Montag, 22. Februar 2016

Zusammenstoß der Populisten, Papst Franziskus & Donald Trump

-wie Ross Douthat das verbale Fernduell zwischen Papst Franziskus und dem Kandidaten Donald Trump in seiner Kolumne in der New York Times sieht. Im Original "Clash of the Populists" klingt es noch besser und erinnert sicher nicht unbeabsichtigt an den "Clash of Civilisations"
Hier geht´s zum Original:   klicken

                                 "CLASH OF THE POPULISTS"

"Das Buch Daniel weissagt es. Die Offenbarung bestätigte es. Das Necronomicon sagte es in einer für menschliche Ohren zu schrecklichen Sprache. Und wenn Sie "The Art of the Deal"  im Original-Sanskrit rückwärts lesen, werden Sie es dort auch im Voraus berichtet finden: bevor das 7. Siegel geöffnet wird, bevor Hunger und Pestilenz losgelassen werden, muß der Mann in Weiß mit den überkämmten-Titanen kämpfen - mitten im wabernden Gekreisch von Twitter und unter den  unerschrockenen Augen von Cable-News.

Oder für die, die es weniger mythologisch mögen: es war nur eine Frage der Zeit bis Papst Franziskus sich mit Donald Trump verheddern würde.
Ihr Krieg der Worte kam so daher, wie man es erwarten würde.
Er begann bei einer fliegenden Pressekonferenz während eines päpstlichen Fluges, bei der Franziskus behauptete, daß Trump kein Christ sei (oder zumindest sein Eifer für eine erstaunliche Grenzmauer unchristlich) .
Er eskalierte durch eine ambulante Presse-Erklärung des vom Mogul zum Präsidentschaftskandidaten Gewordenen, in der Trump dem Papst erklärte, daß nur ein Trump den Vatican vor dem IS schützen könne.

Dann kam das unausweichliche Herunterspielen durch die Vatican-Offiziellen, die unausweichliche Kehrtwende von Trump ("der Papst ist ein wundervoller Bursche" teilte er CNN mit) und die unausweichlichen Diskussionen ob die eigenen Mauern des Vaticans christlich seien oder nicht und ob Protestantische Wähler bei den Vorwahlen in South Carolina noch der Papolatrie verdächtig sind oder nicht und mehr.

Das offensichtliche Drama des Zusammenstoßes lag im Kontrast der beiden Männer: der Zölibatär und der Lustmolch, der Asket und der Milliardär, der Mystiker und der  blanke Materialist. Aber ihre Ähnrlichkeiten sind auch faszinierend.
Bei allem, in dem sich Franziskus und Trump unterscheiden, als Personen auf der Weltbühne sind sie auch seltsam ähnlich - darin welche Kräfte sie kanalisieren, in ihrem Stil als "öffentliche Verkäufer" und ihrem Verhältnis zu der Institution, der sie entweder vorstehen oder die zu leiten sie anstreben.


Diese Ähnlichkeit fängt - wie Matthew Schmitz in der Washington Post herausstellte- mit ihrem Status als "Außenseiter, die das Establishment durchschütteln wollen", das sie ( und viele andere ) als sklerotisch und korrupt erachten.
"Wenn Trump die Elite der Republikaner angreift und bezüglich Handel, Außenpolitik oder Finanzkampagnen mit der Partei-Orthodoxie bricht," schreibt Schmitz - "kopiert er die Art und Weise mit der Franziskus die verborgene Vatican-Bürokratie herausfordert und damit flirtet, gestandene Katholische Doktrinen zu revidieren."
Beide Botschaften wenden sich an den selben Überdruss  an Institutionen und die selbe Sehnsucht, irgendwie Verwirrung zu stiften  ("to make a mess", wie Franziskus es zu formulieren liebt) und neu zu beginnen.

Dieses Spiegeln betrifft auch ihre Rhetorik, bei der beide Männer eine Vorliebe - naja - für Bezeichnungen haben - die bei Präsidentschaftskandidaten und Päpsten selten ist.
Die Beleidigungen unterscheiden sich: Trump nennt Leute "Low-energy", Lügner, Loser, während Franziskus "Pharisäer" und "mit sich selbst beschäftigte Prometheer und Neopelagianer" vorzieht (auch wenn er nicht über "Jammerlappen" und "Sauertopf" erhaben ist).
Aber ihre scharfe Sprache spiegelt eine beiden eigene Meisterschaft über die zeitgenössische Medienwelt wieder, in der Kontroverse und Unvorhersehbarkeit die großen Währungen sind, um die Leute dauernd fragen zu lassen "Hat er das wirklich gesagt?" ist das sicherste Ticket für die Aufmerksamkeit der Welt.

Der Öffentlichkeitsstil, der diese "Was-hat-er gesagt-Momente" produziert, kann ihnen aber auch beiden Probleme machen.
Aber der Milliardär und der Pontifex scheinen beide zu glauben, daß ein bißchen Problememachen der beste Weg ist, um die Aufmerksamkeit der Unbeteiligten zu erlangen.
Und indem sie Menschen erreichen, die üblicherweise bei Kirchenmännern und Politikern abschalten, sind sie die führenden Populisten geworden in unserer zunehmend populistischen Zeit. Die populären Kreise für die sie normalerweise sprechen, sind natürlich sehr verschieden.
Trump ist Nationalist und spricht für die unglückliche Westliche arbeitende Klasse, während Franziskus Lateinamerikaner ist, Globalist, der für die Armen der Entwicklungsländer spricht - weshalb sie sich bei der Immigrationspolitik natürlich in den Haaren liegen müssen.
Dennoch haben sie einen gemeinsamen Feind: nicht irgendwelche Wächter des Business-as-usual, seien sie katholisch oder republikanisch, sondern die größere herrschende Klasse des Westens.
Ob Donald die "sehr sehr dummen Leute " angreift, die in den USA Politik machen, oder Franziskus die Gier und Eigeninteressen der reichen Nationen und wohlhabenden Unternehmen: der Papst und der Mogul sind jetzt die führenden Kritiker des Neo-Liberalismus, der im Westen seit einer Generation oder länger regiert.
Der Neoliberalismus muß genau so kritisiert werden, wie die Republikanische Partei eine Neuerfindung braucht und die Katholische Kirche Reformen.
Gleichzeitig- schreibt Schmitz weiter- spielt das, was beide, Franziskus und Trump versprechen: "Ablösung von unzulänglichen und teilnahmslosen Institutionen, mit allen ihren Einschränkungen und ihrer Korruption" den Wert von Regeln, Gebräuche und Traditionen herunter, die die Menschen vor der Herrschaft von Neuigkeiten und Launen schützen,
Das ist immer die Gefahr des Populismus: er vertraut zu sehr auf die Macht des Charismas und verliert sich zu sehr in der Aufgabe Amerika oder die Katholische Christenheit wieder groß zu machen.
Natürlich haben Franziskus und Trump bisher noch nichts zerbrochen.
Der populistische Papst mag als großer Reformer erinnert werden und der populistische Milliardär als der unwahrscheinliche Katalysator für die lange verzögerte Reform der Republikanischen Partei,

Aber für den Augenblick ist das letzte, was sie außerdem gemeinsam haben dieses: Alles was sie interessant macht, macht sie auch gefährlich."


Quelle. NYT, Ross Douthat

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