige Patriarchen gehören heute nicht einmal zum Kardinalskollegium, was für die Betroffenen eine schwere Kränkung bedeutet.

Annäherung zwischen Rom und Konstantinopel würde nur Teile des Puzzles zusammenbringen. Die Antiken Orientalischen Orthodoxen Kirchen sind bisher noch gar nicht erwähnt worden. Sie sind keiner bestimmten Führung verbunden. Leider sind sie zur Zeit wohl die am meisten verfolgten Christen der Erde.

Liturgie

Würde der Kampf um die Liturgie in einem Boxring ausgetragen, würden die Orthodoxen die Katholiken in der ersten Runde k.o. schlagen.
Bis zum II. Vaticanischen Konzil konnte man die liturgischen Traditionen mit Respekt und Ernsthaftigkeit vergleichen.
Der Novus Ordo hat die Katholische Kirche in ein liturgisches Chaos gestürzt, bis zu dem Punkt, daß manche protestantische Liturgien den Orthodoxen mehr Sicherheit und Trost vermitteln könnten.
Die Aktionen der Nachhut einiger traditioneller Orden und Papst Benedikts XVI haben einige Früchte getragen, aber kaum genug, um dem Orthodoxen irgendein Vertrauen in die aktuelle Katholische Praxis zu geben. Wenn der Papst selbst dafür bekannt ist, nach Belieben den Normen etwas hinzuzufügen, deutet das auf eine ernsthafte Erkankung hin.
Die Orthodoxen würden zu Recht auf die Verdünnung und die Banalisierungstendenzen der modernen katholischen liturgischen Texte hinweisen. Sie würden die Stirn runzeln über die Liturgien bei sonntäglichen "Express"-Messen, die manchmal nur 30 min dauern.

Andere Sorgen bereiten säkulare Musik, Handkommunion, Kommunion ohne zu Fasten, Priester die zur Gemeinde hin zelebrieren, liturgische Tänze, Frauen am Altar und exzessiver Einsatz von Laien.

Das ewige Problem des "filioque" stellt den größten aller Stolpersteine dar. Die orthodoxen argumentieren, daß die Katholische Kirche nicht das Recht hatte, dieses ohne ökumenisches Konzil dem Credo hinzuzufügen. Auch wenn der Papst die Möglichkeit hat, die Liturgie zu verändern, was das filioque angeht, haben die Orthodoxen Recht, es war respektlos, sie dabei nicht einzubeziehen.

Wir haben jetzt einen Papst, der ziemlich willkürlich Änderungen der Liturgie vornimmt, gegen den Geist der Kollegialität, die Normen des Gründonnerstags zu ändern und zu erlauben, Frauen die Füße zu waschen, ist ein Beispiel für den Mißbrauch der päpstlichen Macht: Kein Abkommen mit den Orthodoxen würde eine solche Verfälschung ihrer Göttlichen Liturgie erlauben.

Wäre es Papst Franziskus ernst mit dem Ökumenismus, wäre der nächste Schritt, das "filioque" zu entfernen. Das würde keine Veränderung der Katholische Praxis bedeuten, wohl aber ein großes Zeichen der Versöhnung.

Die Katholiken haben einige schwache Gegenargumente zur Liturgie.
Einige argumentieren, die Gemeinden seien zu passiv und von den Byzantinischen Liturgien entfernt.

  • Die langen Liturgien sehen nur wenige Anwesende am Anfang der Messe und viele, die kurz vor der Heiligen Kommunion kommen.
  • Die Kommunion vom Löffel ist keine Nachahmung des Letzten Abendmahles. Viele kommen erst kurz vorher und empfangen das Sakrament trotzdem, Kinder werden  mit der Kommunion "zwangsgefüttert".
  • Das "antidoron" (das gesegnete Brot, das am Ende des Ritus verteilt wird) ist eine Quelle der Verwirrung und lenkt von der Eucharistie ab.
  • Die Fastenregeln sind zu komplex und überholt.
  • Es wird nicht genug Gebrauch von der Landessprache gemacht.
Johannes Paul II sagte, damit die Kirche gedeihen könne, müsse sie mit beiden Lungenflügeln atmen - nämlich dem westlichen und dem östlichen. Wenn es um die Liturgie geht, können Ost und West sicher aus ihren jeweiligen Stärken und Schwächen lernen. Sich auf einen einheitlichen liturgischen Kalender zu einigen, wäre sehr wünschenswert, es gibt jedoch keinen Grund, weshalb verschiedene Teile nicht auch verschiedene Kalender benutzen können.

Sakramente

Die Tatsache, daß Osten und Westen die gleichen 7 Sakramente teilen, bleibt die beste Hoffnung für eine Wiedervereinigung.
Einer der Hauptgründe, warum das Christentum sich vom Judentum und vom Islam unterscheidet, ist das Gott sich auf persönliche, anfaßbare Weise selbst offenbart hat. Die Sakramente sind eine Weiterführung davon, indem Gott uns durch die Sakramente berührt.

Die Sakramente unterscheiden Katholiken und Orthodoxe von den Kirchen der Reformation und darüber hinaus haben die letzteren dadurch, daß sie die Sakramente abschafften, das Persönliche zu etwas Unpersönlichem reduziert.


Die Rangfolge der Sakramente ist unterschiedlich, 

In den meisten katholischen Diözesen folgt sie der der Apostel. 
Die Variante der Orthodoxe ist mehr die des Restes der Jünger: mit Taufe und Chrisam am Beginn, die Katholische Tradition der Firmung in höherem Alter hat sicher etwas für sich, während eine zu frühe Firmung die Frage aufwirft, ob sie überhaupt irgend etwas bewirkt.

Die orthodoxe Taufe wird durch vollständiges Eintauchen durchgeführt, während die meisten Katholiken sich mit einem Beträufeln des Kopfes begnügen.


Die Beichte ist bei den Orthodoxen ernsthaft außer Gebrauch geraten, aber auch aktuelle Trends in der Katholischen Kirche sind besorgniserregend.

Beide Kirchen scheinen ziemlich nachlässig darin zu sein, diese Komponente des im Stande der Gnade des Herrn-Stehens vor der Hl.Kommunion durchzusetzen.
In der Orthodoxie wird die Hl. Kommunion immer in beiden Formen empfangen, wogegen Katholiken oftmals nur den Leib des Herrn empfangen.
Die orthodoxen finden die hefelosen Hostien der Katholiken merkwürdig (manche sagen ein Sakrileg). Die Katholiken finden die Kommunion mit dem Löffel ebenfalls merkwürdig.
Dass moderne Katholiken eine Minute vor Austeilung der Kommunion von McDonalds kommen können und sich in die kürzeste Schlange zur Kommunion einreihen können, ist verstörend.
Wenn traditionelle Katholiken und Anglikaner der High-Church zur Kommunion knien können, fragt man sich, warum moderne Katholiken und Orthodoxe das nicht können. Die moderne Katholische Tradition von Kommunionhelfern hat das Sakrament wohl mehr entwertet als das, was sie durch "Teilhabe" und Kürze gewinnen konnte.
Ehe, Weihe und Krankensalbung folgen der Tradition und stellen kein ernstes theologisches Problem dar, alle Kirchen haben verheirateten und zölibatären Klerus in unterschiedlichen Proportionen,

Conclusio

Von den drei genannten Herausforderungen - bleibt die Geopolitik die härteste. Menschliche Egos, nicht die Theologie wird uns wohl noch viele Jahrhunderte länger warten lassen.


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