Mittwoch, 17. Februar 2016

Wunder! Besser spät als nie!

Manche lernens eben doch, auch wenn es manchmal etwas dauert.

Am 10. September 2006 zelebrierte Benedikt XVI die heilige Messe auf der Freifläche des Messegeländes in München-Riem.
Es waren damals einige Bischöfe dabei (Namen nenne ich jetzt nicht), die meinten, sie hätten ein halbes Jahr gebraucht, um diese Predigt zu verdauen. Er sagte unter anderem:

Das Evangelium lädt uns ein, wieder zu erkennen, daß es bei uns ein Defizit in unserer Wahrnehmungsfähigkeit gibt – einen Mangel, den wir zunächst gar nicht als solchen spüren, weil ja alles andere sich durch seine Dringlichkeit und Einsichtigkeit empfiehlt; weil ja scheinbar alles normal weitergeht, auch wenn wir keine Ohren und Augen mehr für Gott haben und ohne ihn leben. Aber geht es wirklich einfach so weiter, wenn Gott in unserem Leben, in unserer Welt ausfällt? Bevor wir da weiterfragen, möchte ich ein wenig aus meinen Erfahrungen in der Begegnung mit den Bischöfen der Welt erzählen.
Die katholische Kirche in Deutschland ist großartig durch ihre sozialen Aktivitäten, durch die Bereitschaft zu helfen, wo immer es not tut. Immer wieder erzählen mir die Bischöfe, zuletzt aus Afrika, bei ihren Ad-Limina-Besuchen dankbar von der Großherzigkeit der deutschen Katholiken und beauftragen mich, diesen Dank weiterzugeben, was ich hiermit einmal öffentlich tun möchte. Auch die Bischöfe aus den baltischen Ländern, die vor den Ferien da waren, haben mir berichtet, wie großartig ihnen deutsche Katholiken beim Wiederaufbau ihrer durch Jahrzehnte kommunistischer Herrschaft schlimm zerstörten Kirchen halfen. Dann und wann aber sagt ein afrikanischer Bischof zu mir: „Wenn ich in Deutschland soziale Projekte vorlege, finde ich sofort offene Türen. Aber wenn ich mit einem Evangelisierungsprojekt komme, stoße ich eher auf Zurückhaltung.“ Offenbar herrscht da bei manchen die Meinung, die sozialen Projekte müsse man mit höchster Dringlichkeit voranbringen; die Dinge mit Gott oder gar mit dem katholischen Glauben seien doch eher partikulär und nicht so vordringlich. Und doch ist es gerade die Erfahrung dieser Bischöfe, daß die Evangelisierung vorausgehen muß; daß der Gott Jesu Christi bekannt, geglaubt, geliebt werden, die Herzen umkehren muß, damit auch die sozialen Dinge vorangehen; damit Versöhnung werde; damit zum Beispiel Aids wirklich von den tiefen Ursachen her bekämpft und die Kranken mit der nötigen Zuwendung und Liebe gepflegt werden können. Das Soziale und das Evangelium sind einfach nicht zu trennen. Wo wir den Menschen nur Kenntnisse bringen, Fertigkeiten, technisches Können und Gerät, bringen wir zu wenig. Dann treten die Techniken der Gewalt ganz schnell in den Vordergrund und die Fähigkeit zum Zerstören, zum Töten wird zur obersten Fähigkeit, zur Fähigkeit, um Macht zu erlangen, die dann irgendwann einmal das Recht bringen soll und es doch nicht bringen kann: Man geht so nur immer weiter fort von der Versöhnung, vom gemeinsamen Einsatz für die Gerechtigkeit und die Liebe. Die Maßstäbe, nach denen Technik in den Dienst des Rechts und der Liebe tritt, gehen dann verloren, aber auf diese Maßstäbe kommt alles an: Maßstäbe, die nicht nur Theorien sind, sondern das Herz erleuchten und so den Verstand und das Tun auf den rechten Weg bringen.

Wie wir auf den Bildern und Videos sehen, waren ja bei dieser Messe eine Menge Kirchenleute und eine Menge Politiker dort - auch solche, die der Kirche eher fernstehen, aber auf das Adabei nicht verzichten wollten.

Ob der derzeitige Entwicklungshilfeminister auch dabei war, weiß ich nicht. Wenn ja, wäre es schön zu sehen, dass die Worte Benedikts einen Nachhall gefunden haben - auch wenn es fast 10 Jahre gedauert hat....

...vielleicht ist der Herr Bundesminister Müller aber auch ganz von selbst darauf gekommen, dann freuen wir uns einfach mal über diesen heutigen Artikel des BR:

Gerd Müller entdeckt die Religion

Neue Töne in der mehr als 50-jährigen Geschichte des Bundes-Entwicklungsministerium. Die Religion soll eine größere Rolle spielen. Das Credo: Zu lange wurde der Einfluss von Religion auf die internationale Zusammenarbeit vernachlässigt.
Und ich erinnere da noch zusätzlich an einen Satz aus einer Predigt, dass das Paradies auf Erden erst dann erreicht ist, wenn sich alle an die 10 Gebote halten.
Es gibt also noch sehr viel zu tun. Aber ein Umdenken in der Politik ist doch schon mal ein guter Anfang.

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