Samstag, 2. April 2016

"Amoris laetitiae", ein vorbereitender Brief von Kardinal Baldisseri an die Bischöfe der Welt.

Dass mögliche "Uminterpertierungen" der Doktrin als pastorale Änderungen getarnt angeboten werden würden, vermuten und argwöhnen die Verteidiger der Ehelehre der Kirche schon seit Ende der Doppelsynode. Durch seine Äußerungen "ich bin schlau, ich weiß, wie ich mich bewegen muß" hat Papst Franziskus nicht dazu beigetragen, diesen Argwohn zu besänftigen, ebensowenig die Andeutungen seiner revolutionsfreudigen "follower" in kurialen Ämtern und auf Bischofssitzen.
Kardinal Kasper hatte sogar schon die Siegesfanfare geblasen - um die größte Revolution seit 1700 Jahren zu bejubeln.
In der Nuova Bussola Quotidiana kommentiert Lorenzo Bertocchi den Brief von Kardinal Baldisseri.
Hier geht´s zum Original : klicken

        "TREU DER DOKTRIN, PASTORALE NEUIGKEITEN"
          BRIEF AN DIE BISCHÖFE NIMMT DAS DOKUMENT ZUR FAMILIE VORWEG.

"Wir sind am Samstag 8. April, um 11:30 "Amoris laetitia" wird vorgestellt. Das ist der Titel der so ungeduldig erwarteten postsynodalen Exhortation, die eine Synthese des langen Weges der Synode zur Familie darstellt.
Das Dokument, das wie wir wissen umfangreich ist (200 Seiten), wird in der Aula Giovanni Paolo II der Sala Stampa des Hl. Stuhls vorgestellt.
Aus Indiskretionen, von denen La Nuova Bussola Kenntnis hat, wissen wir, daß Kardinal Lorenzo Baldisseri, Generalsekretär der Synode, einen Brief an die Kardinäle und Bischöfe der Welt geschickt hat, zur  Orientierung für die Präsentation auf lokaler Ebene. Kardinal Baldisseri nimmt die tragenden Elemente des päpstlichen Dokumentes vorweg.

4 Elemente liegen "Amor Laetitia" als Basis zugrunde, mit ausführlichen Bezugnahmen auf das Schlußdokument der beiden Synoden, besonders der Relatio 2015.                                                         Und schon da gibt es eine kleine Kuriosität: obwohl bis heute die Relatio finalis der Synode 2014 von der des Jahrs 2015 als überholt gilt, liegt die Aufmerksamkeit auf den Schlussfolgerungen der ersten Teilsynode.

Dann werden Zitate aus dem Lehramt des Vorgängers von Papst Franziskus angekündigt und Bezug auf die beiden großen Dokumente genommen, die Objekte der Diskussion während des synodalen Weges waren: Humanae Vitae von Paul VI und Familiaris Consortio von Johannes Paul II.
Man kann sagen, daß es gegenüber der prophetischen Enzyklika Pauls VI- so die Worte von Papst Franziskus- keine Änderungen geben wird, während wahrscheinlich der in Familiaris Consortio angezeigte Weg des Umgangs mit wiederverheirateten Geschiedenen vertieft wird, besonders in der Frage der Unterscheidungsvermögens. Eine dritte Bezugnahme wird in Amor Laetitia den schönen (?) Katechesen von Papst Franziskus zur Familie vorbehalten sein.  
Zuletzt- und hierauf wird der Hauptaugenmerk liegen- gibt es neue Teile, die-wie man sagt- das Bild vervollständigen sollen. Von dieser pastoralen Indikation spricht der Brief des Kardinals-allerdings ohne auf den Inhalt einzugehen.

"America", die bekannte Jesuitenzeitschrift der USA, die immer mit großer Aufmerksamkeit der Debatte gefolgt ist, twitterte Donnerstag mit großer Sorgfalt, daß der Papst die traditionelle Lehre der Kirche betonte und die Wichtigkeit der Ehevorbereitung unterstreichen wollte und in diesem Jahr der Barmherzigkeit die Tore öffnen für den pastoralen Zugang der Kirche für die katholischen wiederverheirateten Geschiedenen und zur Frage der Homosexualität in der Familie.
Vielleicht könnte das "Amoris Laetitia" richtig abbilden: keine Änderung der Doktrin und pastorale Neuigkeiten.
Das war gleichzeitig aber auch eines der bei der Synode ständig wiederholten Mantras : die Doktrin wird nicht angerührt, es ändert sich "nur" der pastorale Zugang.
 


Außerdem ist interessant festzustellen, daß die Präsentation des Textes in der Sala Stampa -außer dem Generalsekretär der Synode dem Erzbischof von Wien, Kardinal Schönborn anvertraut wurde.
Der war während der Synode sicher ein wichtiger Verfechter der pastoralen Erneurungen. Auch war er etwas weiter gegangen, besonders mit der Forderung, die "Wahrheit" der Paare in den verschiedenen irregulären Situationen (einschließlich der homosexuellen) anzuerkennen, in Analogie zu in Lumen Gentium 8 angezeigten Elemente zur Heiligung und der Wahrheit- auch außerhalb der sichtbaren Grenzen der katholischen Kirche, "Wer sind wir zu urteilen und zu sagen, daß es keine Elemente der Wahrheit und der Heiligung (in diesen Beziehungen) gibt?" sagte Schönborn 2014.

Der Erzbischof von Wien war auch Mitglied des Circulus Minoris Germanicus, der bei der Synode 2015 das versuchte, was viele als Quadratur des Kreises definiert haben. Eine Lösung, die ein Kompromiss zwischen zwei entgegengesetzten Thesen versuchte, besonders im Hinblick auf die Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen zur Eucharistie.
Ein Kompromiss, der nach der Ansicht anderer zur die Öffnung der pastoralen Tür für eine Art Weges der Buße führen könnte, der in letzter Instanz dem Ortsbischof anvertraut werden sollte.
Wird das die Hauptneuheit der Exhortation sein?

Freitag werden wir Amoris Laetitia kennen lernen, wir werden sehen, welches die neuen Teile sein werden, die es sicher geben wird. Franziskus wird sich sicher nicht darauf beschränken, zu wiederholen was, seine Vorgänger gesagt haben.


Quelle: Lorenzo Bertocchi, La Nuova Bussola Quotidiana  

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