Mittwoch, 2. März 2016

Der historische Verrat der "Katholiken". Roberto De Mattei

Nachdem die Lex Cirinna - leicht modifiziert - durch beide Kammern des Italienischen Parlamentes angenommen wurden - bezeichnet Roberto De Mattei bei Corrispondenza Romana das Verhalten der katholischen Abgeordneten aber auch das der Katholischen Hierarchie schlicht als Verrat. Wir haben den Text bei BenoîtXVI-et-moi gefunden. Dank dafür.
Hier geht´ s zum Original: klicken

"DER HISTORISCHE VERRAT DER "KATHOLIKEN"
Die Zustimmung zur homosexuellen Pseudo-Ehe, die am 25. Februar 2016 mit 173 zu 71 Stimmen
bei 76 Enthaltungen angenommen wurde, ist die letzte Etappe des Auflösungsprozesses der Italienischen Gesellschaft, der mit der Zulassung der Scheidung 1970 begann und dessen nächste, unmittelbar bevorstehende Etappe die Legalisierung der Euthanasie ist.

Man versteht aus dieser Perspektive die Begeisterung der Laienpresse: "In der langen und langsamen Geschichte der sexuellen Befreiung Italiens" schreibt Francesco Merlo in der Repubblica vom 26. Februar - hat dieses Gesetz den selben historischen Stellenwert wie das zur Scheidung und das zur Regulierung der Abtreibung." Was diese 3 Ereignisse gemeinsam haben, ist der Verrat den die Männer katholischer Regierungen begangen haben. Das Scheidungsgesetz passierte die parlamentarischen Hürden unter der Mitte-Rechts-Regierung von Emilio Colombo. Der Abtreibung wurde von einer christ-demokratischen Regierung zugestimmt, der Giulio Andreotti vorstand. Die Christdemokratische Partei ist gefallen, aber die Hauptverantwortlichen für des neue Gesetz, der Ratspräsident Matteo Renzi und Innenminister Angelino Alfano definieren sich - wie Colombo und Andreotti - als praktizierende Katholiken.

Wenn Minister Alfano mit seinem Rücktritt gedroht hätte, hätte das die Annahme des Gesetzes unmöglich gemacht oder zumindest erschwert, aber der sizilianische Politiker hat es vorgezogen, wie Andreotti zu handeln, der in seinem Tagebuch am 21. Januar 1977 notierte:  "Sitzung in Montecitorio (Abgeordnetenkammer) zur Abstimmung über die Abtreibung. Es ist mit 310 gegen 296 Stimmen angenommen worden. Ich habe darüber nachgedacht, das Gesetz nicht zu unterschreiben, aber wenn ich mich geweigert hätte, würden wir nicht nur eine Krise auslösen (...) sondern nach der Ablehnung des Abtreibungsgesetzes würde die DC auch die Präsidentschaft verlieren und das wäre wirklich noch schlimmer."

Der Verlust der Präsidentschaft in einer Regierung wurde als schlimmer angesehen als die gesetzmäßige Ermordung Millionen Unschuldiger.

Was sieht die Maßnahme vor, die ihren Namen von der Senatorin Monica Cirinnà erhalten hat?Das Gesetz sieht die Zivilehe, wie der Jurist Alberto Gambino am 26. Januar erklärte, als eine -eheähnliche Institution, die die selben Rechte und Pflichten vorsieht wie die Ehe: moralischer und materieller Beistand, Kohabitation, Elternrechte, gleiche Rechte bei Arbeitsrecht, Sozialversicherung, Finanzen, Wohnung, gemeinsamer Name und Gütergemeinschaft. 
Das einzige eheliche Recht, das ihnen nicht zuerkannt wird, ist das der Adoption, aber Madame Cirinnà hat angekündigt, daß das "Projekt für ein Gesetz zur Adoption durch HS-Paare fast fertig ist. Es wird zuerst der Kammer vorgelegt, wo die Stimmen sicher sind, und dann dem "gefesselten" Senat. Falls das nicht genügen sollte, wird Europa dafür sorgen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat festgelegt,daß in Ländern, wo eheähnliche Verbindungen etabliert sind - auch wenn man sie "zivile Ehen" nennt - es obligatorisch wird, auch die Adoption zu ermöglichen um Diskriminierungen zu vermeiden.

Die Lex Círinnà - die zu Lex Renzi-Alfano geworden ist - ist- obwohl sie die HS-Adoptionen nicht vorsieht - in sich schlecht und unannehmbar, nicht nur weil sie eine gleichgeschlechtliche Pseudo-Ehe einführt, sondern den  Homosexuellen als solchen diese Rechte zuspricht. 
Nach der Katholischen Lehre - aber auch schon vorher - nach dem Naturrecht ist Homosexualität oder Sodomie ein Laster der Menschen, das die Prinzipien der moralischen Ordnung untergräbt. Aber Angelo Alfano hat bei "Agora" (Sendung ) auf Rai 3 erklärt: 
"Ich habe die Regierung im Fall der Adoptionen für HS-Familien niemals bedroht -  ich werde alles tun, um zu einer Übereinstimmung zu kommen. Zum Cirinnà-Gesetz werde ich mit Ja stimmen, wenn man die Adoption herausnimmt, Ich bin für das Recht für die Paare einschließlich der schwulen, ich bin absolut offen".
Merlo hat also Recht, wenn er schreibt, daß "von welcher Seite man es auch betrachtet, dieses Gesetz ist eine neue Porta Pia*, weil sie Italien devaticanisiert", sprich entchristlicht.

Aber wie kann man die Verantwortung der Kirchenhierarchie für diese Entchristlichung Italiens ignorieren?
Der Vaticanist Giuseppe Rusconi notiert die Bitterkeit und die Wut, die sich an die Adresse der katholischen Politiker richten und gegen ein anderes Ziel: den Generalsekretär der CEI, Bischof Nunzio Galantino, der die Spitze dieser Kirche "im Ausgang" darstellt, die der offenen und sogar harten Konfrontation besonders in den Familienfragen einen nicht näher präzisierten und überhöhten Dialog mit dem Macht vorzieht, der sich in den Korridoren und  üblichen Begegnungsstätten abspielt.

Man muß hinzufügen, daß von dem, der mit der Aufgabe vom Bischof von Rom und Primas Italiens beauftragt wurde, kein einziges Wort zu hören war. So gesehen ist das vom Senat angenommene Gesetz ein schwerer Fehlschlag für alle Katholiken einschließlich derer, die den Ausschluß des Adoptionsrechtes für HS-Paare (Stiefkinderadoption) als Sieg des Family-Days feiern. Es ist dieser "Sieg" der die Zustimmung Renzi-Alfano ermöglichte - und der der Katholischen Welt eine ungeheure Niederlage zufügte.

Eine Demonstration auf der Straße ist immer eine starke Botschaft die man jemandem sendet und die Wichtigkeit des Familientages bleibt - durch die Tatsache, daß er stattgefunden hat. Die katholische Welt Italiens war immer zögerlich, was große öffentliche Demonstrationen angeht, weil sie immer versucht hat, den offenen Konflikt mit den Gegnern zu vermeiden, und die Illusion hatte, durch den Kompromiss siegen zu können.
Aber der Verzicht auf den Kampf ist die Voraussetzung für die Niederlage.
Man muß sich also über die Demonstration vom 30. Januar freuen, weil sie den kämpferischen Geist des Volkes beweist, das zum Preis großer Mühen und Kosten aus ganz Italien gekommen ist, um seine Stimme hören zu lassen.
Aber man darf die Basis des Familientages nicht mit den Repräsentanten der Katholischen Elite verwechseln. Man darf die Ziele der Projekte der Organisatoren der Demonstration nicht mit der starken Botschaft, die vom Platz ausging, verwechseln.
Das Volk des Familientages ist ein Volk, das eine Schlacht verloren hat, aber das den Krieg fortsetzen will. Das tut man auch, indem man für ein Referendum zur kompletten Abschaffung des Gesetzes wirbt, das die HS-Ehen in Italien eingeführt hat. Das nächste Treffen ist am 8. Mai in Rom zum Marsch für das Leben.

Quelle R. De Mattei, Corrispondenz a Romana, BenoîtXVI-et-moi

*Porta Pia

Eines der Tore in der 1561- 1565 von Papst Pius IV errichteten Aurelianischen Mauer. Am 20.September 1870 haben die italienischen Truppen der Bersaglieri bei der Porta Pia eine 12 Meter breite Bresche in die Mauer gesprengt, um die Vereinigung Italiens zu Ende zu führen und der Interims-Macht des Papstes über die Stadt ein Ende zu setzen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen